Freitag, 11. September 2015

[Rezi] #5/2015 - Das Buch der verborgenen Wünsche

 
"Wenn du die Augen schließt, kannst du sie vielleicht noch sehen."
(1. Satz)
 
Persönliche Zusammenfassung:
Natashas Trauer ist groß: Ihre über alles geliebte Großmutter ist gestorben und dabei war sie doch jahrelang ihr größter Halt. Auf ihrem Weg nach Summercove, dem Ort wo die Beerdigung stattfindet und wo sie ihre Sommer der Kiindheit verbrachte, schwelgt sie in Erinnerungen. Doch dort angekommen, spürt sie gleich wieder Neid und Hass aus den Poren ihrer Verwandten triefen. Vor vielen Jahren starb die Schwester ihrer Mutter in Summercove – mit gerade einmal fünfzehn Jahren. Nie wurde wirklich darüber gesprochen, niemals erfuhr sie was damals wirklich geschah; doch es scheint das die Familiengeheimnisse nach und nach auf den Tisch kommen und dabei wird klar, dass manches Geheimnis unaufgedeckt bleiben sollte...

Rezension/Meinung:
Familie ist etwas Besonderes und sehr Wertvolles. Doch gibt es immer wieder Familien, die einen Berg Geheimnisse mit sich tragen und so zu einer verschworenen, schweigenden Gemeinschaft werden. So ist es auch bei Familie Kapoor.
Natasha ist die Enkelin Frances, die als Malerin berühmt wurde und gemeinsam mit ihrem Mann auf Sommercove immer große Partys gab. All das aber endete mit dem tragischen Tod der Tochter Cecily. Mit gerade einmal fünfzehn Jahren stürzte sie und schied ohne großes Tamtam aus dem Leben. Ihre Schwester Miranda, aufmüpfig und immer auf Streit aus, wird seit da an heimlich als Schuldige benannt. Nach dem Tod verschloss sich Frances gegenüber der Welt und tat keinen Pinselstrich mehr. Nun nach ihrem eigenen Tod, soll die Kunst wieder erweckt werden und gleichzeitig werden die Anschuldigen gegenüber Miranda nicht mehr hinter verschlossenen Türen gehalten.
Doch auch Natasha muss schnell merken, dass ihre Mutter, die nur selten für sie da war, mehr Geheimnisse umgeben, als die die sie scheinbar kalt an sich abprallen lässt.
Natasha selbst aber kämpft aktuell mit eigenen Problemen, die sie sehr belasten. Nicht nur, dass ihre Beziehung zerbricht, auch ihr Job und alles was daran hängt, scheint in Schieflage zu geraten.
Sie versucht alles um wieder auf einen grünen Zweig zu kommen, überwältigt von Trauer und Angst aus den verschiedensten Richtungen, als ihr das Tagebuch von Cecily in die Hände fällt. Diese paar Seiten üben auf Natasha einen Sog aus, dem sie sich nicht entziehen kann und sie kommt den Familiengeheimnissen immer näher. Aber ist es klug in so einer schweren Zeit an der Familie zu zweifeln? Hin und her gerissen, entscheidet sie sich die Wahrheit herauszufinden und erkennt bald, das die Wahrheit nur im Auge des Betrachters liegt.

„Das Buch der verborgenen Wünsche“ ist nicht ganz die typische Familiengeschichte.
Denn diese sind meist erfüllt von lustigen und glücklichen Beschreibungen schöner Kindheiten, Abenteuern und Liebe.
Hier aber kristallisiert sich schnell heraus, dass die Familie Kapoor alles andere als dieser liebevollen Erwartung entspricht.

Wer also erwartet, dass das Glück hier vorherrscht, sollte sich an diese Geschichte nicht wagen.

Das Buch ist in verschiedene Teile gegliedert und beginnt, nach dem Prolog, mit der Erzählung aus Sicht von Natasha, die gerade auf dem Weg zur Beerdigung ist. Kurz darauf kann man den ersten Einblick in Cecilys Seele bekommen, der sich im Verlauf des Buches wiederholt.
Mich hat etwas stutzig gemacht, dass im Mittelteil plötzlich mit Blick auf die Kindheit von Cecily und Miranda berichtigt wird, denn es passte irgendwie erst nicht ganz, das plötzlich diese Zeitreise stattfindet, die nicht durch das Tagebuch führt.
Gleichzeitig neben der Vergangenheit wird viel über die aktuelle Lebensphase von Natasha berichtet und so entwickeln sich zwei Geschichten gleichzeitig, die sich Seite um Seite weiter verbinden und am Ende ein großes Ganzes ergeben. Die zwei Geschichten entwickeln sich autark und kommen sich so nicht in die Quere. Am Ende sind sie eins und machen die Vergangenheit und Gegenwart zu einer aufregenden Wahrheit.
Durch diese zwei Ansätze erklären sich auch die vielen Seiten, bei denen man sich anfangs fragt, wie sie gefüllt werden sollen.
Doch diese Frage stellt man sich schnell nicht mehr.
Überflüssiges ist kaum zu finden, denn immer wieder findet sich eine neue Wendung ein. Lediglich der Punkt mit Natashas Vater ist einer, den man schon erahnen kann, der aber auch nicht unbedingt von Nöten gewesen wäre. Da hätte es mir besser gefallen, wenn die Beziehung zu ihrer Mutter intensiver oder einfach klarer definiert worden wäre.

Geschrieben ist die Geschichte locker leicht, trotz des ernsten Themas. Auch wenn man immer wieder die Schwere spüren kann, muss man doch nur tiefer einatmen, um sie abzuschütteln.
Cecilys Beschreibungen sind so naiv formuliert, wie die Lebensfragen, die sich Natasha stellt.

Ein Buch über verschiedene Lebenswege, Wahrheiten und Lügen, Familien die sich nur schützen wollen und Menschen, die mehr versuchen geheim zu halten als sie können.
Leider sind ein paar Personen der großen Familie eher schwammig dargestellt und wenn man seine Probleme mit vielen Protagonisten und ähnlichen Namen hat, könnte es passieren, dass man hin und wieder versuchen muss diese entsprechend einzusortieren.

Wer Familiengeschichten mag, die voller Geheimnisse und verschiedenster Erlebnisse stecken, sollte diesen Roman lesen. Aber auch wer die Hoffnung auf Liebe nicht aufgegeben hat, findet gute Unterhaltung.
Die pure Begeisterung aber blieb bei mir aus, auch wenn ich es gut fand, dass nicht alles direkt zu erahnen war.

Gute Unterhaltung, interessante Story mit kleinen Hängern. 


Die Autorin:
Harriet Evans lebt in London und war Lektorin, bis sie selbst anfing, Romane zu schreiben. Inzwischen zählt sie in England zu den ganz Großen der Frauenunterhaltung. 

Weitere Bücher (Auswahl):

Quelle: Cover von Amazon. Autorenbild von der Homepage der Autorin, copyright by Johnny Ring. Bild selbstgestaltet. 

 

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