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[Rezi] #31/2016 - Die Ungehörigkeit des Glücks

Autor: Jenny Downham
Titel: Die Ungehörigkeit des Glücks
Originaltitel: Unbecoming
Genre: Roman
Verlag: C. Bertelsmann (München)
Erschienen: 02/16
Seiten: 480
ISBN:  978-3-570-10292-3

"Als ob ein Alien gelandet wäre."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
In Katies Leben regiert gerade das Chaos. Nicht nur dass ihre beste Freundin nicht mehr mit ihr spricht, plötzlich taucht ihre Großmutter Mary auf. Doch die ist ein rotes Tuch für Caroline, die sie niemals als Mutter akzeptieren konnte. Zu viert in ihrem kleinen Heim, eskaliert die Situation regelmäßig. Doch was ist zwischen Katies Mutter und Großmutter geschehen? Katie versucht die Vergangenheit aufzudecken. Dann aber ist da noch die Sache mit Simona: ein Mädchen das Katies Zukunftsvorstellungen stark ins Wanken geraten lässt…

Rezension/Meinung:
Katie hat ihre Oma nie kennen gelernt und auf einmal sitzt diese neben ihr und das Chaos ist vorprogrammiert: Marys Mann ist gerade gestorben und nun ist sie alleine. Doch leidet sie unter Demenz und ihr ganzer Tagesablauf ist zerstört, so dass sie nur noch verwirrter ist. Caroline will Mary schnellstmöglich wieder loswerden, denn als Mutter hatte Mary nie getaugt und nun sieht sie nicht ein sich für sie aufzuopfern. Da Ferien sind, kümmern sich Katie und ihr Bruder Chris tagsüber um Mary. Chris eher weil er muss und Katie weil sie mehr über diese Frau erfahren will, die einst ihre eigene Tochter bei ihrer Schwester ließ um die Welt zu bereisen. Aber hat sie Caroline wirklich freiwillig abgegeben und nie an sie gedacht?
Katie muss erfahren, dass viel mehr in der Vergangenheit vergraben liegt. Sie selbst aber steckt auch mitten in einer Krise, denn ihre beste Freundin spricht nicht mehr mit ihr, seitdem sie versucht hat sie zu küssen. Es sollte doch nur ein Test sein! Oder?
Als sie gemeinsam mit Mary täglich in ein Café geht trifft sie dort auf Simona, über die viele Gerüchte kursieren und Katie verspürt eine unbekannte Anziehungskraft. Eine Anziehung die nicht erlaubt ist. Was aber soll man gegen seine Gefühle tun?

"Wo doch jeder verdammte Gedanke so viel ergiebiger und umfassender war als das. Wie ein Gezeitentümpel, dachte sie, wenn man seine Hand tief ins kalte Wasser taucht und einem bunte Fische durch die Finger schwimmen, und man will einen mit der Hand fangen. Man will ihn hochhalten, gefangen und glitzernd, und rufen: Sehr her! Sehr alle her!"
(S. 317 -318, letzter bzw. erster Absatz)


Jenny Downham veröffentlichte vor einigen Jahren das Buch „Bevor ich sterbe“. Zum damaligen Zeitpunkt eines der traurigsten Bücher welches ich las. Nachdem ich den Klappentext zu „Die Ungehörigkeit des Glücks“ gelesen habe, war klar, dass ich auch dieses Buch lesen möchte. Wer aber eine ähnliche Geschichte erwartet, wird sicherlich erstaunt sein. 
Zwar spielt die Autorin hier auch mit dem Thema Krankheit, aber diese hat nichts mit Krebs zu tun. Vorrangig wird hier dargestellt, wie verwirrend Demenz sein kann. Wie die Welt aus den Fugen gerät, wenn man nicht mehr weiß, welche Menschen um einen herumlaufen und sich nur noch unscharf an sein eigenes Leben erinnern kann. 
Da die Autorin verschiedene Blickwinkel nutzt gibt es auch Beschreibungen aus Marys Sicht, die einem die Kehle zuschnüren. Man spürt die Angst und Unverständnis um das Geschehen und auch Verzweiflung darum sein Ich zu verlieren, das wie Sand aus einer Sanduhr läuft. 

Daneben spielt aber auch die sexuelle Orientierung ein großes Thema. Denn die Hauptprotagonistin Katie ist sich zunächst nicht sicher ob sie homosexuell ist. Sie versucht alles sich bei einem Jungen wohl zu fühlen und dieses besondere Kribbeln zu fühlen, das aber findet sie erst bei einer Gleichgeschlechtlichen. Gleichzeitig hat sie Angst mit ihren Gefühlen ihre Mutter zu verletzten. Immerhin will sie eine gute Tochter sein. Manchmal aber muss man erkennen was für einen selbst das Beste ist, auch wenn man so vielleicht den ein oder anderen verletzt. 

Dieses Buch beschreibt einfühlsam und mitfühlend all die verschiedenen Dinge, die in einem Leben auftauchen können und versucht sie zu verarbeiten. Auch was Familien auseinandertreiben und zusammenschweißen kann, wird hier behandelt. Fast jeder wird einen Punkt finden, den er selbst einmal erlebt oder irgendwo in der Familie mitbekommen hat. 

Trotz all der verschiedenen Situationen und des hin und her Springens in Zeit und Erlebnis, verläuft die Geschichte so verständlich, dass man niemals überfordert ist. Die einzelnen Probleme werden auseinander gesplittet und nach und nach so zusammengefügt, dass eine runde Geschichte dabei herauskommt. 
Da sich der Personenkreis hier größtenteils auf die Familie beschränkt, lernt man die einzelnen Mitglieder intensiv kennen und schnell weiß man wie jeder einzelne tickt. Jeder hat seine Macken und wird im Verlauf der Geschichte auf harte Proben gestellt. Alles läuft auf einen erwarteten großen Knall zu, der dann die Erzählung komplett wandelt. 

Dieses Buch ist eine große Familiengeschichte mit Herz und Charme und nimmt jeden Leser mit sich. Zusätzlich ist es eine Hilfe zur Selbstfindung ob nun als betroffener Mensch oder Außenstehender. 
Ein Buch wie ein Puzzle, bei dem erst nachdem der Rand langsam Form annimmt, zu erkennen ist, was wirklich für ein Motiv vor einem liegt. 

 Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an das Bloggerportal.

Die Autorin:
Jenny Downham hat als Schauspielerin in einer freien Theatergruppe gearbeitet, bevor sie anfing zu schreiben. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in London.

Weitere Bücher:

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

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