Mittwoch, 15. Juni 2016

[Rezi] #26/2016 - Rattenkinder

Autor: B.C. Schiller
Titel: Rattenkinder
Genre: Thriller
Verlag: Bastei Lübbe (Köln)
Erschienen: 10/15
Seiten: 446
ISBN:  978-3-404-17264-1
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"Langsam begreife ich die Denkweise der Reichen."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Der Chefinspektor Tony Braun wird in die Psychiatrie gerufen. Dort behauptet ein Insasse, er wisse etwas über eine Tote, die bald darauf gefunden wird. Viktor Maly aber kann sich nicht daran erinnern, woher er die Informationen hat. Zudem ist unklar, wie er an die Informationen gekommen sein soll. Der skeptische Ermittler erhält noch weitere undurchsichtige Hinweise, die ihn zu einer anderen toten Frau führen. Was haben diese Frauen gemeinsam und welche Verbindung zieht der Rattenschädel der jeweils an den Tatorten gefunden wurde?

Rezension/Meinung:
Der Einstieg in diesen Thriller ist eine fast poetische Darstellung und Erzählung eines Mannes, der dem Tod ins Auge blickt. Zu diesem Zeitpunkt kann der Leser noch keinerlei Verbindungen ziehen und wird so auf neugierig machende Art in die Geschichte geführt. Der Prolog endet offen und man ist gespannt was noch weiter passieren wird.
Danach landet man wiederum in einer Szenerie in der aus der Ich-Perspektive erzählt wird, die aber scheinbar gar nichts mit dem Prolog zu tun hat.
So richtig kommt man erst in die Geschichte, als das zweite Kapitel beginnt, in dem der Klappentext sich wiederfindet. Denn der Ermittler der Mordkommission, Tony Braun, wird in die Psychiatrie gerufen um dort unklare Hinweise des Insassen Viktor Maly zu erhalten, die ihn nicht nur zu einer Toten führen. Maly ist ein Charakter, den man einerseits nicht einschätzen kann, andererseits aber eine unterschwellige Abneigung heraufbeschwört.
Neben den Toten befinden sich Rattenschädel und schnell ist klar, dass es Verbindungen zwischen ihnen gibt. Doch was? Und warum sind die Babys der Ermordeten nicht angerührt worden?
Die Mitarbeiterin Brauns‘ Franka wird an ihre eigene Kindheit erinnert. Diese verbrachte sie in Dogcity, einem Armenviertel in Rumänien. Eines Tages verlor sie selbst die Verbindung zu diesem Ort, nun aber holt sie ihre Vergangenheit ein.
Auf der Spur eines Serienkillers versuchen die Ermittler nicht nur Babys zu retten und stecken plötzlich mitten im Visier des Mörders.

Dieses Buch ist ein erfundenes, aber doch erschreckend realistische Zeugnis des Themas Kinderhandel.
Der Leser bekommt schon mit den ersten Sätzen eine eindringliche Gefühlswelle zu spüren, die neugierig macht, Spannung aufbaut, aber auch einen gewissen Grad an Abneigung.
Neben dem Teil des Kinderhandels, den man sich leider schon früh zusammen reimen kann, versuchen die Autoren die Leser mittels eines Verwirrspiels um den scheinbar psychisch kranken Viktor Maly an die Geschichte zu binden. Man scheint zu wissen, dass bei Malys Preisgaben nicht alles stimmig ist, richtig zu fassen ist dies aber erst fast am Ende des Thrillers.
Der doch durchsichtige Fall behält sich vor immer mehr Beteiligte um das Kernteam zu scharren. Für den ein oder anderen greift die Vergangenheit in die Gegenwart.

Zu Beginn wirkt der Hauptprotagonist etwas steif und man kann sich kaum vorstellen, dass es Gründe geben sollte, warum er aus der Ruhe geraten sollte. Hier aber werden ihm plötzlich Gefühle zugeschrieben, die vielleicht etwas zu sehr ins Klischee rutschen, dabei aber unersetzlich für den Verlauf der Geschichte sind. Trotzdem fehlte mir dabei die Gefühlstiefe.

Die Autoren haben eine Erzählung entwickelt, der leicht zu folgen ist, auch wenn immer wieder Neues aufgedeckt und entdeckt wird. Szenisch spielen sie gut mit den Worten und man fühlt sich jedes Mal bildlich an die Tatorte versetzt.
Auch den Eindrücken Dogcitys kann man sich nicht verwehren und blickt zum Horizont um die zwei Türme in der Ferne zu erblicken.

Der Schreibstil ist angenehm ruhig und somit gut verfolgbar. Da ich aber vieles schon erahnen konnte, wartete ich immer auf die großen Überraschungen, die mir leider verwehrt blieben. Aber dennoch nimmt die Geschichte den Leser mit, der nicht schon seine eigenen Gedanken hat und mit in die Lesung nimmt.

Mir fehlte der Spannungsbogen, bzw. war er mir zu seicht gehalten, als was ich von dem Klappentext und dem Prolog her erwartete. Auch wenn mich dieser Titel nicht ganz überzeugen konnte, habe ich noch einen weiteren Titel des Duos im Regal stehen und werde mich gespannt darauf einlassen.



Die Autoren:
B.C. Schiller ist das Autoren-Duo Barbara und Christian Schiller. Ihre abgründigen Thriller sind seit Jahren fester Bestandteil der E-Book-Bestseller-Charts, sie sind echte Stars der deutschsprachigen Selfpublisher-Szene. Christian Schiller interviewte für seine Radiofeatures viele finstere Gestalten, wie den österreichischen Serienkiller Jack Unterweger. Diese Erfahrungen, aber auch Barbara Schillers bizarre Erlebnisse  in Osteuropa fließen in fiktiver Form in ihre Thriller ein. Zusammen mit ihrem Rhodesian Ridgeback-Rüden Kajumba Jabali leben sie auf Mallorca und in Wien.
Homepage der Autoren.

Weitere Bücher (Auswahl):

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.


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