Sonntag, 20. September 2015

[Rezi] #7/2015 - Glück und Glas


"See me, feel me, touch me..."
(1. Satz)
 
Persönliche Zusammenfassung:
Lore und Moon verbindet eine Freundschaft, wie sie in Kriegszeiten nur wenig Bestand hatte. Am selben Tag geboren, in der selben Villa aufgewachsen. Die eine als Tochter reicher Eltern, die andere als Tochter der Hausdame. Doch der gesellschaftliche Unterschied kann die beiden Freundinnen nicht auseinander bringen. Im Laufe der Jahre aber entzweien sie sich durch Männergeschichten, die verschiedenen Lebensvorstellungen und Geheimnisse die diese besondere Freundschaft bedrohen. Beide Leben verlaufen unterschiedlich, dennoch so, dass sie sich immer wieder berühren. 
Jahre später gestehen sie sich ihre Fehltritte und es ist die Frage, wie viel Leid eine Freundschaft ertragen kann...

Rezension/Meinung:
„Glück und Glas, wie leicht bricht das.“ Dieser Posiealbumspruch ziert die beiden Bücher von Moon und Lore, den beiden kleinen Mädchen, die gemeinsam die schwere Nachkriegszeit verbracht und überlebt haben. Es war nur ein Zufall das ihre Mütter sich einst trafen und Moons Leben sich etwas positiver entwickelte als gedacht. Ihre beste Freundin Lore, welche glücklich in einer Münchner Villa aufwächst, bietet ihr und ihrer Mutter Anfangs ein Zuhause, gegen Hilfe im Haushalt. 
Die unterschiedlichen Leben aber setzen sich fort, denn die Schulzeit trennt sie nach der räumlichen Trennung ebenfalls. Beide aber halten an dieser Freundschaft fest und versuchen alles um sie zu halten. Sie erkennen, was ihre unterschiedlichen Lebensansätze mit sich bringen, lassen sich ihre gemeinsame Zeit aber nicht verbieten. Erst als Lore das Studieren beginnt, so zielstrebig, wie sie schon immer war, und Moon sich für eine Ausbildung entscheidet, die bald in einer Katastrophe endet, driften ihre Leben immer weiter auseinander.
Während die eine die Liebe ihres Lebens trifft, landet die andere in einer verpönten Bar. Jeweils nicht angetan vom Lebensstil der Anderen, bleiben sie dennoch immer in Verbindung und der alte Posiealbumspruch findet immer wieder seinen Weg zur Aufmerksamkeit.
Bis sich plötzlich die Liebe zwischen beide stellt. Derselbe Mann, dieselben Gefühle und ein Dilemma das seinen Lauf nimmt. Diese Freundschaft der beiden Frauen aber ist stark und sie versuchen mit allen Mitteln die Berge aus Trümmern zwischen sich zu beseitigen, wie einst die Trümmerfrauen...

Lilli Beck hat mich mit „Glück und Glas“ in die Vergangenheit geholt und mich mit den beiden Hauptprotagonistinnen den schweren Weg in die Gegenwart begehen lassen – und das sehr gelungen.

Dieser Roman ist eine Mischung aus einer Geschichte um eine tiefe Freundschaft, die von vielen Höhen und Tiefen begleitet wird und einem Zeitzeugnis.
Besondere geschichtliche Ereignisse sind ein roter Faden in der Geschichte und man wird an das ein oder andere erinnert, was einen wichtigen Platz in Nachrichten und Geschichtsbüchern gefunden hat.
Hauptsächlich aber geht es um die zwei Frauen, die gemeinsam aufwachsen und sich dennoch so unterschiedlich entwickeln.

Überschrieben sind die einzelnen, recht kurzen, Kapitel mit dem jeweiligen Datum über welches berichtet wird. Diese springen von der Gegenwart immer wieder in die Vergangenheit die chronologisch von der Geburt der beiden Mädchen bis zu ihrem letzten Treffen erzählt werden. Geblickt wird abwechselnd auf beide Frauen. Zweifel, Eifersucht und Liebe sind nur wenige der angesprochenen Themen die sie die Jahre über begleiten.
Auch im Schreibstil kann man die beiden unterschiedlichen Persönlichkeiten erkennen, denn wo Lore geziemt und eher gediegen beschrieben wird, ist Moon die quirlige und abenteuerlustige.

Zudem gefällt mir gut, dass die Autorin selbst ihre Erlebnisse autobiographisch mit eingebunden hat. Ein Leben voller Abenteuer und unvorhersehbarer Erlebnisse in der Mitte der Gesellschaft.

Wunderbar unterhaltsam in allen Bereichen und eine Geschichte, die man nicht so leicht vergisst.

Ein Roman der nicht nur Zeitzeugen begeistern wird, sondern Leser, die gute Geschichten über Freundschaften mögen und ebenfalls wissen, was eine solche Freundschaft wert ist.
Denn selbst wenn der ein oder andere Weg steinig ist, freut man sich jedes Mal am Ende einen besonderen Menschen zu wissen.
 
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an blanvalet.

Die Autorin:
Lilli Beck wurde 1950 in Weiden/Oberpfalz geboren und lebt seit vielen Jahren in München. Nach der Schulzeit begann sie eine Ausbildung zur Großhandelskauffrau. 1968 zog sie nach München, wo sie von einer Modelagentin in der damaligen In-Disko Blow up entdeckt wurde. Das war der Beginn eines Lebens wie aus einem Hollywood-Film. Sie arbeitete zehn Jahre lang für Zeitschriften wie Brigitte, Burda-Moden und TWEN. Sie war Pirelli-Kühlerfigur und Covergirl auf der LP Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz von Marius Müller-Westernhagen. Glück und Glas ist sowohl eine romanhafte Autobiografie als auch der Roman einer ganzen Generation.  
 
Weitere Bücher (Auswahl):

Quelle: Bild der Autorin copyright by Susie Knoll. Cover von der Verlagshomepage. Bild designed by Lesefee.

 

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