Montag, 18. Januar 2016

[Rezi] #3/2016 - Still

Autoren: Thomas Raab
Titel: Still - Chronik eines Mörders
Verlag: Droemer (München)
Erschienen: 01/2015
Seiten: 368 S.
ISBN: 978-3-426-19956-5
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"Der Tag, an dem Karl starb, war ein guter Tag."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Lauthals durchbricht der Geburtsschrei Karl Heidemanns die Stille der Nacht. Den Dorfbewohnern ist schnell klar, dass dieses Kind anders ist. Stille ist alles was dieser kleine Säugling will. Wo er erst weggesperrt wird, damit niemand seine Makel entdecken kann, wächst er zurückgezogen und einsam heran. Jahr später ist es das Schicksal, das ihm zeigt was wahre Stille bedeutet. Denn diese findet er nur im Tod Anderer und so beginnt er eine dunkle Spur hinter sich her zu ziehen.

Rezension/Meinung:
Wie wird man zu einem Mörder? Was bewegt einen dazu, das Leben anderer zu beenden? 
In „Still“ bekommt man diese Fragen beantwortet, denn Thomas Raab beschreibt das Leben des Karl Heidemann. Dieser wird in einem kleinen Ort geboren, in dem jeder jeden kennt. Schon die Geburt Karls ist ein Großereignis, welches viele schnell bereuen, da das Baby wie am Spieß schreit und keinem mehr Ruhe lässt. Bis klar ist, warum das Schweigen über die Familie nicht hereinbricht, vergehen schwere Tage. Es ist die Umgebung und der Lärm, der den kleinen Bub zum Schreien bringt, denn alles was er will ist Ruhe. 
Doch seine Mutter kann das nicht verstehen und fleht ihn schon früh an mit ihr zu reden. Karl aber schweigt auch im Kindesalter. Sein erstes Wort gegenüber seiner Mutter ist auch das letzte was sie je von ihm hören wird, denn plötzlich ist sie tot. 
Geschockt ist Karl nicht – ganz im Gegenteil, denn dieser Tod erweckt die Neugier in ihm. So kommt es, dass er in seinem Dorf immer mehr Stille schafft. 
Als erwachsener Mann dann verlässt er das Dorf und erkennt seine Berufung. Doch all die Morde die auf sein Konto gehen, bleiben nicht unentdeckt und auch wenn er fort ist, sind immer noch Leute hinter ihm her. Und dann begegnet er der Liebe… 

„Still – Die Chronik eines Mörders“ klingt fast wie ein autobiographischer Roman. Doch ist diese Geschichte klar fiktiv, auch wenn sie echter nicht wirken kann. 
Raab sucht Worte und findet sie einfach. Er vermittelt dem Leser ein düsteres Gefühl und man meint jedes Mal wenn man von den Seiten aufblickt, dass man in eine ganz andere Welt abgedriftet ist. 
Karl ist einem alles andere als sympathisch und man weiß nicht so recht ob er eventuell eine Störung des Gehirns hat oder so unbeschreiblich intelligent ist, dass alles Berechnung ist. 
Erst als plötzlich Gefühle ins Spiel kommen, merkt man wie menschlich dieser scheinbare Eisklotz ist. 

Mich konnte die Geschichte nach anfänglicher Skepsis mit sich ziehen und sie übt eine Faszination aus, die man gar nicht beschreiben kann. 
Wortgewandt und doch schlicht kommt sie daher und man weiß gar nicht ob man Mitleid, Angst oder Dankbarkeit für die Taten Karls empfinden soll. 

Das Ende konnte mich sehr überraschen, denn wo ich mit einem explosiven Erlebnis rechnete, das unweigerlich auf einen zurast; war es ein erstaunlich ruhiges dahintreiben auf einem See. 
Eine toll verpackte Geschichte, die einen zwar nicht 100 % über alles aufklären kann, aber genau deswegen zum Nachdenken und Spekulieren anregt und somit einen Platz im Gedächtnis findet. 




Der Autor:
Thomas Raab, geboren 1970, lebt nach abgeschlossenem Mathematik- und Sportstudium als Schriftsteller, Komponist und Musiker mit seiner Familie in Wien. Zahlreiche literarische und musikalische Nominierungen und Preise, zuletzt "Buchliebling" 2011 und Leo-Perutz-Preis 2013. Die Kriminalromane rund um den Restaurator Willibald Adrian Metzger zählen zu den erfolgreichsten in Österreich. Zwei davon wurden im Sommer 2014 für die ARD-Degeto mit Robert Palfrader in der Hauptrolle verfilmt. 


Weitere Bücher (Auswahl):


Quelle: Coverbild von der Verlagshomepage. Bild des Autors von seiner Homepage.


Kommentare:

  1. Huhu,
    "Still" ist eines der Bücher, bei dem ich absolut nicht weiß, ob es mir gefallen könnte. Bzw. ob es überhaupt in mein "Beuteschema" passt.

    Ich mag ja eigentlich Thriller, allerdings hab ich ein wenig Bedenken, dass mir diese Geschichte zu abgedreht ist.

    Alles Liebe, Nelly

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  2. Hallo!

    Also, jetzt machst du mir auf jeden Fall wieder Mut. Ich habe so schlechte Meinungen dazu gelesen, gleichzeitig gab es eine Menge an begeisterten Rezensionen. Ich sehe schon, das Buch muss ich einfach lesen, sonst denke ich ewig drüber nach.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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