Montag, 23. Januar 2012

[Rezi] Delirium

Autor: Lauren Oliver
Titel: Delirium
Originaltitel: Delirium
Genre: Dystopie
Verlag: Carlsen (Hamburg)
Erscheinungsjahr: 2011
Seiten: 416 S.
ISBN: 978-3551582324

Rezension:
"Die Zeit fliegt. Sie springt. Sie rinnt mir wie Wasser durch die Finger. Jedes Mal, wenn ich in die Küche komme und sehe, dass der Kalender schon wieder einen Tag weiter umgeklappt wurde, weigere ich mich, es zu glauben. Übelkeit wächst in meinem Magen, ein bleiernes Gefügl, das jeden Tag schwerer wird.
Noch dreiunddreißig Tage bis zum Eingriff.
Noch zweiunddreißig Tage.
Noch dreißig.
Und dazwischen Schnappschüsse, Momentaufnahmen, einzelne Augenblicke. Alex, der mir Schokoladeneis auf die Nase schmiert, nachdem ich mich beklagt habe, mir sei so heiß, (...)
Schnappschüsse, Momentaufnahmen, einzelne Augenblicke: so zerbrechlich. schön und hoffnungslos wie ein einsamer Schmetterling, der gegen heraufziehenden Wind anflattert."
(S. 249, ab dem 2. Absatz)

Für Lena gibt es nichts aufregenderes, als die Tag bis zu ihrem achtzehnten Geburtstag zu zählen. Dann endlich wird sie geheilt und kann ihr Leben in Angriff nehmen. Operiert werden muss sie wie jeder und jede Erwachsene, denn in ihrer Zeit gibt es eine schwerwiegende Krankheit: die amor deliria nervosa, kurz die Liebe.
Lena selbst musste mit ansehen, wie diese Krankheit ihrer Mutter das Leben ausgesaugt hat und weiß, dass es richtig ist sich davon zu befreien. Bisher hat sie auch niemals Zweifel an den Gesetzen in ihrer Heimat Portland gehegt. Gesetze wie eine Ausgangssperre für Ungeheilte an neun Uhr abends, und das Kontaktverbot zwischen gleichgeschlechtlichen Ungeheilten. Doch je näher der Tag ihrer OP rückt, desto mehr Zweifel und Ängste ergreifen sie.
Und dann trifft sie auf Alex. Alex der das Zeichen der Heilung auf seinem Hals trägt, aber sich dennoch zu Lena hingezogen fühlt und Lena erwiedert seine Gefühle. Schnell hat sie die Krankheit eingeholt und sie versucht dies mit allen Mitteln vor ihrer Familie zu verstecken. Doch sie muss erfahren, das Alex nicht der ist, für den er sich ausgibt. Er ist gefährlich, ein Feind des Landes, aber einmal infiziert muss sie schnell feststellen, dass die Liebe eine hartnäckige Krankheit ist. Sie lässt sich auf das gefährliches Gefühlschaos mit Alex ein und muss sich den Lügen des Landes und ihrer Familie entgegenstellen, denn schnell wird klar, dass alles was sie von klein auf gelernt und erfahren hat, eine große Show war.
Eine wilde Jagd beginnt, in der Lena und Alex um ihr Leben kämpfen. Schnell aber ist klar, um zusammen bleiben zu können gibt es nur einen Weg: sie müssen in die Wildnis, dort wo die Invaliden leben. Nur um dorthin zu kommen müssen sie eine schwer bewachte Grenze überwinden...

Durch Lauren Olivers erstes Buch, was mir sehr gut gefiel, kam ich auch zu dieser Geschichte und ich muss sagen, dass es sich sehr gelohnt hat.
In diesem Buch geht es um die Liebe, besser gesagt um die Krankheit die sich so nennt. Denn in der Zeit in der Lena lebt, ist Liebe nichts schönes - zumindest wird es von der Regierung so dargestellt. Hinter Portlands Grenzen gibt es kaum noch andere Städte. Die Länder haben sich gegenseitig vernichtet - der Liebe wegen und das Heilmittel musste erfunden werden. Das Heilmittel bedeutet eine kleine OP, bei der dem Patienten ein Teil vom Gehirn entfernt wird und die Gefühle damit eingestellt werden. Jeder Mensch bekommt einen Partner zugeteilt, damit die Fortpflanzung funktioniert, doch all das hat nichts mit Gefühlen zu tun. Zu Anfang klang es etwas unmöglich, aber man kann sich doch vorstellen, wenn man von Geburt an immer eingetrichter bekommen hat, das Liebe etwas schlechtes ist, dass man es irgendwann glaubt. 
Wie erwartet passiert es ausgerechnet Lena, dass sie sich dann doch verliebt, aber auch die Geschichte um ihre tote Mutter nimmt eine drastische Wende und einen interessanten Verlauf in diesem Buch.
Weglegen kann man das Buch schon - aber nur sehr kurz.Oliver füllt sie Seiten mit so schönen Überlegungen durch Lena, das man nur ins träumen geraten kann und man berührt ist.
Besonders toll finde ich, dass sie sich nicht nur die Geschichte selbst ausgedacht hat, denn immer wieder pflegt sie Sätze ein, die angeblich in dem Buch "Psst" stehen, eine Art Regelwerk und Pflichtlektüre für die Bewohner der Welt in der Zukunft.
Mir hat es sehr viel Spaß gemacht das Buch zu verschlingen, auch wenn das Ende schon erschreckend ist, eigentlich sogar sehr traurig, aber durch die letzten Worte des Buches schöpt man gleich schon wieder Hoffnung und Mut, der Kampfgeist wird geweckt..
Da bin ich doch mal ziemlich gespannt, wie es weiter geht!


Die Autorin:
Oliver hat an der Universität Chicago Philosophie und Literatur studiert und anschließend an der New York University einen Master-Abschluss gemacht. Nach ihrem Studium arbeitete sie bei einem großen Verlag in New York. Mit dem Buch Wenn du stirbst zieht dein ganzes Leben an dir vobei, sagen sie wurde sie für den Deutschen Jugendbuchpreis 2011 nominiert.
Oliver lebt in Brooklyn.



Weitere Bücher:

1 Kommentar:

  1. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher! Ich bin total begeistert von Lauren Olivers Stil.

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