Mittwoch, 22. Februar 2012

[Rezi] Wintermädchen

Autor: Laurie Halse Anderson
Titel: Wintermädchen
Originaltitel: Wintergirls
Genre: Jugendroman
Verlag: Ravensburger Buchverl. (Ravensburg)
Erscheinungsjahr: 2010
Seiten: 317 S.
ISBN:
978-3473353217

Rezension:
Lia und Cassie - von klein an waren sie die besten Freundinnen und schon früh unzertrennlich. Es gab kaum etwas, das sie nicht teilten und aus einer Krankheit wurde für sie schnell ein heimlicher Wettkampf. Cassie brachte Lia bei, was es bedeutet ein Wintermädchen zu sein und beide wollten sie dieses Ziel erreichen. Mit den Jahren aber brach ihre Freundschaft immer mehr ein und heute steht Lia alleine da. Sie muss erfahren, das Cassie tot in einem Motel aufgefunden wurde und auch wenn
sie schon seit Monaten keine Freundschaft mehr verband, schmerzt es.
Doch kann Lia sich nicht diese Blöße geben. Sie muss stark sein, Gegenüber ihrer Mutter und ihrem Vater, ebenso gegenüber Emma ihrer Stiefschwester und Jennifer ihrer Stiefmutter und vor allem gegenüber dem Essen. Sie isst nur noch 500 Kalorien am Tag und freut sich jeden Tag mehr über den Sieg gegen die Waage. Nach zwei Aufenthalten in einer Klinik, weiß sie aber, dass sie sich gut tarnen muss und isst zumindest ein wenig in der Umgebung ihrer Familie..
Als Lia aber einen Anruf erhält, in dem ihr jemand erklärt, dass er eine Nachricht von Cassie hätte, drückt ihr nicht mehr nur der Hunger auf den Magen und das Herz. Immer mehr verschwindet Lia und nähert sich dem Land der Wintermädchen, bis sie nicht nur die Geister der Vergangenheit einholen...

Ein Buch über ein - wie man trauriger Weise zugeben muss - fast alltägliches Thema, das für viele Mädchen sehr bedeutend ist. Ich selbst finde diesen ganzen "Magerwahn" und die Suggerierungen, dass man am besten "Size Zero" trägt schlimm. Jeder sollte so aussehen und sein wie er sich wohl fühlt und sich nicht nur wegen der Masse oder der angeblichen "Schönheitsideale" unter Druck setzen lassen.
Es hat mich sehr bedrückt dieses Buch zu lesen, denn man merkt, wie Lia damit kämpfen muss, kaum etwas zu essen. Sobald sie zu etwas zu Essen greift, das nicht sein muss hört sie in ihrem Kopf die schlimmsten Beschimpfungen und gibt an stark zu sein, in dem sie dem Drang des Essens wieder steht. Wäre es nicht einfach stärker, diesen Worten in ihrm Kopf kein Gehör zu schenken und darüber zu stehen? 
Natürlich weiß jeder, der sich in der Pubertät befand und befindet, dass gerade das Thema Figur in dieser Zeit ein großes Problem darstellt. Von einem Tag auf den anderen kann sich alles an einem ändern und da gerät man vielleicht auch außer Form. Doch sollte es andere Methoden geben, als sich selbst zu vernichten.
Lia erkennt selbst erst, was für einen inoffiziellen Wettkampf sie mit Cassie sie eingegangen ist, als sie schon fast tot ist. Ihr wird klar, dass das Gewicht auf der Waage niemals das sein wird, dass sie sich wünscht, denn das wäre die "0". Sie will am besten nicht mehr da sein um anderen das Leid zu ersparen sich um sie kümmern zu müssen, doch bewirkt sie mit ihrem hungern genau das Gegenteil. Nach und nach fängt sie immer mehr an zu fantasieren, verliert nicht nur einen neugewonnen Freund, sondern fügt auch Emma einen seelischen Schaden zu. Obwohl dieses Buch lange eine, von Lia aussehend positive Einstellung, gegenüber dem Thema Magersucht enthält, ist es doch auch eine Klarstellung, dass genau das der falschen Weg ist. 
Die Autorin hat dieses Thema aus der Sicht von Lia aufgerollt, die selbst an dieser Krankheit leidet und alles versucht um zu vertuschen, was sie sich und ihrem Körper antut. Aber Halde Anderson hat es nicht einfach oder so dargestellt, dass es einfach wäre zu hungern, sondern sie Realität wiedergespiegelt und aufgezeigt, was für ein Kampf es ist für einen Menschen der unter dieser Krankheit leidet. Auch hat sie die Folgen nicht beschönigt und ebenso den inneren Kampf gegen die bösen Stimmen im Kopf und die falsche Wahrnehmung von einem selbst. Mit 39 Kilo hat man nun mal keine "wabbeligen Fettpolstert" um die Beine - doch dies ist das größte Problem Betroffener, denn sie sehen nicht die Realität, wenn sie in den Spiegel schauen.
Dieses Buch weckt auf und schreckt auf, macht klar, was man alles mit solchem Denken falsch macht und erfreut jeden Leser, der es bis zur letzten Seite schafft. Denn auch wenn Lias Leben schon vorbei scheint, entdeckt sie etwas in sich, dass sie klar sehen lässt: Lebenswillen...

Ein Buch das auch für Betroffene ein Mutmacher sein kann. Ein Spiegel in dem sie sich wieder finden können. 
Eine schöne Geschichte, die nicht näher an der Realität sein könnte und die jeden berührt und nachdenklich und mutig zurück lässt.


Die Autorin:
Laurie Halse Anderson, geboren 1961 in Potsdam, lebt in New York. Sie studierte Sprachen und Sprachwissenschaft und war eine erfolgreiche Journalistin, bevor sie beschloss, halbtags als Buchhändlerin zu arbeiten, um genügend Zeit für ihr literarisches Schreiben zu haben. 






Weitere Titel:
  • Sprich (2011)

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