Mittwoch, 23. April 2014

[Rezi] #21/14 - Scherbenpark

Autor: Alina Bronsky
Titel: Scherbenpark
Genre: Roman
Verlag: KiWi (Köln)
Erschienen: 09/2009
Seiten: 304 S.
ISBN: 978-3-462-04150-7
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"Manchmal denke ich, ich bin die Einzige in unserem Viertel, die noch vernünftige Träume hat."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Sascha lebt mir ihren Geschwistern in einer Hochhaussiedlung, eher schon einem Ghetto, wie sie es selbst nennt. Nach Russland hat es auch der Scherbenpark nicht allzu gut mit ihnen gemeint, denn erst vor kurzem musste ihre Mutter sterben: Erschossen von Saschas Stiefvater. Sascha ist klar, sie muss sich rächen an dem Mann, der ihnen die Mutter genommen hat. Doch wie soll sie an ihn ran kommen, wo er nun im Knast sitzt? Und was passiert mir ihren Geschwistern?

Rezension/Meinung:
Alina Bronskys „Scherbenpark“ ist ein dünne Lektüre, die dennoch so intensiv ist, dass man ihrem Charme nicht entgehen kann. 
Der Hauptprotagonistin Sascha Naimann wurde eine so flapsige Sprache zugeschrieben, dass man manchmal den Kopf schütteln möchte, andererseits aber nicht drumherum kommt zu sehen, wie natürlich diese Sprachwahl wirkt. 

Sascha ist siebzehn und gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren zwei jüngeren Geschwistern, kam sie nach Deutschland um hier ein besseres Leben zu führen. In Russland war dies nicht mehr möglich. Doch auch in dem Hochhausghetto scheint es für den Rest ihrer Familie kaum eine Chance zu geben. Sascha selbst ist hochbegabt und besucht ein Elite-Gymnasium. Freundinnen aber findet sie da nicht wirklich, denn laut ihrer Auffassung verstehen diese den Unterricht nicht. Durch ihre Herkunft wird sie zudem oft ausgegrenzt. Ihr Leben aber nimmt eine abrupte Wendung.
Nun muss sie sich um ihre Geschwister kümmern, kann die Schule nicht mehr machen und schmiedet gleichzeitig Pläne. Denn sie will ein Buch schreiben, für ihre Mutter, die sterben musste. Aus Eifersucht wurde sie von ihrem Exmann erschossen. Ein Mann, den Sascha sowieso nie mochte. Er sitzt im Knast, aber sie ist sich sicher doch irgendwie an ihn ran zu kommen, denn das ist ihr zweiter Wunsch: Vadim zu töten. Um dies in die Tat umsetzen zu können, muss sie aber erst einmal aus dem Alltagstrott und nachdem ihre Geschwister erst einmal eine andere Unterkunft bekommen haben, macht sie sich auf den Weg – und auf die Flucht. 
Ihre Rachegelüste führen sie durch die ganze Stadt und dort bleibt sie nicht lange alleine. Sie trifft auf ihre erste, zarte Liebe, kann sich dies aber nicht eingestehen, denn ihre Ziele sind hart. Hinter der harten Schale versteckt sie den Kummer und Schmerz des Verlustes ihrer Mutter und immer wieder gerät sie in Situationen, aus denen sie sich nur im letzten Augenblick retten kann. Es scheint klar, dass Saschas Zukunft alles andere als rosig aussieht, geprägt von Gewalt, Lügen und Schmerz, doch die mal naiv wirkende und doch so harte Sascha überrascht nicht nur sich selbst... 

Wer „Scherbenpark“ öffnet, spürt gleich, was es heißt in einer Immigrantenfamilie zu leben und mitten in einem Ghetto aufzuwachsen, aus dem es scheinbar keinen Ausweg gibt. Wer dort lebt, kann nur auf eine Weise enden – so zumindest der Stempel, der einem aufgedrückt wird. 
Sascha aber ist anders und hat Ziele, von denen sie sich nicht abbringen lässt. Daher ist sie als die Hauptprotagonistin so gut gewählt. Die Mischung aus aufmüpfig, unterschwellig aggressiv, Einfühlsamkeit und Unsicherheit, fertigt das Bild einer Jugendlichen, die sich von ihren Emotionen lenken lässt und dadurch unverfälscht durch die schlimmste Zeit ihres Lebens geht. Sie ist frech, laut und rasant und dennoch sympathisch. 

Alina Bronsky hat diese Figur erschaffen und man kommt nicht umhin ihre Gedanken und Wünsche zu verstehen, möchte sie andererseits aber gerne davon überzeugen, dass ihre Wut sie nicht an das gewünschte Ziel bringen kann. 
„Scherbenpark“ ist eine Kurzgeschichte, die unter die Haut geht und einen nicht so leicht loslässt. Zwischendurch aber hätte sie mich fast verloren, da es zeitweise recht wirr wirkt bzw. so vieles gleichzeitig zu geschehen scheint, dass man sich gar nicht entscheiden kann, welche Situation man nun genauer betrachten sollte. Auch tauchen immer wieder Figuren auf, die leider nur angeschnitten werden und dadurch konnte ich zu denen keine Verbindung aufbauen. Dennoch fand ich es gut, dass Sascha trotz allen Widrigkeiten immer weiter ihren Weg geht und am Ende doch den richtigen einschlägt. 

Wer meint hier ein Buch für Zwischendurch zur Hand genommen zu haben, wird sich wundern, wie viel er nach beenden noch darüber nachdenkt. Denn die beschriebenen Ereignisse sind so klar dargestellt und man weiß, nicht jeder hat das Glück nur darüber schreiben zu können, sonder steckt mitten in einem dieser Ghettos fest und steckt in einer Schublade, aus der es kaum ein Entkommen gibt. 

Eine Lektüre, die gleichzeitig nachdenklich macht, hoffnung verbreitet und zeigt was wirklich wichtig ist.


 Trailer zum Film

Cover:
Viel zu sehen gibt es hier kaum etwas, denn das Cover ist schlicht in verschiedene Rottöne gehalten. Die Laufende stellt gefühlt Sascha da.

Die Autorin:
Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, verbrachte ihre Kindheit auf der asiatischen Seite des Ural-Gebirges und ihre Jugend in Marburg und Darmstadt. Nach abgebrochenem Medizinstudium arbeitete sie als Werbetexterin und als Redakteurin bei einer Tageszeitung. Sie lebt in Berlin.

Weitere Bücher:
  • Nenn mich einfach Superheld (2013)
  • Spiegelriss (2013)
  • Spiegelkind (2012)

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.


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