Freitag, 21. März 2014

[Rezi] #15/14 - Die Farbe der Nacht

Autor: Madison Smartt Bell
Titel: Die Farbe der Nacht
Originaltitel: The Color of Night
Genre: Roman
Verlag: liebeskind (München)
Erschienen: 02/2013
Seiten: 237 S.
ISBN: 978-3-95438-005-3
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"Wie mein Herz frohlockte, als die Türme einstürzten"
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Mae lebt in einem Wohnwagen in der Wüste Nevadas. Tagsüber arbeitet sie in einem nahe gelegenen Casino, nachts schleicht sie mit einem Gewehr durch die dunkle Wüste und zielt auf wehrlose Tiere. Eines Tages wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert: Einer Zeit in der Drogen und Gewalt an oberster Stelle standen. Nur sie und ihre damalige Liebe entkamen ihrer gerechten Strafe. Als die beiden wieder aufeinander treffen, kann sich niemand dem Sog der Vergangenheit verwehren...

Rezension/Meinung:
Schon sehr früh stand „Die Farbe der Nacht“ auf meiner Wunschliste, denn der Klappentext gefiel mir gleich. Das Thema 9/11 war hier nicht allein ausschlaggebend, aber diese Erlebnisse finde ich immer sehr interessant und die Beschreibung klang sehr angenehm.

Das Buch aber ist eine ganz andere Mischung, als die, die ich erwartet habe. Sie ist viel intensiver, gleichzeitig aber auch ein kleines chaotisches Universum, das sich immer wieder um einen Planeten dreht. Aber nicht wie gedacht um die Erzählerin Mae. Auch wenn ihr viel passiert, liegt ihr eigener Focus doch auf Laurel, die mit ihr eine schlimme Zeit durchgemacht hat.
Kennen gelernt haben sich die beiden in einer Kommune, in der es eigentlich nur darum ging so high wie möglich zu sein und Sex mit den verschiedensten Leuten zu haben. Gegenüber dem, zu was sich diese Menschgruppe später entwickelt, klingt dieses Gebaren noch recht harmlos.
Denn Drogen und ein einflussreicher Sektenanführer, verwischen Realität und Traum und schon bald ist Mord an der Tagesordnung der Gemeinschaft. Niemand aber scheint aus diesem Sumpf entkommen zu können. Erst als die Polizei auf die Gruppe aufmerksam wird und Ermittlungen anstellt kommen zumindest Mae und Laurel ungeschoren davon.
Getrennt voneinander beginnen sie neue Leben, erwecken neue Identitäten.
Erst Jahrzehnte später, am 11. September 2001, entdeckt Mae ihre geliebte Laurel wieder. Ein Video-ausschnitt zeigt sie sitzend zwischen Staub und Trümmern der eingestürzten Türme. Mae macht sich auf die Suche nach Laurel und lässt sich von der Vergangenheit einholen. Doch wie soll sie der Frau gegenübertreten, die sie eines Tages einfach so aus den Augen verlor, sich von ihr abwandte? Die ihr zeigte, dass es mehr gibt als eine schlechte Familie und mehr Liebe als die von einem Bruder der einen jahrelang vergewaltigte?
Hin und her gerissen kann Mae ihre Sehnsucht doch nicht ignorieren und zieht damit nicht nur die Aufmerksamkeit Laurels auf sich, denn auch nach Jahren gibt es noch immer Leute, die ihnen auf den Fersen sind..
„Die Farbe der Nacht“ zieht den Leser in einen Bann, der einen nicht loslässt. Gleichzeitig fühlt man sich von einigen Beschreibungen des Autors abgestoßen und fasziniert.
Wer aber hofft, dass dies eine Geschichte ist, die sich leicht lesen lässt, wird sich dem Schreibstil gegenüber erst einmal öffnen müssen, denn so chaotisch wie das Leben für Mae in der Kommune war, so chaotisch wirkt auch die Erzählung.
Eine längere Fokussierung auf einen Bereich der Geschichte wird man nicht finden, denn immer wieder schweift sie zu anderen Themen ab.
Wer sich darauf einlassen kann, wird sich einem Roman gegenüber sehen, der nachdenklich macht, abschreckt und doch Mitgefühl in einem weckt.
Madison Smartt Bell legt eine Geschichte dar, die man nicht alle Tage liest. Durch die schnellen, vielleicht manchmal trotz Kapitelwechsel zu schnellen Ansichtswechsel, liest man Seite um Seite wie in einem Rausch.
Manchmal fühlt man sich orientierungslos, kann aber dennoch alles miteinander in Verbindung setzen und tief in sich aufnehmen.
Ein Roman voller Leben, Hass, Gewalt – abgründig, intensiv und einem Hauch Geschichte, die uns alle trifft.
Ohne Beschönigungen, mit wirren Momenten, aber so gut dargestellt, dass man sich nicht in der Wüste der Nacht verlieren kann.
Das Cover:
Das Cover besticht durch seine Schlichtheit. Die Flugzeuge sind aus den verschiedensten Blickwinkeln sichtbar und dies wird in der Geschichte durch den Erzählstil fortgeführt.
Der Autor:
Madison Smartt Bell wurde 1957 in Nashville, Tennessee geboren. Er studierte Literaturwissenschaften in Princeton und lebte danach als freier Autor einige Jahre in London und New York. Er lehrte Kreatives Schreiben an verschiedenen amerikanischen Universitäten, u.a. am renommierten Iowa Writers' Workshop und der Johns Hopkins University, zurzeit ist er Professor für Englische Literatur am Goucher College in Virginia. Er lebt in Baltimore.
Weitere Bücher:
(keine weiteren aktuellen Veröffentlichungen)

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.


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