[Rezi] #11/2019 - Zebraland

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Autor: Marlene Röder
Titel: Zebraland
Genre: Jugendbuch
Verlag: Ravensburger Buchverlag (Ravensburg)
Erschienen: 01/2009
Seiten: 222
ISBN: 978-3-473-353011-9

"Ich stehe auf dem Dach der Turnhalle und spraye ein Zebra auf die Rückwand meiner Ex-Schule."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Alles was sie wollen: Einen schönen Abend bei guter Musik mit Freunden. Alles was sie bekommen: Einen Abend der aus dem Ruder läuft und das Leben von vier Jugendlichen komplett auf den Kopf stellt. Ziggy kennt Judith, Anouk und Philipp nur flüchtig, doch der Abend an dem er das erste Mal einen Auftritt mit seinem Cousin hat, verbindet die vier plötzlich unvorhersehbar und macht ihnen klar, dass das Leben viel zu kurz ist...

Rezension/Meinung:
Dieses Buch ist ein Jugendbuch, das aber von der Thematik her auch etwas für Erwachsene ist.
Ich selbst habe diese Geschichte sehr schnell verschlungen und musste danach erst einmal eine Weile in mich gehen und es verarbeiten. Marlene Röder beginnt direkt mit einer Sequenz, die sich dem Leser zwar nicht sofort, aber nach und nach erklärt.
Der Erzähler der Geschichte, Ziggy, begeht eine Straftat und beschmiert die Schulwand. Der Leser aber wird schnell feststellen, dass dies noch gar nichts ist. Die Geschichte schreitet schnell voran und man erfährt aus Sicht von Ziggy und Judith, wie sich das Geschehen zugetragen hat und wie die beiden damit umgehen. Dadurch sind es gerade die beiden Protagonisten die man am besten kennen lernt. Die anderen werden ebenfalls behandelt, aber man blickt auf deren Gefühlswelt nur von außen.

In dieser Geschichte geht es nicht um das was passiert – um den ungewollten Tod eines Menschen. Im Vordergrund stehen die Dinge, die danach passieren: Was macht man in einem solchen Fall? Wie kann es sein, dass sich vier Menschen dazu entscheiden etwas zu verheimlichen, das so große Ausmaße annimmt? Was macht dieses Wissen mit einem?
Natürlich vernachlässigt die Autorin auch nicht den Unfall bzw. den Tod, aber sie versetzt sich und den Leser in die jungen Leute hinein, die irrationale Entscheidungen treffen und plötzlich nicht mehr wissen wer sie selbst sind.

Dieses Buch beinhaltet eine brutale Wahrheit, die irgendwie ans Licht will; Menschen, die sich nicht mehr vertrauen können und Fremde, die plötzlich etwas füreinander fühlen. Sicherlich ist es fraglich, ob es möglich ist solche Geschehnisse so zu vertuschen und ohne große Verurteilungen durchzukommen.
In dieser Erzählung aber geht es nicht um realistische Umsetzungen und Co. Hier geht es darum Entscheidungen zu treffen und diese wieder gerade zu rücken. Und es geht darum sich selbst zu fragen, wie man in dieser oder jener Situation handeln würde.
Denn eines wird klar: egal ob bewusst oder nicht, es dauert nur wenige Augenblicke das Leben vieler Menschen zu zerstören oder zu verändern.
„Zebraland“ ist ein Buch, das mich sehr berührt hat, wenn auch nicht emotional, denn es ist mit einer Leichtigkeit geschrieben, die beängstigend ist. Nicht auf Grund der Thematik, aber Teile der Protagonisten in diesem Buch, gehen mit dem was sie getan haben so um, als würde es nicht schlimm sein – und leider weiß man, dass dies auch in der Realität oft vorkommt.

Neben diesen wichtigen Themen nimmt sich die Autorin auch ein bisschen der Thematik bzgl. ausländischer Mitbürger an und will aufrütteln, dass jeder Teil der Gesellschaft einen Wert hat. Das niemand einfach sterben darf, nur weil er anders ist.

Gerade für die Zielgruppe finde ich dieses Buch perfekt. Verschiedenste Vorurteile werden hier angesprochen und das ein oder andere auch gekippt. Gleichzeitig erfährt man, wie einfach es sein kann zu vergessen, aber wie falsch genau das ist. Denn sich erinnern ist mehr als wichtig. Und der Ungerechtigkeit die Stirn zu bieten noch viel mehr.

Auch wenn dieser Titel schon einige Jahre auf dem Buckel hat, ist diese Geschichte immer noch sehr lesenswert und weckt in dem ein oder anderen einen vielleicht bis dahin unterkannten Gerechtigkeitssinn.
Spannend, bedrückend und mit vielen Fragen an sich selbst angefüllt.


Die Autorin:
© Fotopoetin Jen Preusler
Marlene Röder wurde 1983 in Mainz geboren und wuchs in Limburg auf. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Glasmalerin an der Glasfachschule Hadamar. Im Jahre 2006 nahm sie ein Lehramtsstudium mit den Fächern Deutsch und Kunst in Gießen auf, das sie 2011 abschloss. Im Jahre 2006 erhielt sie den "Hans-im-Glück-Preis" der Stadt Limburg für Jugendliteratur für ihr bis dato unveröffentlichtes Manuskript des Romans "Im Fluss". Die Autorin selbst sagt über ihre Arbeit: "Ich schreibe Geschichten, die ich gern selbst lesen würde." Zur Zeit lebt die Autorin in Limburg und Düsseldorf.

Weitere Titel:
 
Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.
 

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