Mittwoch, 3. Februar 2016

[Rezi] #6/2016 - 28 Tage lang

Autor: David Safier
Titel: 28 Tage lang
Genre: Roman
Verlag: Kindler (Reinbek)
Erschienen: 03/2014
Seiten: 416 S.
ISBN: 978-3-463-40640-4
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"Sie hatten mich entdeckt."
(1. Satz)
 
Persönliche Zusammenfassung:
1943. Es ist der 2. Weltkrieg und mitten drin versucht sich die Jüdin Mira als Schmugglerin. Sie weiß dass jeder Schritt außerhalb des Ghettos ihr letzter sein könnte, aber um ihre Familie zu ernähren, geht sie das Risiko ein. Eines Tages trifft sie dort auf einen Unbekannten, der ihr Leben rettet. Der aber verschwindet schneller als es bemerken kann – nur die unstillbare Sehnsucht nach ihm bleibt. Bis sie ihn bald darauf wieder trifft. Doch ist er nicht der der er scheint und gleichzeitig kreisen die SS-Männer das Ghetto immer weiter ein...

Rezension/Meinung:
Die Frage, die sich in dieser Geschichte in den Vordergrund drängt „Wer will man sein?“, stellt sich auch immer wieder dem Leser.
Unzählige Erzählungen und fiktive Geschichten gibt es von Überlebenden und Zeitzeugen der Geschehnisse im 2. Weltkrieg und der Judenverfolgung. David Safier aber hat eine Geschichte geschrieben, die einen berührt und das tief im Herzen.
Nicht nur einmal musste ich das Buch zur Seite legen, tief einatmen und die Gänsehaut wegrubbeln.

Trotz der schlimmen Umstände, scheint es im Warschauer Ghetto auch noch Glück und Freude zu geben. Mira, die mir ihren grünen Augen auch als Polin durchgehen könnte, muss zwar ihr Leben aufs Spiel setzen um ihre Schwester und ihre Mutter zu versorgen, aber alles ist besser als ihren Körper zu verkaufen. Gleichzeitig hat sie noch ihren Freund, der ihr das schwere Leben etwas erleichtert. Es sind kleine Momente in denen das Durchatmen beruhigt und die Angst vor dem Tod stillt. Doch erkennt auch Mira, dass sich alles wandelt.
Auf einem polnischen Markt, wird sie fast erwischt und jeder weiß, dass die SS-Männer keine Gnade kennen. Da rettet sie ein junger Mann mit einem Kuss. Mira ist hin und weg, aber der Unbekannte verschwindet schnell ohne dass sie mehr von ihm erfährt. Die folgenden Tage werden immer schwerer. Das Erklimmen der Mauer ist nicht mehr möglich, niemand scheint ihr helfen zu wollen und so schließt sie sich einer Gruppe Schmuggler an, welche gleich wieder zerschlagen wird. Da sieht sie den Unbekannten wieder und das in ihrem Ghetto.
Doch schon bald ist rückt die Gefahr näher und es bleibt nur noch das Verstecken. Mira wird zur Widerstandskämpferin und auch wenn töten das Letzte ist was sie tun möchte, will sie auch Überleben.

„28 Tage lang“ beschreibt so intensiv und verständlich die Ängste und Wut, die die Ghettobewohner empfunden haben, dass jeder Leser mitfühlen kann. Die getroffenen Entscheidungen in der Geschichte sind teils sehr hart, aber entsprechen der damaligen Zeit und den Ereignissen – schmerzlich sind die dennoch.

Was die Menschen mit anderen gemacht haben – und auch heute noch tun, ist einfach unglaublich und nicht nachvollziehbar.

Safier beschreibt Mira und ihr Leben mit Worten, die komplett von seinen humoristischen Vorgängern abweichen und konnte mich daher sehr überraschen.
Die damals vorherrschende Brutalität wird nicht beschönigt und es steigen Bilder vor die Augen, die man in „Schindlers Liste“ o. ä. schon einmal gesehen hat. Die guten Figuren sind so dargestellt, dass jede ihre Eigenschaften zugeschrieben bekommt, und so wachsen sie einem ans Herz und man leidet mit ihnen.

Am Ende wird zwar die Frage der Hauptprotagonistin beantwortet, bzw. kann sie sie für sich selbst beantworten, aber nun bleibt diese Frage an einem selbst kleben und man wird sie nur schwerlich wieder los.
Eine intensive Geschichte, die lange im Kopf bleibt, einen mit in die Vergangenheit nimmt und einsam im kalten engen Ghetto zurücklässt.




Der Autor:
David Safier, 1966 geboren, zählt zu den erfolgreichsten Autoren der letzten Jahre. Seine Romane "Mieses Karma", "Jesus liebt mich", "Plötzlich Shakespeare", "Happy Family", "Muh" und "28 Tage lang" erreichten Millionenauflagen. Auch im Ausland sind seine Bücher Bestseller. Als Drehbuchautor wurde David Safier unter anderem mit dem Grimme-Preis sowie dem International Emmy (dem amerikanischen Fernseh-Oscar) ausgezeichnet. David Safier lebt und arbeitet in Bremen, ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund.
Homepage des Autors.


Weitere Bücher (Auswahl):
Quelle: Bilder und Vita des Autors von der Verlagshomepage.

 

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