Dienstag, 28. Februar 2012

[Rezi] Mitten ins Gesicht

Autor: Kluun
Titel: Mitten ins Gesicht
Originaltitel: Komt een vrouw bij de doktor
Genre: Roman
Verlag: Fischer Tb. (Frankfurt a. M.)'
Erscheinungsjahr: 2007 (2.Aufl.)
Seiten: 368
ISBN:
978-3596169115

Rezension:
Es ist pure Liebe, so intensiv, das man sie schon fast zu spüren glaubt, doch diese Liebe wird jäh durch eine schreckliche Wahrheit zerstört..
Carmen und Stijn scheinen wie füreinander gemacht zu sein. Ihre Tage sind lang und voller Abenteuer und ihre Liebe zueinander ist der wichtigste Bestandteil dessen, gäbe es nicht das Problem, dass Stijn schwer zu bändigen ist. Denn auch wenn er seine Carmen liebt, kann er nicht treu
bleiben. Als dann noch das unvorstellbare passiert und Carmen an Krebs erkrankt, kommt er damit gar nicht mehr klar. Nacht für Nacht verbringt er draußen um nicht neben der immer mehr verschwindenden Carmen schlafen zu müssen. Morgen für morgen erwacht er mit einem Kater und in einem fremden Bett – wenn überhaupt. Carmen weiß um seine Exzesse und schaut nur schweigend zu. Sie will ihn nicht zwingen bei ihr zu sein und ihr beizustehen, doch die Angst vor der Zukunft, macht ihr zu schaffen.
Zwar steht er Carmen bei, baut aber gleichzeitig nebenbei eine Beziehung zu einer anderen Frau auf um allem Schlimmen zu entkommen. Jeder lebt in seiner Welt: Carmen in der Welt des Krebses, der Behandlungen und dem Kampf ums Überleben, Stijn in der Partywelt, ohne einen Gedanken an die Vergänglichkeit seiner Liebe zu verschwenden. Bis er eines Tages wieder einmal abstürzt, weder weiß wo oben noch unten ist und der Wahrheit mitten ins Gesicht blicken muss. Denn die Person, der sein Herz wirklich gehört, liegt im Sterben und kämpft mit allen Mitteln um ihr Leben und die zarte Liebe…

Ein einfühlsamer, lauter, berührender und traurig machender Roman, der jeden Leser in seinen Bann ziehen muss.
Die Geschichte um eine Liebe, die trotz einer Krankheit und viel Untreue stabil bleibt macht traurig. Ab und an möchte man Stijn am Kragen packen, während er wieder einmal durchs Nachtleben tanzt, schütteln und fragen ob ihm eigentlich bewusst ist, was er da gerade verliert und zerstört. Mich hat dieses Buch sehr zum nachdenken gebracht. Immer wieder fragte ich mich, warum Stijn nicht einfach nach Hause geht, die Hand seiner Carmen nimmt und bei ihr sitzt. Doch auch die andere Seite, konnte ich etwas verstehen, denn was ein schrecklicher Gedanke ist es doch zu wissen, dass die große Liebe immer mehr verschwindet, sich auflöst und am Ende nur noch ein Gefühl da sein wird – keine Partnerin. Ab und an schafft es Stijn trotz seines Dauerzustands des Betrunken sein, seine Gefühle und Gedanken zu ordnen, am größten aber ist die Angst und die muss er betäuben. Es scheint als würde er nie etwas mitbekommen, doch wenn er einmal bei Carmen ist, sie nicht in ihrer Verzweiflung alleine lässt, fallen ihm auch kleine Dinge an ihr auf.
Das Buch ist rasant, brutal ehrlich und doch so voller Gefühl geschrieben, dass es am Ende unvermeidlich ist einen Seufzer auszustoßen und eine Träne von der Wange zu wischen. Man wünscht Stijn dass Carmen überlebt, dass sie ihn rettet, obwohl es doch anders herum sein sollte und man muss mit der traurigen Gewissheit leben, dass dieser Kampf doch nicht zu gewinnen ist. Keiner von beiden.
Ein wundervolles Buch, das ebenso aufwühlt, wie berührt und das man nicht eher zur Seite legen kann, bis man es wieder ruhig schafft auszuatmen.

Der Autor:
Kluun, bürgerlich Raymond van de Klundert, geboren 1964, war mal Marketingmensch. Er arbeitete in großen Werbeagenturen und hatte eine eigene Firma. 2001 verlor er seine Frau, die nur 36 Jahre alte wurde. Sein bewegender Bestseller »Mitten ins Gesicht« wurde in viele Sprachen übersetzt und hat auch in Deutschland außerordentliche Resonanz gefunden. Im Scherz Verlag erscheint Kluuns zweiter Roman »Ohne sie«. Heute lebt Kluun mit seiner zweiten Frau und zwei Kindern in Amsterdam.

Weitere Bücher:
  • Ohne sie (2008) 

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