[Rezi] #4/2019 - Das Gebot der Rache

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Autor: John Niven
Titel: Das Gebot der Rache
Originaltitel: Cold Hands
Genre: Thriller
Verlag: Heyne (München)
Erschienen:
06/2014
Seiten: 304
ISBN: 978-3-453-67675-6

"Es ist warm hier in Coldwater."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Donald Miller ist eigentlich gar nicht Donald Miller. Seine Vergangenheit aber hat er schon lange hinter sich gelassen, wie auch die Erinnerungen an sein früheres Ich. Heute lebt er ein beschauliches Leben, mit einer reichen Frau und einem Sohn, der alles bekommt, was er haben möchte. Ganz anders als er selbst einst. Nur zwei Nachbarn gibt es in dem abgelegenen Saskatchewan, doch Don weiß nicht, dass einer davon geradewegs aus seiner Vergangenheit kommt. Erst als der Familienhund brutal getötet wird und Sam – Don’s Frau – verschwindet, muss er sich dem stellen, was er einst tat.

Rezension/Meinung:
Mein erster Niven ist kein Buch für schwache Nerven.
Wo man zunächst die Vorzüge des Lebens des Hauptprotagonisten verfolgt und dargelegt bekommt, wird bald klar, dass nichts ist wie es scheint.
Der Autor spielt nur so mit dem Leser und lässt ihn quasi ins offene Messer rennen. Langsam und schleichend dringt etwas in das ruhige Leben Don’s ein und deckt gut gehütete Geheimnisse auf.
Als Leser ist man so an die Seiten gefesselt, dass man kaum dazu kommt durchzuatmen.

Erzählt wird die Geschichte im Rückblick von Donald Miller selbst. Langsam berichtet er von seinem Leben und man scheint einen soliden Mann vor sich zu haben. Nach und nach aber kommt immer mehr aus der Vergangenheit der so harmlos wirkenden Figur ans Licht. Der Autor zeigt dabei auf, dass ein Mensch, der das perfekte Leben hat, vielleicht eine vollkommen andere Kindheit gehabt haben kann. Ungläubig blickt man mit den Figuren zurück und erfährt Dinge, die man eigentlich als kindliche Spielereien abtun möchte, die aber immer heftigere Ausmaße annehmen.

Unterschwellig hat man lange das Gefühl, dass selbst der Autor am Anfang der Geschichte nicht genau wusste, wie er den Showdown und das Ende der Geschichte verpacken sollte. Denn was sich über viele Seiten spannend steigert und in einer brutalen Jagd durch den dichten Schnee Kanadas mündet, nimmt immer bizarrere Wendungen an. Dieses Buch arbeitet eine Vergangenheit auf, die alles andere als schön war und nimmt diese mit in die gegenwärtige Erzählzeit, um daraus einen Racheplan zu schmieden.
Wer kein Freund von blutigen Szenarien ist, wird mit dieser Geschichte wahrscheinlich nicht warm werden, denn der Autor hat eine bildhafte Sprache, die nicht nur die Landschaften oder Essen auf das innere Auge projiziert. Mich haben genau diese sprachlichen Zeichnungen angesprochen, denn so kann man sich alles gut vorstellen und nachempfinden.
Lediglich schade ist, dass der Autor, wie oben schon erwähnt, sich selbst in einen kleinen Rausch geschrieben zu haben scheint und dadurch ein klares Ende aus den Augen verloren hat. Denn er versucht jede Situation mit einer weiteren brutalen Handlung zu übertrumpfen und am Ende steht man in einem Schlachtfeld, das schon lange vorher und um einiges weniger blutig, hätte beendet sein können. Die Ausschweifungen erinnern teilweise an einen Splatterfilm und wahrscheinlich hätten einige Szenen gekürzt werden können, ohne viel von der Story wegzunehmen.
Doch auch wenn dieser Thriller brutal darlegt, was man selbst alles verdrängen oder verstecken kann, ist es auch eine Geschichte, die zeigt, dass Schuld schwer wiegt. Auch wird durch diese Erzählung klar, dass man nicht immer einfach dem Folgen sollte, was am einfachsten erscheint, sondern sich auch mal dem entgegenstellen sollte, was einem selbst nicht geheuer ist.

Ein brutaler Thriller, der eine Familie zerreißt und Menschen brutal daran erinnert, dass man vor seiner Vergangenheit nicht davonlaufen kann. Spannend, aufrüttelnd und bedrückend zugleich.


Der Autor:
© Erik Weiss
John Niven wurde in Ayrshire, Schottland geboren, und studierte in Glasgow Englische Literatur. Seinen Abschluss bestand er 1991 mit Auszeichnung und war die nächsten 10 Jahre im Musikbusiness tätig, bevor er sich 2002 ganz dem Schreiben widmete. Anfang 2006 erschien sein erstes Buch Music from Big Pink, das die Kritiker auf beiden Seiten des Atlantiks begeisterte. Mit Kill your friends landete John Niven seinen ersten internationalen Bestseller. John Niven lebt in Buckinghamshire in der Nähe von London.

Weitere Bücher:
 
Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.
 

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