[Rezi] #11/2018 - Klammroth


Autor: Isa Grimm
Titel: Klammroth
Genre: Roman
Verlag:
Lübbe (Köln)
Erschienen:
03/2014
Seiten: 336
ISBN: 978-3-8387-5305-8

"Der Tunnel existierte seit einer Ewigkeit, hoch und schwarz und hungrig."
(1. Satz)
 
Persönliche Zusammenfassung:
Anais ist einst aus Klammroth geflohen – dem Ort, an dem sie aufgewachsen ist und der ihr Leben nachhaltig geprägt hat. Sie selbst war einst in einen schweren Unfall verwickelt, der sich im Tunnel des Ortes ereignete. Ein Unfall der vielen das Leben nahm oder sie zeichnete. Nur Anais hat kaum sichtbare Narben davongetragen und bald die Blicke der anderen Bewohner und Überlebenden nicht mehr ertragen. Nun verstarb vor wenigen Tagen ihre Stiefmutter und Anais muss wieder zurück in das Dorf. Dort aber empfängt sie nicht jeder wohl gesinnt und der Ort des damaligen Geschehens zieht sie an..

Rezension/Meinung:
Es ist nicht immer mit Freude verbunden, wenn man seine alte Heimat besucht. So ergeht es auch Anais, die mit ihrer Tochter Lily nach Klammroth fährt um den Nachlass ihrer Stiefmutter zu klären, die wenige Tage zuvor in ihrem alten Wohnhaus bei einem Brand ums Leben kam. Was wirklich passiert ist, weiß keiner, aber Anais möchte schnell alles hinter sich bringen und den Ort wieder verlassen. Schon nach wenigen Augenblicken im Ort wird sie erkannt und es scheint als ist die Abneigung ihr gegenüber noch immer so frisch, wie, als sie Klammroth verließ.
Vor sechszehn Jahren war sie eine der wenigen Überlebenden, die dem Tunnel des Ortes entkam, in dem drei Busse ineinander fuhren. Es sollte ein Schulausflug werden, der aber tötete viele Jugendliche. Anais selbst hatte Glück und nur wenige Narben zieren ihren Körper. Doch ihr Glück, ließ den Hass der Bewohner auf sie richten. Warum hatte sie nur so leichte Verletzungen? Warum hatte gerade sie überlebt?
Schon immer hat der Tunnel einen Reiz auf Anais ausgeübt, den sie sich nicht erklären kann. Auch jetzt kann sie sich dem unbeschreiblichen Sog nicht verwehren – gleichzeitig aber trägt sie eine Furcht in sich, die alte Röhre zu betreten.
Klammroth selbst ist zu einem stillen Ort geworden, der kaum noch Einwohner hat. Lediglich das Institut, das ihre Stiefmutter mitleitete ist wegen der alternativen Heilungsmethoden, ein Besuchermagnet.
Während Anais versucht die Wahrheit über den Tod ihrer Schwiegermutter zu erfahren, verschwindet ihre Tochter plötzlich. Sie muss sich ihrer Vergangenheit stellen und erkennen, dass der alte Tunnel noch immer viele Geheimnisse birgt und sie keine Minute mehr ruhen lassen will….

Sicherlich muss man für dieses Buch gemacht sein und auch mysteriöse und vielleicht auch mystische Verbindungen mögen. Ich bin bei diesem Thema immer recht zwiegespalten, aber hier hat es die Autorin geschafft, mich schon mit den ersten Worten an die Seiten zu fesseln und in den dunklen Tunnel Klammroths hineinzuziehen.

Der Einstieg macht es schon leicht dran zu bleiben, denn man bekommt einen Eindruck von der tiefen Verbindung des Tunnels und seiner Umgebung. Es scheint als hätte dieser sein Eigenleben, was sich im Folgenden immer wieder zu bestätigen scheint. Dabei spielt er mit dem Leser und den Besuchern und macht es ihnen sehr schwer, sich ihm zu entziehen.
Die Kapitel breiten sich vor dem Leser aus und zunächst wirkt alles wie ein kleiner Familienausflug, der natürlich keinen schönen Grund hat, aber der Mutter und Tochter wieder näherbringen soll. Der Plan aber geht gründlich schief, denn welche Jugendliche möchte nur im Hotel auf die vielbeschäftigte Mutter warten? So bezieht sich die Beschreibung der Autorin fast gänzlich auf die aktuellen und ehemaligen Erlebnisse von Anais. Häppchenweise erfährt man, was einst passiert ist und warum die Hauptprotagonisten einerseits von diesem Ort abgeneigt ist, sie aber andererseits keine Chance hat sich ihm zu entziehen.
Gespannt verfolgt man wie Grimm den Leser an der Hand hält, aber immer wieder unerwartete Wendungen vollführt, die dem ein oder anderen vielleicht etwas zu viel sind, die ich aber sehr passend fand. Denn so ein mysteriöser Ort, sollte ja auch eine mysteriöse Geschichte haben.
Als man nach und nach erkennt, was Wirklichkeit und was Gedankenspiel ist, ist man schon so tief in der Erzählung gefangen, dass man gar nicht auf den Gedanken kommt das Beschriebene als unglaubwürdig abzutun. Vergangenheit und Zukunft verweben sich immer mehr und über allem steht der alte, rissige Beton, der nicht nur Anais anzieht.

Seit langem war dies eine Geschichte, die es mit nur wenigen Worten geschafft hat mich zu fesseln und erst wieder am Ende loszulassen. Zwischendurch konnte ich eine Gänsehaut spüren und trotz der einfachen Sprache, oder vielleicht auch gerade deswegen, fühlt man sich Klammroth so nah, dass man zwischen Blattwerk ebenfalls nach alten Röhren sucht.
Lediglich das Finale ist sehr viel anders als man erwartet, aber für diese Geschichte sehr passend.
Spannend, mystisch und auch eine Art Familiengeschichte, die über das normale denken hinausgeht.


Die Autorin:
Isa Grimm ist Dramaturgin an einem großen deutschen Theater. Sie gilt als Expertin für die Gespensterbücher des 18. Jahrhunderts.

Bisher gibt es keine weiteren Veröffentlichungen der Autorin.

Quelle: Bild und Vita von der Verlagshomepage.
 

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