Freitag, 7. Februar 2014

[Rezi] #6/14 - Silo

Autor: Hugh Howey
Titel: Silo
Originaltitel: Wool
Genre: Roman
Verlag: Piper (München)
 Erschienen: 03/2013 (HC)
 Seiten: 544 S.
ISBN: 978-3-492-05585-7

"Die Kinder spielten, als Holston in den Tod hinaufstieg."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Tief in der Erde leben die Menschen in einem Silo ein Leben voller Vorgaben, Regeln und einem bestimmten Miteinander. Die Außenwelt betritt nur derjenige, der sich freiwillig meldet oder der dazu verurteilt wird. Doch wer einmal hinausgeht, kommt nicht wieder zurück. 
Nur das Silo scheint sicher, denn die Außenluft hält einen nicht lange am Leben. Aber stimmen all die Dinge wirklich, die die Siloleitung propagiert? Oder gibt es doch eine Möglichkeit das Leben neu zu gestalten? 

Rezension/Meinung:
Mit „Silo“ trifft man auf eine Geschichte, die zwar sehr dystopisch klingt, die aber dennoch so klar strukturiert ist, dass man sie fast glauben kann. 

Silos die einst überirdisch waren und dazu dienten z.B. Körner trocken zu lagern, sind vor Jahrzehnten in die tiefen der Erde versetzt und so umgebaut worden, dass sie mehreren hundert Menschen als Behausung dienen. Warum genau es unmöglich ist die Außenwelt zu betreten, ist keinem Bewohner so wirklich klar, aber die Regeln besagen es. Wer es in der Enge nicht mehr aushält, kann sich freiwillig zum Putzdienst anmelden, bekommt einen Schutzanzug und darf die Aussichtsfenster reinigen. Gleichzeitig aber weiß derjenige auch, dass er dies nicht lange überleben wird. Tote Körper, die noch nicht eins mit der Natur geworden sind säumen die Aussicht. Jeder ein Zeugnis dafür, dass ein Leben draußen nicht möglich ist. 
Das so hart bestimmte Leben im Silo ist eingeschränkt. Frauen bekommen Implantate, damit nicht unkontrolliert Kinder gebärt werden. Um überhaupt die Chance auf Familienzuwachs zu bekommen, muss in einer jährlichen Lotterie gewonnen werden: ein Spiel um das Leben. 
Auch Holston, der Sheriff des Silo, hatte diese Chance drei Jahre zuvor. Wer aber in der Lotterie gewinnt, bekommt noch lange kein Kind. Ein Umstand, den seine Frau nicht verkraftete und in ein tiefes Loch warf. Um sich abzulenken recherchierte sie in der Vergangenheit und stieß auf Dinge, die ihre Sicht auf die Dinge änderten. Ihr Weg führte sie nach draußen, wo Holsten sie seit Jahren auf der Kuppe eines Hügels liegen sehen kann. 
Nun ist der Tag gekommen, an dem er seiner Frau folgen will. Dies aber gestaltet sich plötzlich ganz anders als gedacht und nicht nur er muss schnell begreifen, dass die Wahrheiten des Silos nicht die Wahrheiten der Welt sind. 
Die Mechanikerin Judith wird als seine Nachfolgerin eingestellt, ihre Neugier aber macht sie schnell zur Zielscheibe. Denn auch sie glaubt nicht alles, was die Leitung des Silos preisgibt und forscht weiter nach. Das um sie herum plötzlich alle Menschen, die auf ihrer Seite stehen, sterben müssen, lassen ihre Zweifel immer mehr ansteigen. 
Sind die wirklich alleine auf der Welt? Gibt es keine anderen Überlebenden? Ist das Leben in der Außenwelt wirklich so gefährlich? Fragen um Fragen stellt sich Judith, trifft auf überraschende Antworten und sieht nur einen Ausweg. Ein Ausweg, der ihr das ganze Ausmaß der Lügen offenbart und sie so zu einer gefährlichen Gegnerin macht. 
Während sie der Wahrheit und dem Leben auf der Spur ist, bricht im Silo eine Welle der Gegenwehr aus und die Gesellschaft des Ortes scheint zusammen zu brechen…

„Silo“ konnte mich von Satz eins an fesseln und begeistern. Anfangs ist man etwas verwirrt und kann sich die Umstände in denen die Silobewohner leben kaum vorstellen. Howey aber umschreibt alles klar und macht einem durch seine Worte alles deutlich und gut vorstellbar. Es scheint fast als könnte man sich diese Umgebung bildlich vorstellen. 
Lange fragt man sich, wie es zu diesen Lebensumständen gekommen ist. Dies scheint aber nicht die zentrale Frage, denn auch der Autor widmet sich dieser Beantwortung nur am Rande. 
Hauptsächlich geht es um die Fragen, ob wirklich alles stimmt, was den Bewohner eingetrichtert wurde: Das sie alleine auf der Welt sind, dass sie das Überleben sichern müssen und dass ein Leben in der Außenwelt nicht möglich ist. 
Dies versuchen einige der Bewohner herauszufinden und es wird schnell klar, dass diese Fragen zu viel sind. Denn die die wissen, was Wahrheit und Lüge ist, wollen nicht, dass irgendwer anderes mehr erfährt – und verhindern dies mit allen Mitteln. 

Beunruhigt und fasziniert zugleich, verfolgt man die Worte und Geschehnisse und spürt die Spannung förmlich über die Seiten nach oben schwappen. 
Immer wieder will man in die Geschichte eingreifen, aber ebenfalls selbst wissen, was passiert ist und wie sich das Leben an so einem Ort organisieren lässt. 

Wer Spannung wünscht, wird diese hier ganz klar finden. Und auch Verschwörungsliebhaber werden hier genauso wenig enttäuscht, wie Leser, die Dystopien verschlingen. 

Wort um Wort entspinnt sich eine Geschichte voller Lügen, Fragen und beunruhigenden Antworten. Hier wird kein Herz im Gleichtakt schlagen. 
„Silo“ fesselt den Leser an das Buch und beschreibt eine Welt, die wir uns so nicht vorstellen möchten, die aber, durch unseren Lebensstil bedacht, einst ähnliche Züge annehmen könnte. 
Zu hoffen bleibt nur, dass wir dann die Fehler aus den Geschichten überspringen. 

Der Schreibstil ist mitreißend und klar. Trotz all der Szenenwechsel und Änderungen der Blickwinkel, kommt man nur selten bis gar nicht durcheinander und kann Menschen, sowie Situationen, gut zuordnen. 
Sicherlich bleiben am Ende noch einige Fragen offen, wobei ich mir denke, dass genau diese Fragen auch in der Realität nicht geklärt werden könnten, wenn es keine Menschen mehr gäbe, die zu der Zeit lebten, in der das Leben sich so radikal veränderte. 
Daher ende ich mit der Geschichte im Einklang und finde die letzten Worte passend. 

Eine spannende Dystopie - intensiv und realitätsnah – die man trotz der vielen Seiten verschlingt und die einen auch nach Beendigung der Lektüre noch lange nicht loslässt. 




Das Cover:
Das Cover sticht nicht besonders hervor, da es eben wie der Titel nur das Silo von innen zeigt. Dennoch erzeugt gerade diese Einfachheit einen Sog, der neugierig macht.

Der Autor:
Hugh Howey, Jahrgang 1975, verdiente sein Geld als Skipper, Bootsbauer, Dachdecker und Buchhändler, bevor er als Romanautor erfolgreich wurde. Mit seinem großen Endzeitthriller SILO, der als Erzählung angelegt war und so überwältigend viele Leser fand, dass schließlich ein Roman daraus wurde, gelang ihm der internationale Durchbruch. Hugh Howey lebt mit seiner Frau in Jupiter, Florida. 

Weitere Bücher:
(bisher keine weiteren deutschen Veröffentlichungen)

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.


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Kommentare:

  1. Wenn ich so deine Rezension lese, bekomme ich Lust darauf, Silo noch einmal zu lesen. Ein tolles Buch wirklich! Und eine tolle Rezension ;)

    Alles Liebe, Chimiko

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  2. Hallöchen,
    schöner Blog und tolle Rezi! Da musste ich doch gleich mal Leserin bei dir werden! Wenn du möchtest kannst du ja gerne mal bei mir vorbeischauen: http://garfieldsbuecherecke.blogspot.co.at/ Würde mich sehr freuen!!
    LG Cornelia

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  3. Huhu,
    ich freue mich total, dass ich "Silo" noch vor mir habe und es in meinem Regal steht! Sehr schöne Rezi!

    Viele Grüße
    Kathi

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