Donnerstag, 20. Februar 2014

[Rezi] #9/14 - Zu zweit tut das Herz nur halb so weh

Autor: Julie Kibler
Titel: Zu zweit tut das Herz nur halb so weh
Originaltitel: Calling me home
Genre: Roman
Verlag: Pendo (München)
 Erschienen: 08/2013 (HC)
 Seiten: 320 S.
ISBN: 978-3-86612-325-0

"Als Dorrie und ich uns vor ungefähr zehn Jahren kennenlernten, war ich nicht gerade freundlich zu ihr."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Herangewachsen in den Zeiten in denen farbige Frauen nur als Hausmädchen dienten und eine Liebe zu diesen Menschen nicht gut genannt wurde, lebt die ältliche Isabelle, Tochter aus angesehenem Haus, heute alleine und teilt ihre Stunden überwiegend mit ihrer Friseurin Dorrie. Die beiden verbindet aber nicht nur die Arbeit, denn beide empfinden trotz aller Widrigkeiten eine tiefe Zuneigung zueinander. Dorrie begleitet die Dame auf eine Reise in die Vergangenheit, die ein großes Abenteuer bedeutet und die unglaubliche Macht der Liebe beschreibt.

Rezension/Meinung:
Schon der Titel des Buches konnte mich auf sich aufmerksam machen und so war es kein Wunder, dass mich auch die Geschichte ohne große Umschweife bannen und festhalten konnte.
Die Geschichte ist oft ähnlich erzählt worden, daher nicht allzu unbekannt, aber die Autorin hat mit ihren Worten noch einmal eine Tiefe geschaffen, die einen die ganzen Seiten des Buches über mitfiebern und mitfühlen lässt, was die Protagonisten ertragen mussten.

Dorrie ist eine farbige Friseurin, die auch in den heutigen Zeiten noch oft mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Schief von der Seite angeguckt, wird sie oft keines zweiten Blickes gewürdigt und bekommt sogleich einen negativen Stempel aufgedrückt. Nur selten verirren sich „Weiße“ in ihren eigenen kleinen Laden und bewundern ihre Kunst mit Haaren zu arbeiten. Doch all dies lässt sie nicht unterkriegen und sie ist zu jedermann freundlich.
Im Privaten aber läuft nicht alles so rund: Ihren neuen Partner liebt sie, aber es ist schwer ihm dies zu zeigen, denn bisher hatte sie kein glückliches Händchen in Sachen Beziehung. Auch ihr Sohn scheint aktuell von einer Katastrophe in die nächste zu rutschen.
Da ist Dorrie ganz froh, als ihre jahrelange Kundin Isabelle sie auswählt um mit dem Auto durch das Land zu reisen, um sich der Vergangenheit zu stellen. Isabelle ist aber nicht nur eine Stammkundin für Dorrie. Beide kennen sich schon Jahre und haben eine besondere Beziehung zueinander entwickelt. So machen sich die weiße Dame, aus gutem Haus, und die farbige Frau daran in den nächsten Bundesstaat zu reisen.
Was genau Dorrie da erwartet, weiß sie nicht, denn Isabelle redet anfangs nicht viel. Mit den Stunden im Auto aber wird sie redseliger und berichtet von ihrem Leben in ihrer alten Heimat.
In den 1930ern wuchs sie gut situiert auf, genoss das Leben und freundete sich mit der Tochter des farbigen Hausmädchens an. Diese Freundschaft aber war nur geduldet, da die beiden immer gemeinsam ihre Zeit im Haus verbrachten. In dem kleinen Ort wurden „Schwarze“ nur als Dienstboten angesehen und schon das Ortseingangsschild zwang die Farbigen in der Nacht aus dem Ort. Isabelle aber lies sich von solchen Vorurteilen nicht beeinflussen und als sie auf den dunkelhäutigen Robert trifft, ist es um sie geschehen. Sie verliebt sich Hals über Kopf, auch wenn dies verboten ist und begibt sich in ein gefährliches Abenteuer. Ein Abenteuer und eine Liebe die keine Chance haben und schneller unterbunden werden, als beide schauen können.
Doch die Liebe ist oft stärker als alles andere und überdauert Jahre.
Während Dorrie den Worten Isabelles lauscht und das Ziel der Reise kaum erwarten kann, muss sie selbst ihre Familie von weit weg bändigen und vor Fehlern bewahren. Gemeinsam versuchen die beiden Frauen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft abzuschließen,neu zu gestalten und erkennen, dass das Leben voller Überraschungen ist…

Julie Kibler hat mit „Zu zweit tut das Herz nur halb so weh“ eine wunderschöne Geschichte verfasst, die zwar auf den ersten Blick nicht besonders wirkt, aber eine intensive Verbindung offenbart, die einem unter die Haut geht. Die Autorin hat keine hochtrabenden Worte benutzt, sondern schreibt diese Geschichte in einfachen Worten. Doch gerade diese einfachen Worte bringen die Geschichte dem Leser so nah.
Die beiden reisenden Hauptprotagonistinnen sind einem sogleich sympathisch und es ist angenehm sie auf ihrer Reise zu begleiten.

Wie schon zuvor angerissen, ist die Geschichte einer Liebe zwischen einer Weißen und einem Farbigen nicht das neuste Thema und hat nicht nur in vielen Büchern, sondern auch in einigen Filmen ihren Platz gefunden. Dieses Buch aber zeigt mir noch einmal eine andere Seite und gefällt daher so gut. Nicht nur das sich die weiße junge Frau gegen alle widrigen Umstände setzt und ihre Liebe klar zeigt, auch kann man hier aus der Sicht einer ebendieser damals so diskriminierten Menschen erfahren, was für Probleme sich in ihrem Leben abspielen. Probleme die jederzeit und jedermann ebenso geschehen können.

Es galt die Hoffnung, dass nach Beendigung der Sklaverei endlich klar würde, dass Mensch Mensch ist, aber noch Jahrzehnte danach wurden Farbige nur auf niedrigere Stellen gesetzt - wenn sie denn überhaupt die Chance bekamen zu zeigen wer sie wirklich sind.
Ein bedauerlicher Teil unserer Weltgeschichte, der hier noch einmal aufgegriffen und intensiv wiedergegeben wird.

Ich war überrascht und berührt infolge der tiefen Liebe, die Isabelle für Robert empfand und die sie alles andere vergessen lies. Hier kommt man nicht umhin diese junge Frau zu bewundern und alles Glück der Welt zu wünschen, auch wenn man das Ende kennt.

Die Sprünge zwischen den Zeiten und Erzählabschnitten haben mir sehr gut gefallen. Denn hier wird sich nicht nur auf eine Geschichte fixiert. Parallelen aus Vergangenheit und Gegenwart werden gezogen und aufgezeigt. Die Wechsel geschehen immer passend und nehmen so nicht zu viel von einem Teil der Geschichte vorweg.
Worte fließen in einem sanften, oft beruhigenden Ton von Seite zu Seite, sodass man kaum das Gefühl auf Aufregung und Hektik bekommt, auch wenn sich gerade alles überschlägt.

Gleichzeitig erinnert das Buch an einen besonderen Road Trip, der unter die Haut geht und den Leser nicht so schnell loslässt.
Sicherlich ist dies keine Geschichte für seichte Gemüter, denn nicht nur einmal gibt es Wendungen, die bedrückend, aufregend und traurig zugleich sind.
Ein Zeitzeugnis, das alle Mauern niederreißt; sich intensiv in die Herzen stielt und den Leser nahe der Verzweiflung wieder tief einatmen lässt.
Voller Gefühle, Hoffnung, Liebe und einem ganz besonderen Abschied…

Ein Buch, das man nicht ohne weiteres lesen kann, für das man sich zeit nehmen sollte und welches sich sanft im Inneren ausbreitet um einen komplett einzunehmen.


Cover:
Dieses Cover passt gut zu der Geschichte und besticht durch die sanften Blautöne. Der Regen symbolisiert für mich, in Verbindung mit dem Titel, dass es kein leichte Geschichte ist - was sich nach dem Lesen klar bestätigt.

Die Autorin:
Julie Kibler wurde in Kentucky geboren und lebt heute in Texas, wo sie als freie Autorin arbeitet. »Zu zweit tut das Herz nur halb so weh« ist ihr erster Roman, der international großes Aufsehen erregte und noch vor Erscheinen in zwölf Länder verkauft wurde. 

Weitere Bücher:
(bisher keine weiteren Veröffentlichungen)

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.


Passende Empfehlungen:



Kommentare:

  1. Huhu,
    sehr schöne Rezi ♥
    das Buch liegt auch auf meinem SUB und ich glaube jetzt wage ich mich auch etwas eher daran nach deiner super Meinung dazu :)

    LG ♥

    AntwortenLöschen
  2. Dieses Buch musste ich unbedingt haben und nun liegt es schon eine Weile auf dem SUB...:(
    Liebe Grüße
    Martina

    AntwortenLöschen
  3. Dieses Buch liegt NOCH NICHT auf meinem SuB. Aber bald!! ;-D

    AntwortenLöschen

I LOVE comments :)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...