[Rezi] #2/2018 - 5 Tage die uns bleiben

Autor: Julie Lawson Timmer 
Titel: Fünf Tage die uns bleiben
Originaltitel: Five Days Left
Genre: Roman
Verlag: Lübbe (Köln)
Erschienen:
04/2015
Seiten: 430
ISBN:
978-3-431-03916-0

"Mara hatte sich schon vor langer Zeit für eine Methode entschieden: Tabletten, Wodka, Kohlenmonoxid."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Maras Leben zerbricht gerade nach und nach in die mühsam erarbeiteten Teile. Eine Krankheit nimmt ihr ihr „Ich“ und sie weiß, so will sie nicht leben. Der einzige Ausweg scheint Selbstmord zu sein. Doch kann sie das ihrer Familie antun? Gleichzeitig durchlebt Scott die härtesten Stunden seines Lebens: Er muss Curtis gehen lassen, den Jungen den er das letzte Jahr in Obhut genommen hat und der ihm so ans Herz gewachsen ist. Mara und Scott müssen sich fragen, welche Entscheidungen die richtigen sind um nicht alle um sich herum zu verletzten.

Rezension/Meinung:
Bis vor wenigen Jahren hatte das Leben für Mara so viele positive Erlebnisse übrig, dass sie ihr Glück kaum fassen konnte. Dann aber schlug das Schicksal zu: Huntington lautet die Diagnose der Ärzte, als Mara immer mehr vergaß und ihren Körper nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ihre Familie steht ihr tagtäglich bei, doch Mara hat sich schnell einen Plan zurechtgelegt. Bevor sie auf dauerhafte Hilfe angewiesen ist, möchte sie sich das Leben nehmen und so niemandem zur Last fallen. Als ihr Körper dann versagt, hat sie nur noch wenige Tage um alles vorzubereiten. Dabei aber bereitet nicht nur ihr Körper ihr immer mehr Probleme, auch kommen Gewissensbisse auf, ob sie ihre Adoptivtochter und ihren Mann einfach so zurücklassen kann.
Scott dagegen muss in den nächsten Tagen den Menschen gehen lassen, der ihm das letzte Jahr über so ans Herz gewachsen ist: Von einem seiner ehemaligen Schüler hat er den Bruder in diesem Jahr zu sich geholt, da dessen Mutter ins Gefängnis musste. Dieses Jahr aber ist nun vorbei und auch wenn es nur eine begrenzte Zeit war, schmerzt es, denn Curtis ist ihm sehr ans Herz gewachsen. Dabei sollte er sich doch freuen, denn in wenigen Wochen wird er selbst Vater. Die Freude kommt nicht auf, denn Curtis wird wahrscheinlich, zurück bei seiner Mutter seine alten, schlechten Angewohnheiten aufnehmen und wieder abrutschen.
Mara und Scott treffen sich in einem Forum und auch wenn sie sich nicht persönlich kennen, verbindet sie doch eine Freundschaft, die tiefer geht. Nacht für Nacht treffen sie sich online und tauschen sich aus. Doch einer der beiden verschweigt etwas…

„5 Tage die uns bleiben“ ist genau so ein Roman, wie man ihn erwartet, wenn man den Klappentext liest. Doch gleichzeitig hält das Buch noch mehr bereit. Das Hauptthema ist eines der umstrittensten: Kann man selbst entscheiden wann man sterben wird? Insbesondere wenn man an einer unheilbaren Krankheit leidet? Sollte man nicht den Menschen, die einen lieben, zuliebe ertragen was mit einem passiert, damit sie nicht zu früh Abschied nehmen müssen? Oder sollte man ihnen gerade deswegen verwehren zu erleben wie man selbst zerfällt?

Sicherlich wird jeder Leser seine eigene Meinung zu Sterbehilfe etc. haben. Die Autorin selbst beschreibt die Hauptfigur im Zwiespalt. Mara hat eigentlich eine Entscheidung getroffen, hat aber Angst, dass genau das die falsche ist.
So beschreibt die Autorin diesen Kampf intensiv und man kann beide Seiten der Medaille erblicken und fühlt sich selbst hin und her gerissen.

Als Ablenkung zu diesem schwierigen und auch berührenden Thema, denn man sieht Mara zu, wie sie nach und nach die Kontrolle über sich selbst verliert, ist eine zweite Geschichte mit eingearbeitet. Auch diese ist sehr emotional, denn sie beschreibt, wie schnell man einen Menschen – insbesondere ein Kind – in sein Herz lassen kann, auch wenn man das vielleicht versucht hat zu verhindern. Beide Geschichten sind durch eine Online-Freundschaft verbunden.
Dadurch, dass das Forum aber recht öffentlich ist, finde ich kommt erst am Ende des Buches richtig raus, wie die beiden Protagonisten zueinander stehen.

Ein Buch mit vielen Höhen und Tiefen – wobei die traurigen Augenblicke überwiegen. Sanft, eindringlich und teilweise brutal ungeschönt verfolgt man die Geschichten und hat immer wieder Hoffnung, dass sie sich anders entwickeln als es den Anschein macht.
Doch durch die Ehrlichkeit dieser beiden Erlebnisse versteht man jede getroffene Entscheidung und kann sie nachempfinden.

Ein Roman der berührt, mitreißt und viele Fragen an den Leser selbst stellt. Gleichzeitig eine Geschichte die Mut macht und die mit einer guten Wortwahl und viel Gefühl kein Auge trocken lässt.

Die Autorin:
Julie Lawson Timmer wuchs im kanadischen Stratford, Ontario, auf und absolvierte ein Jurastudium an der Southern Methodist University. Sie arbeitet als Juristin und schreibt in ihrer Freizeit Romane. Mit ihrem Debüt FÜNF TAGE, DIE UNS BLEIBEN gelang ihr ein beachtlicher Erfolg. Sie lebt mit ihrem Ehemann, ihren vier Kindern und zwei geretteten Hunden in Ann Arbor, Michigan.
Homepage der Autorin.

Weitere Bücher:

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.
 

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