Samstag, 19. April 2014

[Rezi] #19/14 - Das Nebelhaus

Autor: Eric Berg
Titel: Das Nebelhaus
Verlag: Limes (München)
Erschienen: 03/2013
Seiten: 416 S.
ISBN: 978-3-8090-2615-0
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"Drei Tote und eine Komapatientin, das war die Bilanz der "Blutnacht von Hiddensee", die die Ostseeinsel zwei Jahre zuvor erschüttert hatte."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Die Journalistin Doro Kagel, ist mit ihren aktuellen Aufgaben nicht zufrieden und möchte endlich zeigen was sie kann. Daher wagt sie sich an einen Bericht über die „Blutnacht von Hiddensee“, die sich bald zum zweiten Mal jähren soll. Damals kamen auf der ruhigen Insel drei Menschen ums Leben und eine Frau schwerverletzt ins Krankenhaus – die Täterin, die aber niemals gestand, denn sie liegt seit da an im Koma. Doro möchte den Fall aus einer anderen Perspektive aufzeigen und macht sich an die Recherchen. Diese aber lassen die Nacht plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen... 

Rezension/Meinung:
„Das Nebelhaus“ wanderte schon schnell nach Erscheinen auf meine Wunschliste, dennoch schob ich es immer wieder hinaus mir dieses Buch zu kaufen, da ich mir nicht ganz sicher war, ob es mich überzeugen könnte. Durch all die positiven Bewertungen konnte ich mich dann aber schnell nicht mehr dagegen wehren und wollte es auch nicht. 
Nach Beenden der mit bedrückenden, überraschenden und fesselnden Worten gefüllten Seiten, hätte ich diese Geschichte gerne schon viel früher gelesen. 

Eric Berg schafft es den Leser mit auf die Insel Hiddensee zu nehmen und in einen Sog zu ziehen, der einen einerseits abschreckt, andererseits Menschen, die einem Inselbesuch bisher nichts abgewinnen konnten zu überzeugen, doch einmal einen Fuß auf das Wasser umgebene Land zu setzen. 
Die Beschreibungen des „Nebelhauses“ scheinen zeitweise aus einem gruseligen Horrorstreifen zu stammen, können zumindest sehr gut mit den Vorstellungen mithalten. Im Licht der Sonne dagegen fühlt man sich eingelullt und kann sich vorstellen dort im Garten zu sitzen und sich wärmen zu lassen.

Dieser Kriminalroman spielt in zwei Zeiten und die Erzählperspektiven unterscheiden sich hier. Einerseits verfolgt man die Worte der Journalistin Doro Kagel, die sich den Geschehnissen der Insel vor zwei Jahren widmet. Sie weiß durch andere Medienberichte und Aussagen Überlebender, dass die alten Freunde Philipp - dem das Anwesen gehört -, Timo, Yasmin und Leonie sich eines Tages im Internet wiedertrafen und ihre alte Freundschaft wieder aufleben lassen wollten. Doch der so erwartet harmonische Kurzurlaub geriet schnell aus den Fugen. 
Doro versucht herauszufinden, was damals wirklich auf der Insel geschah, freundet sich dadurch mit dem Sohn der damaligen Köchin des Nebelhaus an. Sein Vater aber trägt ein großes Geheimnis mit sich herum und scheint selbst einen Anteil an den Ereignissen in dem Haus zu haben. Und was ist mit dem Sohn, in den sich Doro nach und verliebt? Er war zu dieser Zeit auch auf der Insel... 
Auf der anderen Seite sieht man alles aus etwas entrückter Sicht und wirft immer wieder Blicke über die Schultern all der Freunde und anderen Protagonisten und erfährt in Häppchen, was dort wirklich passierte. 
Beide Ansichten verweben sich immer weiter zu einer schlüssigen Geschichte, die am Ende klar überrascht. 
Die scheinbar ruhige Leonie trägt aus Angst eine Waffe mit sich, die in den Tagen auf Hiddensee plötzlich verschwindet, was aber zu weniger Beunruhigung beiträgt als man annehmen würde. Zudem scheint mit ihr etwas nicht zu stimmen. Im krassen Kontrast zu ihr steht Yasmin, die noch immer wie als Jugendliche das „freie“ Leben bevorzugt und sich keinen Regeln beugt. Philipp, der sehr konservativ wirkt, läd ein und scheint dies schon nach wenigen Tagen zu bereuen. Gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter, nimmt er die drei ehemaligen Freunde auf und hofft auf das Anknüpfen an alte Zeiten. Als vierter Hauptprotagonist auf der Insel ist Timo zu nennen, der mit seiner Schriftstellerei bis her nicht so viel erreichen konnte, als erhofft und nun nach der großen Story sucht. Doch die Sehnsucht kommt ihm dazwischen, den er verliebt sich in Philipps Frau... 
Jeder scheint in das düster beschrieben Haus seine Geheimnisse mitgebracht zu haben und diese nehmen ihren eigenen Weg, bis man nicht mehr weiß, was Wahrheit und Lüge ist. 
Doro aber bleibt am Ball und kann Menschen auftreiben, die damals kaum ein Wort sagten und dennoch die Wahrheit kannten und es wird schnell klar, dass jeder der Anwesenden ein Stück Schuld in sich trägt... 

Eric Berg setzt zwar sehr viele Figuren ein, erzählt dabei viele kleine Geschichten parallel, aber ich hatte nie das Gefühl den Überblick zu verlieren. 
Die einzelnen Figuren sind klar voneinander getrennt und so ausreichend beschrieben, dass man sie sich sehr gut vorstellen kann und dennoch nicht zu viele Informationen verarbeiten muss. 
Sicherlich gibt es Reaktionen, die überraschend sind und nicht immer nachvollziehbar, die aber zu den einzelnen Personen passen und daher nicht ungewöhnlich wirken. 
Wie immer bei solchen Büchern mag ich das Springen zwischen den Zeiten und Erzählweisen. Nicht oft schafft es ein Autor mich so an die Seiten zu fesseln, denn viel zu oft kann man schon nach wenigen Seiten erahnen, wer der wahre Täter ist. Hier aber wird von einem zum anderen geschwenkt und versucht der Verdacht auf jeden zu leiten, dennoch bleibt man lange davon überzeugt, dass man die Täterin kennt. 
Was sich dann in den Worten ausbreitet, konnte mich daher gut überraschen und ist auch ausschlaggebend für meine Bewertung. Selten habe ich für einen Kriminalroman meine volle Bewertungszahl abgegeben, da sich dies nie so anfühlte wie „Das Nebelhaus“. Ein Ort den man fast sofort besuchen möchte und sich in meiner Vorstellung erstaunlicherweise ziemlich von dem Coverbild unterscheidet. 

Spannend, überraschend und emotional mit Wendungen die mich endlich einmal richtig überzeugen konnten. Sehr zu empfehlen und ein Buch, dass nach dem Schließen noch immer lange im Kopf bleibt. 


Das Cover:
Auf diesem Cover scheint man das Haus der Tat zu sehen, was einen guten Eindruck macht. Der Weg der dorthin führt macht einerseits neugierig und verbreitet dennoch eine leichte Gänsehaut. Obwohl so ein klares Bild den Ort des Verbrechens darstellt habe ich mir dennoch mein eigenes Haus in der Vorstellung gebaut, was mich sehr überrascht hat.

Der Autor:
Eric Berg ist das Pseudonym eines höchst erfolgreichen deutschen Autors, der sich mit historischen Romanen einen Namen gemacht hat. Mit Das Nebelhaus verwirklicht er einen langgehegten schriftstellerischen Traum: das Schreiben eines Kriminalromans. Vor der stimmungsvollen Kulisse der sturmumtosten Ostseeinsel Hiddensee entfaltet Eric Berg eine spannungsgeladene Geschichte, die den Leser mitten hinein führt in die Abgründe menschlichen Handelns. 

Weitere Bücher:
(bisher keine weiteren Veröffentlichungen unter diesem Pseudonym)
 
Quelle: Bild des Buches und Vita von der Verlagshomepage. Bild des Autors von der Autorenhomepage.

5 Empfehlungen:
 



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