[Rezi] #3/2018 - Was gewesen wäre


Autor: Gregor Sander
Titel: Was gewesen wäre
Genre: Roman
Verlag: S. Fischer (Frankfurt am Main)
Erschienen:
08/2015
Seiten: 240
ISBN:
978-3-596-03199-3

"Wir gingen durch den Wald, Jana und ich."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Astrid und ihr Freund Paul fahren nach Ungarn in ein Hotel, das alles andere als ansprechend ist. Kaum angekommen entdeckt Astrid im Speisesaal ein bekanntes Gesicht. Sie war schon einmal hier, genau in diesem Hotel, zusammen mit Julius, der nun unbedarft an einem Tisch sitzt. Ohne ein Wort dreht Astrid sich um und zieht Paul mit sich. Paul der nicht weiß, was plötzlich los ist, der Astrids Vergangenheit nur in Auszügen kennt. Denn Julius ist der Junge, der Astrid vor 25 Jahren das Herz stahl und es noch immer bei sich trägt...

Rezension/Meinung:
Berlin, getrennt durch eine scheinbar unüberwindbare Mauer, wie ganz Deutschland. Assi und ihre beste Freundin Jana leben in Neubrandenburg. Viel gibt es hier nicht. Kleine Wohnungen, wenig Platz und täglich dieselben Dinge. Hin- und hergerissen geht Assi mit Jana auf eine Party. Niemanden sonst kennt sie dort, aber Jana hat ihr schon viel erzählt. Insbesondere von Julius. Sie kann Janas Worte verstehen, denn schon mit seinem ersten Blick, ist sie hingerissen.
Ab da ist Julius ein Fixpunkt in Astrids Leben. Sie will bei ihm sein, er aber hält sie immer auf Abstand. Ist mit ihr zusammen, aber auch irgendwie doch nicht. Als Jana dann in den Westen verschwindet hängt Astrid in den Seilen. Julius fängt sie auf, aber nicht mit vollem Willen.
Astrid bietet sich nach Jahren die Möglichkeit Jana zu besuchen. Was sie aber nicht weiß: die Stasi hat ihre Finger im Spiel und das Ziel ist Julius in den Westen zu bekommen. Doch warum sollte er Astrid hinterherreisen?
Jahre später steht sie nun plötzlich wieder vor dem Jungen, der zum Mann geworden ist und es scheint als wäre keine Zeit vergangen.

Der Autor erschafft vor den Augen des Lesers eine kleine Reise durch die Zeit. Mit den ersten Seiten wird man in das getrennte Deutschland versetzt und begegnet da den beiden Freundinnen Jana und Assi. Gerade sind sie auf dem Weg zur Party und so vergeudet der Autor gar nicht viele Vorworte. Denn mit dieser Party beginnt auch die Geschichte, die der Dreh- und Angelpunkt des Buches ist.
Anschaulich wird von den Erlebnissen berichtet und selbst wer nicht in dieser Zeit aufgewachsen ist oder eben noch nicht alt genug war um viel mitzubekommen, spürt diese unterschwellige Unzufriedenheit, aber gleichzeitig Angst vor der Fremde zwischen Ost- und Westdeutschland.
Leser die ebenfalls hautnah miterlebt haben wie es damals war, werden sich zurückversetzt fühlen.
Man versteht schon nach wenigen Seiten, welche Sehnsucht Julius in Astrid auslöst und was er ihr bedeutet. Gleichzeitig spürt man auch den Wunsch nach Innigkeit und Nähe, der aber immer wieder abgeblockt wird. Der Wiederwillen Julius‘ ist ebenfalls immer spürbar.

Das in der Jetztzeit zwar an Astrids Seite jemand ist, wird zwar klar präsentiert und auch intensiv behandelt, aber so wirklich bekommt man kein Gefühl für Paul bzw. kann sich nicht unbedingt für ihn erwärmen. Auch aus dessen Sicht sind Teile geschrieben, aber auch wenn diese mit Gefühlen gefüllt sind konnte mich dieser Protagonist nicht wirklich erreichen.
Daneben gibt es noch ein paar weitere Protagonisten die nicht unbedingt einen Platz in dieser Geschichte gebraucht hätten.
Die Geschichte mit der Stasi finde ich etwas zu vorhersehbar, denn wenn sie nicht mit hineinspielen würde, müsste man die Trennung des Landes nicht so oft benennen.

Mir hätte es etwas besser gefallen, wenn sich mehr auf die Geschichte der beiden Hauptprotagonisten bezogen hätte und man vielleicht auch mehr aus Sicht von Julius hätte lesen können. Am Ende bleibt viel Spielraum für Interpretationen und gleichzeitig ein Haufen Fragen übrig.

Wer nicht jede Frage beantwortet haben muss und die Geschichte in seinem Kopf weiterspinnen will, findet hier einen Roman, der ihn durch die Zeit reisen lässt und dabei aufzeigt, dass Gefühle oft keine Zeit kennen.

Der Autor:
Gregor Sander, geb. 1968 in Schwerin, studierte einige Semester Medizin, Germanistik und Geschichte. Davor schloss er Ausbildungen zum Schlosser und Krankenpfleger ab. Nach dem Besuch der Berliner Journalistenschule lebt er heute als freier Autor in Berlin.
Homepage des Autors.

Weitere Titel:
 
Quelle: Bilder und Vita von der Verlags- und Autorenhomepage.

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