Montag, 13. Januar 2014

[Rezi] #2/14 - Das Mädchen

Autor: Angelika Klüssendorf
Titel: Das Mädchen
Genre: Roman
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (Köln)
 Erschienen: 08/2011
 Seiten: 192 S.
ISBN: 978-3-462-04284-9

"Scheiße fliegt durch die Luft, streift die Äste einer Linde, trifft das Dach eines vorbeifahrenden Busses, landet auf dem Strohhut einer jungen Frau, klatscht auf den Bürgersteig."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Sie ist jung, muss sich um ihren Bruder kümmern und hat eine Mutter, die nur selten da ist. „Das Mädchen“ in dieser Geschichte will nur erwachsen werden und ihr Leben genießen, doch werden ihr immer wieder Steine in den Weg gelegt und das Leben scheint keine porisitven Seiten zu haben...

Rezension/Meinung:
Der Beginn von „Das Mädchen“ konnte mich überhaupt nicht erreichen und so war mir schnell danach, dieses dünne Heft wieder zur Seite zu legen. Aber gerade weil nur wenige Seiten auf mich warteten, nahm ich mich zusammen und folgte dem Wortfluss der Autorin.

In dieser kurzen Erzählung begegnet man einem „Mädchen“, das sich nicht nur um ihr eigenes Erwachsenwerden kümmern muss, sondern auch um das Leben ihres jüngeren Bruders. Der nämlich weiß noch nicht ansatzweise, was das Leben bereithält.

Der Einstieg gefiel mir nicht, da ich völlig orientierungslos in eine Geschichte geworfen wurde, die erst einmal keinen tieferen Sinn ergab. Wer tut was? Warum? Diese Fragen standen über meinem Kopf, ohne eine präzise Antwort zu erhalten. Dies legt sich mit Wechsel in das folgende Kapitel, denn als man von außen auf das Mädchen schaut, bekommt man zumindest ein annäherndes Gefühl für die Umstände.
Denn die sind alles andere als schön: Der Vater, der aber nicht der Vater ihres Bruders ist, ist noch nie in Erscheinung getreten. Die Mutter stürzt immer wieder aus der Wohnung, lässt die Kinder einfach alleine. Wenn sie mal wiederkommt, hat sie entweder einen neuen Mann dabei oder nur Schläge übrig. So ist es kein Wunder, dass das Mädchen irgendwann anfängt in Läden zu gehen und zu klauen. Alleingelassen muss sie sich durchkämpfen. Verängstigt ist sie neben der Angst des Alleinseins auch durch die Wut ihrer Mutter, die nicht nur sie und ihren Bruder misshandelt, sondern auch all ihre Brutalität an das Kind in ihrem Bauch wendet, dass sie loswerden will.
Gebannt und abgestoßen zugleich verfolgt man die Worte, fühlt den Schmerz und verachtet die Mutter immer mehr. Als der Vater des Mädchens doch endlich einen Platz in der Geschichte findet, scheint sich für sie alles zum besseren zu wenden. Sehnsucht aber hat nicht immer etwas mit Verstand zu tun und das Mädchen trifft Entscheidungen, die kaum nachvollziehbar sind.
Es scheint wie ein Leben voller Gewalt, Angst und Lügen, dass niemals ein stimmiges Ende haben kann…

„Das Mädchen“ zieht schnell an einem vorbei, wenn man sich nicht komplett auf die Geschichte konzentrieren kann. Ich habe immer wieder nach dem einen Punkt gesucht, der mich festhalten konnte, oder umstimmen; leider ohne Erfolg.
Die Wortwahl der Autorin ist berührend, aber auch abwertend zugleich. Selbst die Momente die schön erscheinen sollen, verlieren schnell ihre Freude und das Mädchen landet wieder im Dreck. Es wirkt als würde es für sie keinen Ausweg geben, bzw. sie nicht nach der Hand greifen die ihr helfen will.
Dadurch wirkt alles recht schwarzmalerisch und der positive Aspekt der Geschichte zerschlägt sich immer wieder.
Daher konnte mich auch das Ende nicht von etwas anderem überzeugen.

Das Buch ist ein kurzes Zeugnis, eines traurigen Lebens, dessen Höhen schnell wieder durch Tiefen abgelöst wird und mich daher nicht wirklich zufrieden zurück gelassen hat.
Es hat mich berührt und traurig gemacht, auch wenn ich es recht unstrukturiert fand.

Interessant fand ich die Idee, dem Mädchen keinen Namen, aber eine Stimme zu geben und ihr Worte und Dinge ohne Beschönigungen in den Mund zu legen.

Eine Geschichte, die man schnell durchliest, leider aber auch schnell wieder vergisst, da sie trotz ihrer Schwere nur kurzzeitig haften bleibt.


Das Cover:
Hier gibt es keine Schnörkel oder auffallende Schriftformationen. Schlicht und einfach blickt man in ein halbes Gesicht, das schon durch den Blick traurige Momente voraus ahnen lässt.

Die Autorin:
Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, lebte von 1961 bis zu ihrer Übersiedlung 1985 in Leipzig; heute lebt sie in Berlin. 

Weitere Bücher:
  • April (2014)
  • Amateure (2009)
  • Aus allen Himmeln (2004)
  • Alle leben so (2001)
  • ....


5 Empfehlungen:
 



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