Dienstag, 12. März 2013

[Rezi] Alles muss versteckt sein

Autor: Wiebke Lorenz
Titel: Alles muss versteckt sein
Genre: Thriller
Verlag: Blessing (München)
Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 352 S.
ISBN: 978-3-89667-469-2

"Weißt du, wozu du fähig bist?"
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Als sie erwacht ist alles um sie herum voller Blut. Der Mann den sie liebt, liegt erstochen neben ihr – und sie kann sich an nichts erinnern. Schon lange quälen Marie Zwangsgedanken, die sie dank eines Mantras bisher immer zurück halten konnte. In der Psychiatrie arbeitet sie ihre Vergangenheit mit Hilfe ihres Therapeuten auf und steht plötzlich vor der Frage: Hat sie Patrick wirklich getötet?

Rezension/Meinung:
Wiebke Lorenz, ein Teil von Anne Hertz, hat sich mit diesem Thriller für mich von der Schreiberin von herzzerreißenden und lustigen Romanen in eine Autorin verwandelt, die auch die dunklen Schatten der Seelen beschreiben und wahr werden lassen kann.

„Alles muss versteckt sein“ bietet einen Einblick in dunkle Gedanken und man ist schon verwundert, wie nah diese einem kommen können.
Denn hat es nicht schon mal jeder erlebt, dass er seiner Fantasie freien Lauf gelassen hat und dabei sogar beängstigende Gedanken aufkamen? Deren wahrwerden dagegen kann man sich kaum vorstellen.
Die Hauptprotagonistin in diesem Thriller aber erfährt Ausmaße ihrer Fantasie, die beunruhigend real wirken.
Erst scheinen es kurze aufblitzende Bilder vor ihren Augen zu sein, aber je länger sie sie ertragen muss, desto mehr sieht sie einen brutalen Film vor sich ablaufen.
Nur eine unbekannte Freundin aus dem Internet schafft es ihr Tipps und Hilfe für ihre Ängste zu geben, denn schließlich ist „Denken nicht Tun“.

Als sie Patrick kennen lernt und sich in ihn verliebt, beginnen die bösen Gedanken immer schwächer zu werden. Dennoch landet sie nach Wochen des Glücks wegen Mordes in der Psychiatrie.
Ihr Arzt versucht die Tat, an die sie sich kein Stück erinnern kann, mit ihr aufzuarbeiten und dringt dabei in die dunklen Wege ihres Gehirns vor.
Was sie nicht weiß, dieser Mann ist mit daran beteiligt, dass sie überhaupt an diesen Ort gelandet ist...

Neben der Hauptgeschichte und dem Finden nach den wahren Ereignissen, ist man auch oft bedrückt, denn Marie hat vor einiger Zeit ein Kind verloren, was in den Gesprächen immer wieder hoch kommt und zum Thema wird.
Dadurch wirkt die Geschichte nicht ganz „verrückt“ sondern hält sich im Rahmen.

Der Schreibstil ist leicht und fließt dahin. In manchen Momenten hat man das Gefühl, dass sich auch die Autorin in der Gedankenwelt der Protagonistin verloren hat.
Die Sichtweise wechselt hin und her; mal blickt man auf die Personen hinab und erfährt in der dritten Person was sie tun, mal bekommt man die Gedankengänge der Hauptprotagonistin, aus ihrer eigenen Sicht dargelegt.

Mich hat die Geschichte lange gefesselt und ich war verwundert, wie harmlos solche Zwangsgedanken beginnen können und was für brutale Ausmaße sie annehmen können.
Eine Zwangsstörung wird in vielen Fällen nach außen hin beschönigt und daher auch nicht im Ganzen erkannt. In Teilen wirkt das Buch auch als Aufklärung und man kann sich schnell hineinversetzten.

Nachdem Marie ihrem Leben wieder nachgehen kann, wird sie mit vielen Vorurteilen konfrontiert, die von beiden Seiten betrachtet zu verstehen sind. Ab diesem Teil lässt die Spannung aber komplett nach und man glaubt kaum noch, dass etwas gravierendes passieren kann, bis plötzlich eine Wahrheit die nächste Jagd.
Ein gelungener Abschluss, mit Wendungen, die man kaum erahnen konnte und die daher so erschreckend und faszinierend zugleich sind.
Ein Thriller der jedem klar macht, wie leicht es ist in eine Situation zu geraten, die man sich kaum vorstellen kann und wie manipulativ manch ein Mensch sein kann.
Mit guten Spannungsbögen und einer Geschichte hinter den Worten, die einmal etwas anderes ist und so nah an der Realität, dass man sich manchmal daran erinnern muss, dass die Protagonisten unbekannte und erfundene Figuren sind.

Cover/Titel:
Das Cover hat mir von Anfang an gut gefallen und passt ganz gut zum Titel, denn die Person auf dem Bild versteckt die blutigen Finger hinter dem Rücken. Dennoch habe ich lange erwartet, dass sich der Titel auf die versteckten Erinnerungen Maries beziehen, was sich im Endeffekt als falsch dargestellt hat. Er bezieht sich doch eher auf die Geheimnisse anderer, passt aber daher auch weiterhin gut zum Inhalt des Thriller.

Die Autorin:
Wiebke Lorenz, geboren 1972 in Düsseldorf, studierte in Trier Germanistik, Anglistik und Medienwissenschaft und lebt heute in Hamburg. Sie arbeitet journalistisch für Zeitschriften wie „Cosmopolitan“, schreibt Drehbücher für TV-Filme.
Homepage der Autorin: http://www.wiebke-lorenz.de/ 

Weitere Bücher:
  • Allerliebste Schwester (2010)
Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

Kommentare:

  1. Ich liebe ja die Anne Hertz Roman (also die die Wiebke Lorenz mit ihrer Schwester zusammen schreibt), und ich glaube ich würde dann auch dieses Buch mögen.. Aber ich trau mich irgendwie nicht ran, wegen den Thema...

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  2. Das Buch klingt perfekt für mich :]

    LG Lisa

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