Freitag, 7. März 2014

[Rezi] #12/14 - Noah

Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Noah
Genre: Thriller
Verlag: Lübbe (Köln)
Erschienen: 12/2013
Seiten: 559 S.
ISBN: 978-3-7857-2482-8
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"Alicia wurde von der Stille geweckt."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Noah erwacht bei einem fremden Mann in einem verbotenen Teil einer U-Bahn-Station. Wie er hergekommen ist, daran kann er sich nicht erinnern. Aber auch wer er ist, bleibt ihm selbst verborgen. Viel zeit zum erinnern bleibt ihm aber auch nicht, denn es scheint jemand hinter ihm her zu sein und sein einziger Weg ist die Flucht. Auf dieser aber muss er erkennen, dass er etwas mit der ausgebrochenen Manila Grippe zu tun hat, an der viele Menschen erkrankt sind und sterben. Ist er für diesen Virus verantwortlich? Warum erinnert er sich nicht mehr? Und wie kann er seine Taten rückgängig machen?

Rezension/Meinung:
Der allseits bekannte Autor Sebastian Fitzek hat mit „Noah“ ein literarisches Werk erschaffen, das er klar als fiktiv bezeichnet, das aber auch einige Parallelen zu Geschehnissen in der Realität aufweist. Gleichzeitig ist es ein Thriller, der sich komplett anders gestaltet als seine vorherigen Veröffentlichungen.
Jeder der Fitzeks Bücher kennt und verschlungen hat, wird hier etwas anderes vorfinden, aber nichts Schlechteres. Denn wie gewohnt, ist dieses Buch vollgepackt mit spannenden Augenblicken, aber auch stark kritischen Blickwinkeln, die keinen Leser unberührt lassen. Sebastian Fitzek stellt in seinem Nachwort klar, dass er dieses Buch nicht „mit erhobenen Zeigefinger“ geschrieben hat, aber dennoch regt diese Lektüre klar zum nachdenken an.
Wichtig ist, sich auf dieses Buch einzulassen, denn die starke Kritik an unserem Lebensstil ist wahrscheinlich nicht für jedermann etwas, wird aber immer wieder mit guten Beispielen belegt und verändert so auch den eigenen Blickwinkel auf viele Dinge…

Am Anfang der Geschichte, verfolgt man die wortreiche Beschreibung über die junge Frau Alicia, die ihr Baby nur mit Mühe und Not am Leben erhalten kann, da ihr Wasser und Essen fehlen um eine sorglose Pflege gewährleisten zu können. Sogleich fühlt man eine starke Bedrückung und möchte den Worten nicht allzu sehr glauben schenken und hofft doch irgendwie das alles aus den Fingern gesogen ist, weiß aber natürlich gleichzeitig, dass es so was viel zu oft gibt.
Erst im zweiten Kapitel begegnet man dem Namensgeber des Buches. Noah kann sich nicht entsinnen, wie er nach Berlin gekommen ist, aber auch nicht wo er herkommt. Einzig das er Noah heißt, scheint klar. Doch kurz darauf, auf der Suche nach seiner selbst und auf der Flucht, weil er verfolgt und bedroht wird, findet er Dokumente, die ihn an seiner Identität zweifeln lassen. Mehrere Pässe mit unterschiedlichen Namen und seinem Bild verwirren nicht nur ihn.
Noah entdeckt eine Handynummer und setzt sich mit der Person dahinter in Verbindung und erfährt unglaubliches: Er ist ein Mitglied des Teams, das die ausgebrochene Manila Grippe gezüchtet und verbreitet haben soll. Schon vor Jahrzehnten wurde diese an die Menschen weitergegeben und bricht nun kurz vor der Überbevölkerung aus und soll die Menschenmassen minimieren.
Nur Ausgewählte haben unwissend eine Impfung bekommen, welche das Ausbrechen dieser Krankheit verhindert. Überwiegend sind es bedeutende Personen, deren Verlust nicht nützlich wäre. Doch wer entscheidet wer leben darf?
Ein geheimnisvoller Club tritt in Erscheinung, der Room 17. Sie scheinen eng mit den Vorkommnissen der Grippe verbunden zu sein, pflastern ihren Weg mit Leichen und sind hinter Noah her. Die Flucht zieht sich durch Länder, bis über die ganze Welt, zieht eine Spur aus Gewalt und Krankheit hinter sich her, bis Noah plötzlich vor seinem eigenen Vater steht – dem er kein Wort glauben möchte.
Die Krankheit scheint unaufhaltsam. Noah aber versucht alles um weitere Ausbrüche zu verhindern und kommt damit nicht nur seinen eigenen Ideen in die Quere…

In „Noah“ sind Szenen- und Ortwechsel regelmäßig vorhanden. Ich konnte diesen, manchmal auch sehr abrupten Wechseln, ganz gut folgen, was aber nicht für jeden Leser leicht ist. Das Thema des Buches ist sehr komplex und man kommt nicht umhin sich seine eigenen Gedanken zu machen und seine eigene Meinung zu bilden.
Sicherlich sind die angesprochenen Probleme in dem Buch keine unbekannten. Niemand kann behaupten, dass ihm nicht selbst schon einmal etwas ähnliches begegnet ist, denn es reicht schon das Radio oder den Fernseher anzumachen um Menschen verhungern oder an Krankheiten sterben zu sehen.
Doch Fitzek vertieft dieses Thema noch einmal und baut darum ein Gebilde, aus verschiedenen Elementen, das die Frage aufwirft, ob all das nicht einfach genau so passieren kann. Gleichzeitig aber muss man erkennen, dass einen all die schlechten Nachrichten kaum noch berühren. Warum? Wahrscheinlich weil wir es schon als „normal“ betrachten solche Worte zu hören oder Bilder zu sehen.

In „Noah“ wird dies alles aber noch einmal auf die Spitze getrieben. Hier gibt es eine geheime Organisation, die schon lange daran arbeitet, die Menschheit zu dezimieren. Sie entscheiden wer es verdient hat von einer tödlichen Krankheit verschont zu bleiben und leider spielt auch hier, wie in ähnlichen Büchern/Filmen das Geld ein großes Thema.
Menschen die etwas geleistet haben und zu unserer Entwicklung beigetragen haben, werden zwar auch mit dem rettenden Medikament versorgt, aber wer Geld hat, kann sich diese erkaufen. Man verfolgt die Worte des Autors, der auf der einen Seite beschreibt, wie eine kleine Gruppe in einem heruntergekommenen Viertel versucht um ihr Überleben zu kämpfen und wo ein Menschenleben nichts wert scheint, und wo auf der anderen Seite Noah beschrieben wird, der scheinbar all die schlechten Taten mir organisiert hat, sich aber nicht mehr daran erinnern kann.
Dieser Sinneswandel hat mir sehr gut gefallen, denn ohne diesen wäre der Verlauf der Geschichte klar hervorsehbar gewesen.
Auch die Ausarbeitung des Krankheitsbildes von „Noah“ fand ich sehr gut. Hier wurde sich immer an realen Vorgaben orientiert und so ein intensives Gebilde erbaut, dass sich nicht mehr so einfach auslöschen lässt.
An einigen Stellen fühlte ich mich immer wieder an Geschehnisse erinnert, die nicht gerade lange her sind. Schweinegrippe und Co. wurden genutzt und wenn man selbst schon den Gedanken hegte, dass diese viel zu sehr aufgebauscht wurde, hat man nach diesem Buch noch mehr das Gefühl.

In gewisser Weise appelliert Sebastian Fitzek hier auch an das Gewissen der Menschen. Selbst sagt er zu diesem Buch, dass es sich erst während des Schreibens so entwickelt hat, wie es am Ende uns Lesern präsentiert wird. Genau das kann ich gut nachempfinden, denn die angesprochenen Themen sollten, auch wenn sie fast alltäglich scheinen, nicht ignoriert werden und selbst diese Rezi entwickelt sich erst während des Schreibens.
Auch wenn niemand alleine etwas ändern kann, kann man doch gemeinsam mit kleinen Schritten einiges machen.

Der Schreibstil ist gewohnt rasant, abwechslungsreich und spannend. Mich hat das Buch auch lange nach der letzten Seite nicht losgelassen und meine Gedanken immer wieder mit Fragen angefüllt. Wer „Noah“ liest, liest keinen typischen Fitzek, dennoch einen sehr guten.
Seinen Handlungsort Deutschland, verlässt der Autor nicht nur einmal und diesmal sind es die realen Gegebenheiten die sich in das Gehirn brennen.
Kritisch, aber auch aufklärend geschrieben, schafft dieses Buch es ähnlich wie „Blackout“ oder „Rattentanz“ den Leser klar zu überzeugen und an seinem eigenen Handeln zweifeln zu lassen.

Eine Zukunftsvision, die schon in der Vergangenheit begonnen hat und die eine Frage stellen lässt: Ist schon alles geschehen? Tragen wir alle einen Virus in uns, der uns in Jahrzehnten vernichten kann?
Spannend und emotional, bedrückend und auch kämpferisch stellt sich „Noah“ dar und nimmt uns alle mit auf eine Reise in unsere Zukunft, die wir zwar nicht komplett ändern können, aber für die wir positive Impulse aussenden können.

Wer einmal sehen möchte, was sein Lebensstil für unsere Welt bedeutet, kann gerne hier vorbei schauen: www.footprint-deutschland.de
Nicht nur empfohlen von Sebastian Fitzek. Auch ich musste feststellen dass ich mehrere Erden bräuchte…




Das Cover:
Dieses Cover hat es in sich. Der Handabdruck vermittelt schon einiges und macht klar, was jeder einzelne Mensch auf dieser Erde hinterlässt. Gleichzeitig sollte man bei diesem Cover einfach mal das Licht ausmachen, denn in typischer Fitzek-Manier gibt es wieder eine kleine Überraschung...

Der Autor:
Sebastian Fitzek, Jahrgang 1971, geboren in Berlin, entschied sich nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Promotion zum Dr. jur. gegen einen juristischen Beruf und für eine kreative Tätigkeit in den Medien. Nach dem Volontariat bei einem privaten Hörfunksender wechselte er als Unterhaltungschef und später als Chefredakteur zur Konkurrenz und machte sich danach als Unternehmensberater und Formatentwickler für zahlreiche Medienunternehmen in Europa selbständig. Er lebt in Berlin, wo er derzeit in der Programmdirektion eines großen Hauptstadtsenders tätig ist. 
Homepage des Autors
Homepage zu "Noah"


Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.


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