Mittwoch, 10. April 2013

[Rezi] Unbekannt verzogen

Autor: Tom Winter
Titel:  Unbekannt verzogen
Originaltitel: Lost and Found
Genre: Roman
Verlag: Insel Verlag (Berlin)
Erscheinungsjahr: 2013
Seiten: 281 S.
ISBN: 978-3-458-35916-6

"Carol hätte gerne eine Krankheit."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Carol verbringt ihr Leben in einer Reihenhaussiedlung in Croydon, mit einem Mann, den sie nicht liebt und einer Tochter, die ihr fremd ist. Schon lange hat sie vor, diesem öden Leben zu entfliehen und sich ihre Träume zu erfüllen, doch hat das Schicksal einen anderen Plan für sie vorgesehen.
Albert ist Postbeamter kurz vor dem Ruhestand und fürchtet sich vor den einsamen Tagen in seiner schäbigen Wohnung. Nur seine Katze Gloria bringt ihm noch richtige Freude. Bis plötzlich ein Brief bei ihm landet, der sein Leben auf den Kopf stellt...

Rezension/Meinung:
"Unbekannt verzogen" ist ein unterhaltsamer Roman, der gleichzeitig einige Fragen des Lebens stellt und diese humoristisch umschrieben klarstellt.
Die Geschichte gestaltet sich anders als der Klappentext zu erwarten lässt und die Verzweiflung ist von Seite zu Seite mehr zu spüren.
Denn eigentlich ist dieser Roman ein trauriges Zeugnis des Lebens, wie man es sich nicht wünscht.

Man begegnet Carol, die sich in ihrem Leben alles andere als wohl fühlt. Für ihren Mann empfindet sie alles andere als Liebe und so oft hatte sie schon den Entschluss gefasst ihn zu verlassen. Doch gibt es da auch noch die gemeinsame Tochter, der es wahrscheinlich gar nicht mal auffallen würde, wenn Carol nicht mehr da wäre. Als sie zu Beginn des Buches endlich ihren Mut fasst und eine klaren Trennungstermin festsetzt, muss sie erfahren, dass ihr Mann krank ist. Bob leidet an Krebs, da kann sie ihn in so einer schwierigen Zeit doch nicht einfach verlassen? Sie kämpft sich weiter gemeinsam mit ihm durch die Zeit, ertägt seine Unzulänglichkeiten und wird immer unzufriedener, bis sie ihrem Unmut mit Briefen an das Universum Luft sucht.
Diese Briefe wiederrum landen bei Albert auf dem Tisch, einem Postbeamten, der selbst nur noch wenige Wochen zu arbeiten hat. Schon über vierzig Jahre ist er alleine, hängt aber immer noch an seiner verstorbenen Frau und konnte sich noch nicht richtig von ihr verabschieden. Nur seine Katze gibt ihm einen Halt im Leben. Als er dann Carols Briefe erhält, wecken sie in ihm eine ungekannte Sehnsucht und er setzt alles daran Carol kennen zu lernen und Mut zuzusprechen. Die aber hat sich schon auf und davon gemacht...

Die Geschichte wird mit Sicht auf beide Protagonisten erzählt und man merkt schnell, dass Carol, wie auch Albert sich in ihrem Leben nicht wohl fühlen.
Hätte der Autor nicht immer wieder kleine witzige Spitzen und Szenen eingebaut, wäre dieser Roman ein Paradebeispiel für zwei traurige Lebensgeschichten. Doch Humor lockert sie teilweise immer wieder auf.
Nicht nur das Carol den Londoner Vorort niedermacht, auch findet sie nie ein gutes Haar an ihrem Leben mit Bob.
Natürlich ist die Geschichte auch sehr bedrückend, denn das Thema Krebs und Tod ist allgegenwertig. Hier aber begegnet man nicht den verzweifelten Worten eines Krebskranken, sondern erlebt die Geschichte aus der anderen Sicht. Denn auch wenn so etwas hartes ein Leben trifft, gibt es ja doch immer noch andere Menschen drum herum die betroffen sind.

An manch einer Stelle ist das Verhalten Carols schon hart, aber man lernt sie nicht anders kennen und gewöhnt sich an ihren Sarkasmus. 
Einen älteren Herrn wie Albert stellt man sich schon fast so vor, wie er beschrieben ist.

Der Schreibstil ist leicht und locker, trotz der Themen,  dadurch bleibt man gut an der Geschichte dran.
Das Ende der Geschichte ist eine Wendung, die man gar nicht erwartet, wahrscheinlich aber auch nicht jeden Leser zufrieden stellen wird.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, denn sie ist mal etwas anderes und hallt nach Beendigung noch eine Weile nach.


Cover/Titel:
Das Cover finde ich einfach super. Im Nachhinein hat es zwar vom Bild her nicht viel mit den beschriebenen Personen und Situationen zu tun, da sich alles anders ereignet, aber dennoch sieht es toll aus. Es wirkt auf alt gemacht und die Verbindung zu den Briefen in dem Roman kann man schnell nachvollziehen. Der Titel passt gut zur Geschichte.

Der Autor:
Tom Winter, 1974 in der Nähe Londons geboren, lebt nach 15 Jahren in Hongkong und Shanghai in Berlin und arbeitet als Werbetexter für internationale Firmen. Unbekannt verzogen ist sein erstes Buch und wird in fünf Sprachen erscheinen. Winter arbeitet derzeit an seinem zweiten Roman. 

Weitere Bücher
(bisher keine weiteren deutschen Veröffentlichungen)

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

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