Sonntag, 23. März 2014

[Rezi] #16/14 - Die erste Nacht

Autor: Jonathan Maberry
Titel: Die erste Nacht
Originaltitel: Rot & Ruin
Reihe: Lost Land
Genre: Dystopie
Verlag: Thienemann (Stuttgart)
Erschienen: 09/2012
Seiten: 528 S.
ISBN: 978-3-522-20151-3
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"Weil Benny Imura es in keinem Job lange aushielt, verlegte er sich aufs Töten."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Mountainside – ein Ort in der Zukunft: Umzäunt, bewacht und umkämpft. 
Während innerhalb des Zauns eine Gruppe Jugendlicher versucht die letzten Tage ihrer Freiheit zu genießen und die Regeln des Ortes auszureizen, staksen vor dem Zaun auf der anderen Seite Zombies herum und warten nur darauf einbrechen zu können. Ben ist in Mountanside aufgewachsen und weiß das sein Bruder einer der Zombietöter des Dorfes ist. Ein Job voller Gewalt, der Ben immer mehr von seinem Bruder Tom entfernt. Doch die Zeiten ändern sich und eines Tages muss Ben erkennen, dass nicht die vermeidlich guten Abenteurer des Dorfes die wahren Helden sind... 

Rezension/Meinung:
In den letzten Jahren gab es hier zu Lande einen großen Hype um Zombiegeschichten, der sich sicherlich auch durch „The Walking Dead“ erklären lässt. Anfangs skeptisch habe ich mich diesem Thema dann aber gespannt gewidmet und manch ein Schatz versteckt sich da auch in der Bücherwelt. Vor einiger Zeit hat sich auch Jonathan Maberry mit diesem Thema befasst und damit ein Buch geschrieben, das sich dennoch stark von all den anderen Geschichten über Untoten unterscheidet. 
Es schlägt mit einer fast beängstigenden Intensität zu und lässt einen manches in einem anderen – nachdenklicheren – Blickwinkel betrachten. 

Benny Imura ist ist Mountainside aufgewachsen, einem sicheren Ort, mitten im Leichenland. Sein Halt sind seine besten Freunde, denn seine Eltern starben in der ersten Nacht und verwandelten sich wie all die, die sich nicht retten konnten in Untote. Seine erste klare Erinnerung stammt aus dieser ersten Nacht und erklärt den Hass auf seinen Bruder Tom, der tagtäglich in den gefährlichen Weiten Zombies tötet. Damals war er es, der Ben aus den Armen seiner Mutter riss und davon lief ohne zu versuchen sie zu retten. Bis heute treibt dies einen Keil zwischen die Brüder. 
Doch nun wird Ben fünfzehn und muss sich einen Job suchen um auch weiterhin die vollen Tagesrationen an Lebensmitteln erhalten zu können. Die Wahl fällt schwer und es lässt sich kaum etwas finden, was er wirklich machen will. In seinem Unwillen muss er sich dann doch an seinen Bruder wenden um mit ihm gemeinsam aus dem geschützten Raum in die freie Landschaft, das Leichenland, zu ziehen. Ben weiß gar nicht wirklich was ihn dort erwartet, kann es sich aber gut vorstellen, denn was soll am Töten von Zombies auch besonders sein? 
Erzählungen in Mountainside und der Ausflug hinaus machen Ben aber schnell klar, dass diese sich stark voneinander unterscheiden. Bisher himmelte er immer Charlie, den Hammer, an, wenn dieser wieder mit haufenweise abgeschlagenen Köpfen zurück gekommen war; lauschte seinen Abenteuern und konnte sich nichts spannenderes vorstellen. Nun aber sieht er mit eigenen Augen was wirklich Sache ist. Denn der Hammer spuckt zwar große Töne, nutzt aber nur grobe Gewalt um sein Ziel zu erreichen. Ganz anders Tom, wie Ben nun erkennen muss. Langsam versiegt der Hass gegenüber seinem großen Bruder. 
Ben kommt als Anderer zurück nach Mountainside. Der unterschwellige Hass zwischen Tom und dem Hammer verstärkt sich als plötzlich die Spielkarte des Verlorenen Mädchens auftaucht und die  Situation komplett aus den Fugen gerät. Wer ist dieses Mädchen, dessen Anblick Ben vom ersten Augenblick an fasziniert? Lebt sie etwa ganz alleine im Leichenland, wie alle sagen? Und warum will Charlie sie finden? Tom und Ben sehen die Gefahr und möchten das Mädchen warnen, als plötzlich Bens gute Freundin Nix entführt wird – hinaus in die Weiten. Gemeinsam mit seinem Bruder macht Ben sich auf die gefährliche Jagd, kommt den Untoten zu nah und muss nicht nur um sein eigenes Leben kämpfen... 

Maberry konnte mir mit dem ersten Teil von Lost Land eine andere Seite der Welt der Untoten nahe bringen und hat mich teilweise sehr überrascht. 
Bei diesen Geschichten erwartet man fast, dass sich eigentlich nur alles darum dreht die Zombies zu töten und irgendwie das alte Land wieder zurück zu erobern und die Menschheit wieder zu vermehren. Hier aber gestaltet sich das alles etwas anders: Was mit einer Szenerie beginnt, die im ersten Moment die Neugier stark anwachsen lässt um dann in einem Augenblick zu landen, den man gefühlt auf jedem Schulhof erwarten könnte, entwickelt sich intensiv und mitreißend. Der Ort entfaltet sich klar vor dem inneren Augen und man kann sich dort fast zurecht finden, wenn die Jugendlichen über die Wege stolpern. Gleichzeitig fühlt man immer die Eingrenzung und scheint überall Zaun zu sehen, hinter dem sich Tote hin und her bewegen.
Neben diesen Beschreibungen erfährt man gleich so einiges über die Beziehung der beiden Brüder und ist eigentlich fast traurig, dass sich die einzigen Überlebenden einer Familie so voneinander entfernen können. Erstaunt stellt man im Verlauf der Geschichte fest, dass man noch mehr Mitgefühl entwickelt: Dieses aber für die Zombies. 
Denn hier wird durch den Schreibstil und die teilweise bedrückende Wortwahl ein anderes Bild der Wesen geschaffen, die nur darauf aus sind alles menschliche zu vernichten um selbst weiterzuleben. Der Autor bringt hier klar an, dass auch diese Wesen einmal Menschen waren und sie ebenfalls einmal Familie hatten. 
Eine andere Sicht, die erst einmal überrascht, dann aber auch passend für den Fortlauf der Geschichte den Blickwinkel ändern lässt. Denn hier werden Feinde zu Verbündeten und Helden verlieren ihre Maske. 

"Es gibt Momente, die das ganze Leben eines Menschen prägen - Momente, in denen alles, was dieser Mensch ist, und alles, was er werden könnte, von einer einzigen Entscheidung abhängen. Leben oder Tod, Hoffnung oder Verzweiflung, Sieg oder Niederlage sind auf fatale Weise mit den Entscheidungen verbunden, die in diesen Momenten fallen. Solche Momente dürfen weder dem Zufall noch dem Glück überlassen werden - Momente, in denen ein Mensch sich das Recht verdient, zu leben oder zu sterben." (S. 332, 1. Absatz) 

Eine Dystopie so intensiv wie überraschend. Gut und flüssig umschrieben, mit vielen angeschnittenen Themen, die nicht alle aufgeklärt werden, den Leser deswegen aber nicht enttäuschen. Dennoch sollte nicht aus den Augen verloren werden, das es recht brutal zugeht und auch die Beschreibungen manch einer Situation nicht beschönigt wird und bildliche Darstellungen schnell in den Kopf schleichen.

Ein Buch mit einem Ende, das niemanden kalt lassen kann und die wahre Bedeutung von Familie offenbart. 
Mit der Hoffnung auf eine Fortsetzung, die das selbe Level erreicht und nicht nur den Leser der Wahrheit über alle Ereignisse näher bringt.



Das Cover:
Mir gefällt das Cover sehr gut, denn auch wenn man meint schon einiges erkennen zu können, zeigt es nur einen Hauch dessen, was einen erwartet. Zum Thema passt es alle mal.

Der Autor:
Jonathan Maberry (geboren 1958) hat nach einer beachtlichen Karriere als Jiujitsu-Kämpfer eine Reihe von übernatürlichen Horror-Romanen verfasst, ist New-York-Times-Bestseller-Autor und wurde mehrfach mit dem Bram-Stoker-Award ausgezeichnet. Er verfasst Graphic Novels für Marvel Comics und Drehbücher für Spielfilme wie "Wolfman".
Mit „Lost Land – Die erste Nacht“ startet er eine post-apokalyptische Serie für Jugendliche.
Jonathan Maberry lebt in Warrington, Kentucky.

Weitere Bücher:
  • Der Aufbruch (Lost Land : 2) (2013)
  • Patient Null (2010)

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

5 Empfehlungen:
 



1 Kommentar:

  1. "Lost Land: Die erste Nacht" ist wirklich ein absolut geniales Buch. Der zweite Teil ist auch wirklich gut und das Ende hat mir schier einen Nervenzusammenbruch beschert :(. Ich warte nun sehnsüchtig auf Teil drei!

    LG
    Kathi

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