Montag, 17. Februar 2014

[Rezi] #8/14 - Remember

Autor: Roland Jungbluth
Titel: Remember
Genre: Jugendthriller
Verlag: Arena (Würzburg)
 Erschienen: 08/2012
 Seiten: 384 S.
ISBN: 978-3-401-06757-5

"Das bin ich, dachte Annabel und neigte den Kopf zur Seite."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Annabel, George, Michael und Eric erwachen eines Morgens an einem ihnen völlig unbekannten Ort. Bisher hatten die vier auch nie wirklich etwas miteinander zu tun. Einzig das sie alle die selbe Schule besuchen stimmt überein. Keiner kann sich erinnern wie sie in die Anstalt gekommen sind, die nun ihr Zuhause sein soll und auch die angeblichen Eltern werden nicht wiedererkannt. Was für ein Spiel wird in den alten Gemäuern gespielt? Und was verbindet die vier miteinander?

Rezension/Meinung:
„Remember“ kaufte ich mir direkt nach Erscheinen, da mir der Klappentext so zusagte. Bis dato bin ich nicht dazu gekommen es zu lesen. Nun aber konnte ich mich davon überzeugen, dass dies ein Buch ist, das einen in einen Sog zieht und erst wieder an die Oberfläche lässt, wenn man schon fast nicht mehr damit rechnet. 

Auf Annabel sind die ersten Blicke des Lesers gerichtet und sogleich spürt man die Angst, Fragen und wirren Gefühle in einem aufsteigen. Die Protagonistin wacht an einem Ort auf, der ihr überhaupt nichts sagt. Weder weiß sie wie sie in den kahlen Raum gekommen ist, noch hat sie ihn je zuvor gesehen. Ängstlich macht sie sich auf den Weg um ihre Umgebung zu erkunden und landet in einem großen Raum, einer Art Speisesaal. Auf dem Weg begegnen ihr Menschen die verrückt und krank erscheinen, ganz anders als sie selbst. In dem Raum trifft sie auf drei Jungs von ihrer Schule. Bisher hat sie nie viel mit ihnen zu tun gehabt, ist ihnen nur ab und an auf dem Schulhof begegnet. Sympathisch ist ihr dann auch nur Eric, der schwul und schwarz, immer das perfekte Mobbingopfer für andere Schüler war. Michael findet sie alles andere als nett, denn sie weiß von ihm nur, dass er sehr oberflächlich und ziemlich eingebildet ist. Georg sagt kaum ein Wort zu ihr und wirkt sehr abweisend. 
Die vier sprechen miteinander und stellen fest, dass es ihnen gleich geht: auch sie haben keinerlei Erinnerungen wie sie an diesen Ort, mit der grauen Einheitskleidung und verschlossenen Türen, gekommen sind. Doch bleibt es nicht dabei. Schon am nächsten Tag sollen die jungen Erwachsenen ihre Eltern wieder sehen und ihre erste Therapiesitzung erhalten. Beides aber gerät aus den Fugen, denn die Menschen, die ihnen im Besucherraum begegnen sind ihnen unbekannt. Dabei sollen es doch ihre Eltern sein! Warum erinnern sich die vier nicht an die wichtigsten Menschen in ihrem Leben? 
Annabel sieht plötzlich überall Zeichen. Nicht nur dass sie auf Fotos des Leiters der Anstalt bekannte Gesichter erkennt, auch Briefe mit kryptischen Rätseln erreichen sie. Gemeinsam mit den drei Mitbewohnern verfolgt sie die Spuren, die sie nicht nur aus der Anstalt fliehen lassen, sondern sich ihren größten Ängsten stellen lassen. 
Neben der spannenden Geschichte um die Suche nach der Vergangenheit und der Wahrheit, wird man regelmäßig aus der laufenden Geschichte geholt und liest Teile eines Interviews. Was zuerst noch etwas schwammig wirkt und keinerlei Verbindung zur Geschichte zu haben scheint, wird von Mal zu Mal deutlicher und im Fortlauf der Geschichte kann man die Verbindungen ziehen. 
Die Geschichte die hinter den Erlebnissen der vier Protagonisten steckt ist eine technologische Weiterentwicklung, die mir gut gefallen hat. Denn in „Remember“ hat der Mensch die Chance sich in eine Art Tank zu legen um so in ein komplett anderes Leben oder Abenteuer zu tauchen. Es klingt fast als könnte man seine eigenen Träume verwirklichen lassen. 
Während die vier Figuren im Spiel weiter fast willkürlich gesetzt werden, kommt der Leser einer Wahrheit näher, die die ganze Zukunft verändern könnte... 

Gespannt war ich schon von Seite eins an, denn es ist schwer sich bei den Worten über Annabel nicht in sie hineinzuversetzen und mit ihr mitzufiebern. Unsicherheit und Angst sind spürbar und lassen auch nicht nach, als sie nicht mehr als alleinige Hauptfigur dasteht. 
Der Schreibstil ist flüssig und intensiv, manchmal aber auch etwas undurchdringlich. 
Besonders die Szenen des Interviews sind gut herausgearbeitet, denn man kommt immer wieder zu den Fragen, was nun wohl wirklich hinter allem steckt. Auch das einfügen der Interviewsequenzen hat der Autor geschickt angestellt, denn meist hat er dies an Stellen gemacht, wo es in der Hauptstory gerade richtig spannend wird. Um aber nicht zu viel von den wirklichen Erlebnissen zu verraten, hat er sich diesem Element auch nicht zu oft bedient. 
Teile der Beschreibungen der Art von Experiment haben mich an „Fringe“ erinnert, denn in der paranormalen Serie konnte man die Idee mit dem Tank ähnlich verfolgen. 
Ob dies nun ausschlaggebend für die Geschichte des Autors war bleibt offen, aber sollte er sich hier bei der Serie Inspirationen geholt haben, finde ich dies nicht schlimm. Zudem ist dies im Buch viel weiter ausgereift und tiefgehender dokumentiert. 

Die einzelnen Charaktere sind ebenfalls gut beschrieben und individuell. Jeder einzelnen ist alles andere als durchschaubar.
Andauernd hat man das Gefühl nicht annähernd zu wissen, was wirklich in dieser Erzählung passiert und daher kommt man nicht umhin das Buch komplett zu lesen. Insbesondere stocken lies mich immer wieder, dass sich die beiden Geschichtselemente in zwei verschiedenen Zeitzonen bewegte – was ich aber als positiv empfand und was mich auch immer wieder dazu brachte Seite um Seite zu verschlingen. 

Das Ende nach Abschluss der Interviewszenen war mir dann leider etwas zu langwierig und undurchsichtig. An sich konnte man sich diesen Teil denken und wollte nur noch kurz wissen, wer die vier wirklich sind und wie sie nach all den Ereignissen zueinander stehen. Eine kleine Gefühlsduselei, die okay ist, aber ohne die das Buch wahrscheinlich auch ausgekommen wäre. Hier wurde für meinen Geschmack etwas zu viel preis gegeben. 

Dennoch ist es eine gelungene Geschichte, die gar nicht so unmöglich und unvorstellbar scheint und deren Grundzüge und Ideen sicherlich bei dem ein oder anderen auf großes Interesse stoßen. 
In einer Welt in der so viel möglich scheint, kann dies in einigen Jahren fast nicht mehr unmöglich sein. 
 Spannend, anders, mit abwechslungsreichen Charakteren und einem interessanten Versuch sich zukünftigen Technologien zu widmen – ein Buch bei dem sicherlich keine Langeweile aufkommt. 


Das Cover:
Dieses Cover war eines der wenigen, dass mich dazu gebracht hat in der Masse an Jugendbücher genau zu diesem zu greifen. Genau wie die Story übt es einen gewissen Sog auf einen aus und dadurch das es eben nicht einheitlich gemustert ist, sondern leicht schief wirkt, die Blicke auf sich zieht. Auch das grüne Auge wirkt erst völlig fehl am Platz, macht aber alles interessanter.

Der Autor:
Roland Jungbluth wurde 1970 geboren und absolvierte nach dem Abitur erfolgreich ein Studium der Kunstgeschichte. Nach diversen Tätigkeiten und ausgestattet mit den rudimentären Schreibkenntnissen eines ehemaligen Cartoonisten betritt er mit seinem Debütroman die Welt der Schriftstellerei.

Weitere Titel:
(bisher keine weiteren "schriftlichen" Veröffentlichungen)

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.


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