Samstag, 9. April 2016

[Rezi] #15/2016 - Romeo & Romy

Autor: Andreas Izquerido
Titel: Romeo & Romy
Genre: Roman
Verlag: Insel Verlag (Berlin)
Erschienen: 04/16
Seiten: 487
ISBN:  978-3-458-36141-1
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"Es würde Tote geben, so viel stand fest."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Romy ist Souffleuse und arbeitet in einem großen Theater in Berlin. Während der Premiere muss sie erfahren, dass ihre Oma gestorben ist und reist nach Großzerlitsch, wo sie selbst aufgewachsen ist. Dort zerfließt sie in Trauer und Selbstmitleid und nimmt ihren Platz im Dorf der „Alten“ ein. Doch irgendetwas stimmt mit den Bewohnern nicht. Um alle aus ihrem alten Trott zu reißen, hat sie die Idee ein Theater zu bauen. Die Skepsis ist groß, doch als Romy eine Werbeikone ins Dorf holt, kommt wieder Lebenslust in die Bewohner…

Rezension/Meinung:
Als Souffleuse geht Romy in ihrem Job auf, auch wenn sie einst Schauspielerin werden wollte. Aktuell souffliert sie in dem weltbekannten Stück Romeo und Julia und hofft immer noch eines Tages wieder auf der Bühne zu stehen. In ihrem Team ist auch Ben, der Romeo spielt. Ein Aufreißer und Frauenheld, der auch ihr schöne Augen macht, denen sie aber nicht traut. Sie muss während der Premiere erfahren das ihre Oma Lene gestorben ist und da sie ihre einzige Verwandte ist, zerbricht etwas in ihr. Sie macht sich auf in ihre alte Heimat Großzerlitsch. Das kleine Dorf hat nicht mehr viele Einwohner und die da sind, sind einiges älter als Romy selbst. Die Bewohner scheinen auszusterben. Romy aber kann das nicht mit ansehen und will ihre alte Heimat retten. So kommt ihr die verrückte Idee ein Theater zu bauen. Erst wollen die Einwohner nichts davon wissen, doch nach und nach zieht der Zusammenhalt ein. Als sie dann noch den „schönen Ben“ aus der Werbung ins Dorf holt, scheint auch für sie selbst etwas Glück einzuziehen…

„Romeo und Romy“ beinhaltet viel mehr als der Klappentext erahnen lässt. Danach erwartet der Leser eine sanfte Geschichte in der eine junge Frau ihr Glück findet. Auch wenn dies ein Teil der Geschichte ist, gibt es noch einiges mehr zu erlesen.
Der Autor packt in diesen Roman Verzweiflung über Jobverlust und Einsamkeit, Sehnsucht nach der großen Liebe, Angst vor zu viel Nähe, Enttäuschung und freudige Überraschungen.

Wer  den Worten in das Dorf folgt, wird sich zunächst einer schrulligen, eingefahrenen Gruppe „Alter“ gegenübersehen, die genau wissen, dass das Dorf aussterben wird. Gleichzeitig aber kommt die betrübte Romy an und versucht den Leuten wieder Leben einzuhauchen. Sie will nicht akzeptieren, dass es mit dem Dorf zu Ende geht. Selbst aber igelt sie sich ein, denn sie hat keine Hoffnung mehr für ihre Zukunft.
Die Geschichte aber ist viel mehr als das aufwecken einer müden Truppe. Hier geht es um Familienzusammenhalt, Vertrauen gewinnen und einer Idee, die ungeahnte Wellen schlägt.

Der Schreibstil ist toll und so unterschiedlich, dass man dadurch die Gefühlsschwankungen der Bewohner und Romy zu spüren scheint. Mal liest man fast poetische Wortfindungen, die bildhaft Umgebung und Geschehen beschreiben; dann ist die Erzählung in Teilen wieder recht leichtfüßig und einfach zu verfolgen, da es nur an der Oberfläche kratzt. Aber auch eine schrullige Art des Geschriebenen lässt sich in Bezug auf die „Alten“ wiederfinden. Diese Abwechslung lässt die Geschichte nicht langweilig werden.
Jeder Bewohner des Dorfes wird gut beleuchtet. Angewohnheiten werden ihnen zugeschrieben so individuell zugeschnitten, dass man sich die Personen gut vorstellen kann. Trotz der Menge an Personen kommt man nicht durcheinander und weiß immer wer gemeint ist. Besonders gut herausgearbeitet sind die beiden Hauptfiguren und das nicht nur mit ihren guten Eigenschaften.
Ob der so entstehende Bau eines Theaters wie beschrieben funktionieren kann ist eher fraglich, aber dieser Teil der Geschichte ist das wichtigste Glied. Daher fand ich lediglich den Teil mit dem Baubeamten unrealistisch. Dem Gesamtbild tut dies aber keinen Abbruch und man fühlt sich in dem Roman einfach wohl.

Eine schöne Geschichte mit einer feinen Note im herben Kessel, die den Geschmack komplett verändert.



Der Autor:
Andreas Izquierdo, geboren 1968, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Er veröffentlichte u. a. den Roman König von Albanien (2007), der mit dem Sir-Walter-Scott-Preis für den besten historischen Roman des Jahres ausgezeichnet wurde, sowie den Roman Apocalypsia (2010), der den Lovelybooks-Leserpreis in Silber für das beste Buch 2010 erhielt und zum Buch des Jahres bei Vorablesen.de gewählt wurde.  
Homepage des Autors.


Weitere Bücher (Auswahl):

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage. 


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