Sonntag, 31. Juli 2011

[Rezi] Alles inklusive

Dörrie, Doris:
Alles inklusive : Romanürich : Diogenes, 2011. - 248 S.
ISBN 978-3257067811

Rezension:
"Er lehnt sich vornüber, umarmt mich. In der Umarmung erkenne ich ihn nicht. Dieser Körper ist mir fremd. Der knochige Körper eines alten Mannes. Er denkt wahrscheinlich ähnlich Schmeichelhaftes über mich. Ungeschickt lösen wir uns voneinander, alles ist so mühsam, so wenig elegant."
(S. 114, 3. Absatz)

Apple - was für ein Name - verbringt die Sommer ihrer Kindheit, mit ihrer Hippiemutter in Spanien. Gemeinsam verkaufen sie dort selbstgemachten Schmuck. Was Apple nicht weiß: Ingrid tut dies nur, damit sie überhaupt ein bisschen Geld haben. 
Es ist der Sommer im Jahr 1976, in dem sich das friedliche Leben der beiden plötzlich verändert: Apple erwischt ihre Mutter mit einem verheirateten Mann, deren Frau sich um sie kümmert. Der Sohn, Tim, spielt mit ihr und muss mit ansehen wie seine Mutter immer mehr in sich versinkt, bis sie am Ende des Sommers nur noch einen Ausweg findet. Die Wege der zwei Familien trennen sich und treffen erst Jahrzehnte später wieder aufeinander.
Mittlerweile schlittert Apple selbst von einer falschen Beziehung in die nächste und gibt ihrer Mutter daran die Schuld. Diese ist immer noch freiheitsliebend und trifft in ihrer neuen Heimat, einen alten Bekannten.
In einer Journalistin findet Apple eine gute Freundin, mit der sie ihr Leid teilt. Sie machen sich auf den Weg nach Spanien und stellen sich den bösen Geistern der Vergangenheit, die noch schlimmer sind als Apple sich vorher vorstellen konnte. Auch sie trifft alte Bekannte und traut ihren Augen kaum, denn an keinem, der ein Teil der schicksalhaften Ereignisse des Sommer ´76 war, ist das Geschehene spurlos vorbei gegangen und fünf Leben haben sich grundlegend gewandelt. Ob da Dr. Freud noch helfen kann?

Dieses Buch ist eine bunte Mischung und hat mich sehr begeistert. 
In jedem Kapitel wird die Geschichte aus einer anderen Perspektive weitergeführt. Sie springt zwischen der Vergangenheit und Gegenwart hin und her, wird erzählt, von den verschiedensten Personen, die unmittlelbar mit den vergangenen Ereignissen verbunden sind. Eine Familiengeschichte wird erzählt, welche einem auch im wirklichen Leben begegnen kann. Die Folgen die daraus entstehen, sind berührend und machen nachdenklich. Es wird deutlich wie verbunden, die Zukunft eines Kindes mit der vorgelebten Vergangenheit der Eltern ist, wie ein Fehler im Leben sich durch das Leben Vieler ziehen kann. Auch Witz ist in der betrübenden Geschichte zu finden und lockert alles etwas auf. Das Buch hält aber auch nicht nur an der Hauptgeschichte um Apple und Ingrid fest, sondern weißt einige kleine Nebengeschichten auf, die das ganze abrunden.
Das Ende wird für jeden Leser zufriedenstellend sein, auch wenn es etwas zu "klischeehaft" ist.
Dennoch ein Buch das glücklich macht und Freude bereitet, so das ich es gerne weiterempfehle.






Das Cover:
Im üblichen Diogenes-Stil gibt es nur einen kleinen Bildausschnitt oberhalb des Titels. Dieses Bild zeigt eine männliche Person, die durch klares, reflektierendes Wasser schwimmt. Liest man den Klappentext erkennt man gleich die Verbindung.

Die Autorin:
Doris Dörrie, geb. 1955 in Hannover, war nach dem Abitur längere Zeit in den USA, studierte Theaterwissenschaften und Schauspiel in Kalifornien und New York, entschloss sich dann aber nicht vor, sondern hinter der Kamera zu stehen. Ihre Abschlussarbeit an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen 'Der erste Walzer' wurde auf Festivals und im Fernsehen gezeigt, 'Männer', ihr dritter Kinofilm, in der ganzen Welt. Parallel zu ihrer Kinoarbeit veröffentlicht sie Kurzgeschichten, die mehrfach ausgezeichnet wurden.
(Quelle: amazon.de)


Weitere Bücher:
  • Und was wird aus mir? (2007)
  • Das blaue Kleid (2002)
  • Happy End (2001)
  • Was machen wir jetzt (2000)
  • ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

I LOVE comments :)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...