Dienstag, 19. November 2013

[Rezi] Danach

Autor: Koethi Zan
Titel: Danach
Originaltitel: The Never List
Genre: Thriller
Verlag: Scherz (Frankfurt am Main)
 Erscheinungsjahr: 2013
 Seiten: 448 S.
ISBN: 978-3-651-00045-2

"In den ersten zweiunddreißig Monaten und elf Tagen unserer
Gefangenschaft waren wir dort unten zu viert.
"
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Vor Jahren wurden mehrere Mädchen gemeinsam in einem Keller festgehalten. Sie mussten ein unvorstellbares Martyrium durchleben, wurden von einem Mann gefoltert und unsäglichen Schmerzen ausgesetzt. Heute sind einige von ihnen wieder frei, doch ihre Leben haben sich stark gewandelt.
Als Sarah erneut einen Brief aus dem Gefängnis erhält und sie die Worte ihres Peinigers liest, kriecht die alte Angst in ihr auf, denn er steht kurz vor der Entlassung. Entschlossen setzt sie sich mit anderen Opfern in Verbindung und versucht alles um sie dazu zu bewegen weitere Beweise zu finden – gemeinsam geraten sie dabei in den Sog der Vergangenheit.

Rezension/Meinung:
„Danach“ wurde ebenso wie „Gone Girl“ nach Veröffentlichung hoch gelobt. Aus diesem Grund konnte ich mich auch erst nicht ganz dazu entschließen, das Buch zu lesen, denn „Gone Girl“ konnte mich alles andere als überzeugen.
Nun habe ich mich aber dazu entschlossen das Buch zu lesen und es hat nur wenige Tage gedauert, bis ich es durch hatte.

Die Geschichte konnte mich von Anfang an fesseln und gut für sich einnehmen. Die Hauptprotagonistin Sarah erzählt „Danach“ aus ihrer Sichtweise. Der Titel bezieht sich dabei schon auf die wichtigen Punkte, denn Sarah ist vor Jahren, zusammen mit ihrer besten Freundin, von einem Mann entführt worden, der sie im Keller eingesperrt hat, wo sie nicht nur hungerten, sondern auch Qualen erleiden mussten. Mehrmals wöchentlich wurde eines der Mädchen in die Bibliothek des Hauses geschleppt und dort auf einem Tisch missbraucht, verletzt und gedemütigt, bis sie ihren Schmerz heraus schreien mussten.
Sie waren in diesem Keller nicht alleine, denn auch andere junge Frauen sind in die Falle des netten Lehrers getappt – doch nicht jedes Mädchen kam zurück in den Keller. So auch Jennifer, die mit Sarah entführt worden war. Eines Tages war sie nicht mehr aus ihrer Kiste gekommen, in die sie gepfercht wurde.
Sara schaffte es nach Jahren der Qual einen Weg hinaus zu finden und rettete nicht nur sich.
Diese Details erzählt Sara in Rückblenden und versursacht dem Leser damit Gänsehaut.
In der Gegenwart lebt sie alleine und zurückgezogen, kann keine Nähe ertragen und muss alles mehrfach kontrollieren, damit sie eine gewisse Sicherheit hat. Dennoch erreichen sie immer wieder Briefe ihres Entführers. Aus dem Gefängnis heraus schreibt er ihr und ihren Leidensgenossinnen, zu denen Sarah selbst kaum Kontakt hat. Nun aber steht ein Berufungsverfahren ins Haus und es scheint als würde der einstige Peiniger einen Weg aus dem Gefängnis finden. Sarah, die sich heute Caroline nennt, will dies nicht geschehen lassen und versucht mit Hilfe der anderen erwachsen gewordenen Frauen einen Weg zu finden ihn hinter Schloss und Riegel zu halten.
Sie versuchen seine Frau zu finden und stoßen dabei auf perfide Details. Ein weiteres Opfer, eine ehemalige studentische Hilfskraft, befasst sich noch heute mit den teilweise brutalen Praktiken und besucht gerne einmal einen ungewöhnlichen Ort, an den sie auch Sarah mitschleppt.
Sarah die sich ihren Ängsten stellen muss, kann plötzlich nicht mehr von der fixen Idee Jennifers Leiche zu finden lassen. Doch führen alle Wege nur an einen Ort: Das Haus in dem sie so lange gefangen gehalten wurden.
Dort aber werden sie schon erwartet und Sarah muss sich eingestehen, dass damals nicht alles lief wie sie es noch in Erinnerung hat...

Der erste Abschnitt der Geschichte ist der, der den Leser festhält, denn man möchte mehr erfahren. Auch wenn er nur sehr kurz ist, ist es ein gelungener Einstieg.
In der Folge wechselt die Szenerie und man erfährt ein bisschen mehr über Jennifer und Sarah. Dadurch fühlt man sich den beiden näher und kann nachempfinden, was sie fühlen.
Die Geschichte setzt sich gut fort, wird aber in Teilen recht brutal beschrieben bzw. kurbelt die Fantasie auf einer Ebene an, die nicht für jeden etwas ist. Auch wenn nur Andeutungen die Seiten beherrschen, scheint man nach und nach doch ein komplettes Bild im Kopf entstehen zu lassen.

Nach dem sehr guten Anfang ist man erst einmal etwas enttäuscht, denn der Mittelteil wirkt wie ein hin und her Gezerre, bei dem sich scheinbar niemand so richtig entscheiden kann, welche Position er vertritt. Dies legt sich aber immer mehr, denn das Ende überrascht doch sehr; auch wenn man irgendwo im Hinterkopf geahnt hat, dass etwas Ähnliches passieren muss.
Die Spannungsphasen sind gut, aber lassen auch immer wieder nach um Geplänkel Platz zu machen.
Hier hätte die Autorin die Spannung noch weiter auf einem höheren Level halten und vielleicht einige Verzweigungen der Geschichte weglassen sollen.

Der Grundgedanke hat mir sehr gefallen und auch die Umsetzung konnte mich in den meisten Teilen überzeugen. Für ein Debüt finde ich es ganz angemessen. Die Schwächen die die Autorin in ihrem Erstling zeigt kann sie sicherlich verbessern. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und für Dinge die sich dem Leser nicht immer gleich erschließen findet sie auch schnell Erklärungen, so dass keine Fragen offen bleiben.
Sehr gut fand ich die Wendungen, die vielleicht nicht jeden überraschen, die aber dennoch wichtige Anteile beherrschen.

Alles in allem ist „Danach“ ein spannender Thriller, der das Hauptaugenmerk nicht nur auf die schlimmen Geschehnisse legt, sondern auch zeigt was diese nach sich ziehen. Wie sich ein Mensch verändern kann, wenn er unvorstellbare Dinge mit sich hat machen lassen muss.

Ein Thriller der es schafft, dass man sich seine Umgebung genauer ansieht um Dinge zu entdecken, die jedes Leben verändern können…


Das Cover:
Die Idee des Covers hat mir sehr gefallen, denn mit den Seilen auf die der Titel mit blutigem Rot dargestellt ist, reizt zumindest schon mal einen Blick hinein zu werfen.

Die Autorin:
Koethi Zan stammt aus Alabama und hat in Yale Jura studiert. Sie arbeitete als Anwältin für Film, Fernsehen und Theater, zuletzt beim Musiksender MTV. Heute konzentriert sie sich ganz auf das Schreiben und hat bereits zahlreiche Ideen für weitere Thriller. Koethi Zan lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Hudson im Bundesstaat New York. 

Weitere Bücher:
(bisher keine weiteren Veröffentlichungen)

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

1 Kommentar:

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