Montag, 11. November 2013

[Rezi] Schattengrund

Autor: Elisabeth Herrmann
Titel: Schattengrund
Genre: Thriller
Verlag: cbt (München)
 Erscheinungsjahr: 2012 
 Seiten: 416 S.
ISBN: 978-3-570-16126-5

"Der erste Klang der Glocke erstarb." 
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Nico freut sich, als sie erfährt, dass sie das alte Haus ihrer Tante geerbt hat. Die Freude aber wehrt nicht lange, denn da sie noch nicht volljährig ist, können ihre Eltern über die Annahme des Erbes entscheiden. Als sie erfahren, dass Schattengrund in Nicos Besitz übergehen soll, lehnen sie ab. Doch Nico macht sich heimlich auf an den Ort, der ihre Kindheit bestimmt hat. Im Dorf angekommen, schlägt ihr gleich Ablehnung entgegen und sie kann sich dies nicht erklären. Nur Leon, ein Nachbar, scheint ihr gut gesinnt.
Sie will wissen was vor Jahren geschah – die Wahrheit aber beherbergt eine große Angst...

Rezension/Meinung:
Elisabeth Herrmann konnte mich schon mit „Lilienblut“ fesseln und auch wenn ich noch keinen der Thriller für Erwachsene gelesen habe, gefällt mir ihr Schreibstil bisher sehr gut.
Geheimnisvoll beschreibt sie Szenarien und Figuren so realitätsnah, dass man meint sie durch die Seiten zu spüren.

In „Schattengrund“ greift gleich von Anfang an eine mystische Stimmung um sich. Zwar beginnt alles recht harmlos und fast alltäglich, aber schon in diesen Worten versteckt sich etwas mehr, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Nicola ist 17 Jahre alt und verwundert, als sie erfahren muss, was ihre verstorbene Tante ihr hinterlassen hat: Neben scheinbarem Papiermüll nämlich auch einen alten Besen. Doch steckt hinter diesen Dingen eine tiefere Bedeutung, die sie auf „Schattengrund“ herausfinden soll um dieses Anwesen dann ihr eigen nennen zu können.
Nicos Eltern lehnen das Erbe direkt ab und es scheint als wäre das Erbe verloren. Dennoch macht sie sich heimlich auf und versucht sich auf Schattengrund an ihre Vergangenheit zu erinnern. Denn in ihrer Kindheit war sie oft an diesem Ort und hat schöne Stunden mit ihrer Tante verbracht.
Im Dorf angekommen trifft sie sogleich auf einen jungen Mann in ihrem Alter. Leon wohnt in dem Hotel des Ortes und lebt somit nicht weit von den alten Mauern Schattengrunds entfernt.
Die Nächte sind für Nico kalt, denn nur ein kleiner Ofen heizt das Haus; Handyempfang gibt es so gut wie gar nicht; nur die Katze spendet ihr Trost und Wärme, nach all der Abneigung.
So einfach nimmt die Hauptprotagonistin die Abneigung aber nicht hin. Sie macht sich daran und versucht die Wahrheit herauszufinden. Warum wendet sich jeder von ihr ab? Wer schleicht immer heimlich ums Haus? Nach und nach quellen Erinnerungen hinauf: Sie erinnert sich an Fili, mit der sie hier ihre Stunden geteilt hat. Ihre ehemalige beste Freundin, die eines Tages nur noch tot aufgefunden werden konnte. Nico war an diesem Tag mit ihr unterwegs doch sie hat keinerlei Erinnerung mehr an das Geschehen. Aber Nico, damals selbst noch ein Kind, kann doch keine Schuld treffen, oder?
Während sie beginnt die Nähe zu Leon immer mehr zu mögen und sich nach ihm zu sehnen, verschwinden immer öfters Sachen von ihr und jemand scheint es auf sie abgesehen zu haben. Gemeinsam machen Leon und Nico sich daran, dass Geheimnis um Fili zu lüften. Warum wollte sie damals nicht wieder nach Hause? Was hat ihr solche Angst eingejagt?
Auf der Suche nach der Wahrheit scheint jeder im Dorf zum Verdächtigen zu werden und die Wahrheit bringt Nico in große Gefahr…

Mit „Schattengrund“ konnte mich die Autorin sehr begeistern. Sie schafft es die Atmosphäre dunkel zu gestalten und so ist man gleich schon in der richtigen Stimmung, als man der Hauptprotagonistin in die tiefen von Schattengrund folgt.
Es hat mir sehr zugesagt, wie Elisabeth Herrmann es geschafft hat der anfangs schüchtern wirkenden Figur doch noch jede Menge Mut zuzuschreiben.

Da ich sehr gerne mysteriöse Bücher mag, bei denen man nicht alle Handlungen gleich nachvollziehen kann, fühlte ich mir hier sehr gut aufgehoben. Lange weiß man nicht, was man von dem Ort und der Abwehr der Familie gegen diesen halten soll.
Daher kann man sich gut in Nicos Willen dies alles aufzudecken hineinversetzen. Wer ebenso gerne Geheimnisse lüftet, findet hier seine Meisterin.
Zudem ist die Geschichte sehr spannend geschrieben und an einigen Stellen zuckt man wie die Protagonisten vor Überraschung, Angst oder Gänsehaut zusammen.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass in diese Geschichte nicht unbedingt eine Liebesgeschichte gehört hat, finde ich sie doch ganz angenehm und passend. Sie schafft es auch an einigen Stellen die Schärfe rauszunehmen. Dennoch finde ich durch dieses Einfügen alles in allem etwas überladen und hätte das Augenmerk wohl mehr auf die Dinge um Fili und ihr Verschwinden gelegt.
Mit all den Andeutungen ist die Geschichte schon sehr intensiv und dringt unablässig in das Gehirn und man kommt nicht umhin, Seite um Seite weiterzulesen, auch wenn man doch eigentlich eine Pause machen wollte.

Wer spannende Thriller mag, die einen Hauch Eigenleben entwickeln und einen dadurch fesseln, wird sich in „Schattengrund“ gut aufgehoben fühlen und den modrigen Duft von alten Höhlen und die kalte Luft von Schnee tief in die Lungen saugen.


Das Cover:
Dieses Cover vermittelt gleich schon den richtigen Eindruck mit einem kleinen Hauch Gruselfaktor. Gleichzeitig macht es sehr neugierig und man möchte doch wissen, was sich hinter den Mauern des alten Hauses verbirgt.

Die Autorin:
Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman "Das Kindermädchen" ihren Durchbruch erlebte. Elisabeth Herrmann erhielt den Radio-Bremen- Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin. 

Weitere Jugendbücher:
Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.



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