Dienstag, 6. Oktober 2015

[Rezi] #8/2015 - Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks


Persönliche Zusammenfassung:
Lexie ist ein Mathegenie und definiert sich und ihre Welt durch Zahlen. Ihr größter Traum, ist ein Platz am MIT, bis sich ihr Leben komplett auf den Kopf stellt. Ihr Bruder bringt sich um und sie gibt sich mitunter die Schuld daran. Doch hätte sie ihn retten können? Seit diesem Tag verweigert sie sich Freundschaften und ihrer ersten Liebe, zieht sich zurück und es scheint, dass auch ihr Therapeut ihr nicht helfen kann. Als sie aber bemerkt, dass das Leben weiter gehen muss und sie langsam wieder Mut findet, bricht ein Ereignis über das nächste hinein und es steht nur eine Frage im Raum: Darf sie sich erlauben, jemals wieder glücklich zu sein?

Rezension/Meinung:
Allein der Titel „Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks“ hat mein Interesse an diesem Buch geweckt. Der Klappentext tat dann den Rest dazu. Weder Mathefreak noch –genie, hat mich das Buch neugierig gemacht und vieles Versprochene gehalten.

Ty ist noch jung, hat noch so viel Leben vor sich, doch er entscheidet sich dazu, diesem Leben ein Ende zu setzen. Für Lexie und ihre Eltern ein Schlag ins Gesicht. Die erste Trauer verwandelt sich nach dem Tod für Lexie immer mehr in Wut. Warum hat er das getan? Warum hat er nicht daran gedacht, wie er den Rest der Familie zurück lassen wird? Verzweifelt und zerbrochen.
Lexie‘s Wünsche und Hoffnungen rücken plötzlich in so weite Ferne, dass sie kaum noch zu erreichen scheinen. Ihr Vater meldet sich kaum noch und versteckt sich bei seiner Freundin, ihre Mutter liegt nur noch weinend im Bett, betäubt von Alkohol und Tabletten. Und auch wenn Lexie ihren Weg weiter geht, die Schule besucht, ihr großes Ziel erreichen will, hält sie immer wieder etwas zurück. Sie kann doch nicht einfach vorwärts ziehen, wenn die ehemals kleine heile Welt um sie immer mehr zerbricht – so denkt sie.
Aber ihr wird schnell klar, dass auch Trauer und Wut irgendwann ein Ende haben müssen. Der Versuch ihren Bruder zu verstehen scheitert immer wieder, bis sie plötzlich meint ihn zu sehen. Aus Angst komplett verrückt zu werden, verschweigt sie dies selbst ihrem Therapeuten. Dennoch kämpft sie sich nach und nach aus dem Sumpf, erkennt, dass ihr Leben nicht von dem Tod Tys abhängig ist und versucht gleichzeitig ihre Mutter von ihren Schuldgefühlen zu befreien.
Als dann plötzlich noch ein Junge stirbt, ist klar, dass sich nicht alles im Leben erkennen lässt. Langsam versucht Lexie zu sich selbst zu finden und erkennt, dass es Freunde braucht um schwere Zeiten zu überstehen…

Warum nimmt sich jemand das Leben, der auf den ersten Blick alles zu haben scheint? Freunde, eine halbwegs heile Familie, einen gewissen Status im Freundeskreis und eine Liebe, die so wunderbar ehrlich ist. Das ist die große Frage in dem Buch. Welche Gründe bewegen einen zu einem solchen harten Schritt?
Hier aber betrachtet der Leser dies aus der Sicht der Schwester des Selbstmörders.
Die meisten Bücher sind oft aus der Sicht des Selbstmörders geschrieben und zeigen dessen Verzweiflung auf. Gedanken gegenüber den Hinterbliebenen werden zwar gemacht, fallen aber irgendwann weg. Dies ist hier aber der Schwerpunkt und macht somit viel mehr deutlich, dass man einem Menschen nur vor den Kopf schauen kann, als hinein. Oftmals hört man nämlich, dass es doch erkannt worden sein muss, dass es dem Menschen nicht gut geht, dass er labil ist und keinen Lebensmut mehr hat. In dieser Geschichte aber wird deutlich, dass dies nicht immer der Fall ist.

Da die Autorin selbst einst ihren Bruder durch Selbstmord verlor, lässt sie so auch einige Aspekte einfließen, die der ein oder andere vielleicht nicht bedacht hat.
Die Geschichte ist intensiv geschrieben und findet immer wieder Augenblicke, die einen berühren und nachdenklich machen. Auf der anderen Seite möchte man der Protagonistin unter die Arme greifen, ihr helfen zu erkennen, dass das Leben trotz all des Schmerzes weiter gehen muss.
Als Leser steckt man in einem Zwiespalt, zwischen verständlicher Trauer und der Hoffnung auf eine wunderbare Zukunft. Die Phasen der Trauer werden klar von Lexie durchlaufen und haben einen hohen Stellenwert. Ihre Mutter dagegen steckt in einer Phase fest und es ist der Wunsch da, sie daraus zu holen.
Trotz des harten Themas hat die Autorin eine einfache Sprache gewählt, die mit der Geschichte im Einklang steht.
Die wichtigen Figuren sind gut herausgearbeitet und selbst die Nebendarsteller bekommen Charakterzüge, die einen die Personen verdeutlichen und bekannt machen.

Zu Beginn freute ich mich sehr, dass eben die so schön dargestellten Zahlen, auch in Worten und Verbindungen zur Geschichte standen. Dies verliert sich aber im Laufe der Geschichte und nur ab und an ist die kleine Marotte mit den Zahlen zu erkennen. Daher ist es eher keine Geschichte für Leser, die mehr davon erwarten. Zwischendrin denkt man an eine mystische Verbindung in dieser Geschichte, aber wer Befürchtungen hat ins Übersinnliche abzurutschen, kann beruhigt werden.

Grundsätzlich ist dieses Buch ein kleiner Wegweiser der Trauerbewältigung, neben einem Buch, das dem ein oder anderen deutlich macht, was passiert, wenn er einen Schritt geht, der ihn vermeintlich glücklich macht, aber erkennen lässt, was mit den Hinterbliebenen ist.
Und trotz des Themas und der verweilenden Schwere, ist dieses Buch auch ein Zeugnis für Hoffnung, Mut und Glück.

Ein wunderbares Buch über das Leben und seine Schicksale, die man danach, betrachtet aus den verschiedensten Perspektiven, etwas besser nachvollziehen kann.


Vielen Dank für das Buch an BloggdeinBuch und den Verlag Harper Collins.


Die Autorin:
Yep, that's me. . .Cynthia Hand unterrichtet Kreatives Schreiben an der Pepperdine University in Los Angeles. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern in Südkalifornien.

Weitere Bücher:

Quelle: Bild selbst gestaltet, Cover von der Verlagshomepage, Bild der Autorin von ihrem Blog.

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