Dienstag, 24. September 2013

[Rezi] Amys Geheimnis

Autor: Deborah O´Brien
Titel: Amys Geheimnis
Originaltitel: Mr Chen´s Emporium
Genre: Roman
Verlag: List (Berlin)
 Erscheinungsjahr: 2013
 Seiten: 380 S.
ISBN: 978-3-548-61160-0

"Amy Duncan hatte gerade erst einmal die Hälfte ihrer Reise hinter sich und sehnte sich bereits nach Sydney und dem kühlen Lüftchen im Hafen."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Die junge Australierin Amy macht sich auf die Reise in das entfernte Millbrooke um dort ihrer Mutter bei Seite zu stehen. Diese ist kurz davor ein weiteres Kind zu gebären und kann dadurch nicht mehr schwer arbeiten. In Millbrooke trifft Amy auf Charles Chen, einen chinesischen Warenhausverkäufer und fühlt sich gleich von dem Fremden angezoegen. Ihr Vater verbietet ihr den Umgang mit Mr. Chen, doch Amy kann ihre Gefühle nicht im Zaum halten. 
Mehr als ein Jahrhundert später zieht Angie nach Millbrooke, sie findet Hinweis auf Amy und versucht ihre Geschichte aufzudecken. Angie verliert sich in der Vergangenheit, kann sich aber gleichzeitig ihren schmerzlichen Erinnerungen stellen. 

Rezension/Meinung:
„Amys Geheimnis“ ist eine wunderbare Geschichte über die Macht der Liebe, aber auch ein Zeitzeugnis, welches nicht beschönigt wie das Leben im 19. Jahrhundert, und insbesondere die Rassenfeindlichkeit, verliefen. 

Gleich zu Anfang sieht man sich Amy gegenüber, die sich während ihrer Reise nach Millbrooke in Tagträumen verliert. Lange hat sie bei ihrer Tante in Sydney gelebt und muss nun zu ihren Eltern und ihren Brüdern um dort ihre helfende Hand anzubieten. Es wird schnell klar, dass ihr Leben bis dato ziemlich anders verlaufen ist: in Sydney konnte die junge Frau ihr Leben in vollen Zügen auskosten, durfte lesen, singen und lachen. Dies wird ihr schon gleich bei der Ankunft in Millbrooke verboten. Ihr Vater, der Geistlicher ist, warnt sie sogleich vor den Damen „mit zweifelhaften Ruf“ und den Chinesen. Amy versteht seinen Unwillen gegenüber den Ausländern nicht und als sie zufällig im Warenhaus landet, wird sie dort nicht nur von den leuchtenden Stoffen und duftenden Tees verzaubert, sondern auch von Charles Chen, dem Besitzer des Ladens. 
Nicht lange danach erfährt sie, das Chen der Ziehsohn der Millers ist, deren Tochter sie in Französisch unterrichtet. Trotz aller Verbote und Widrigkeiten kommen sich Amy und Charles immer näher – bis es zum Eklat kommt. 
Mehr als ein Jahrhundert später zieht es Angie in das kleine Millbrooke. Diese Stadt soll sie vom Verlust ihres Mannes, der kurz zuvor gestorben ist, ablenken und ihr neue Lebensfreude schenken. Obwohl ihr alle vor dieser Flucht abraten, weiß sie das es der richtige Weg ist. Vor Ort trifft sie auf den Besitzer des Pfarrhauses, dass sie mieten möchte und muss sich an den verschrobenen Mann erst einmal gewöhnen. Schnell freundet sie sich mit den Einwohnern an und findet Freunde. Als sie eines Tages einen Koffer voller alter Dinge findet mit dem Foto einer jungen Frau, ist sie von der Geschichte fasziniert. Wer ist das junge Mädchen und was ist mit ihr passiert? Angie versucht Amys Geschichte aufzudecken und der Sog der Vergangenheit wird immer stärker. Doch gibt es noch mehr in Millbrooke zu entdecken. Plötzlich sieht sie sich einem jungen Mann gegenüber, der ihr zeigt, dass das Leben nicht vorbei ist, wenn der Partner stirbt und ihr ein Stück Lebensfreude wieder zurück gibt... 
Die beiden Geschichten verweben sich miteinander und eine Wahrheit kommt ans Licht, die im 19. Jahrhundert alles andere als gut geheißen wurde. 

Diese Geschichte hat ihren besonderen Charme, denn durch die abwechselnden Szenen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart und dies am selben Ort, wird es kaum langweilig. 
Die Autorin schafft es den Leser leicht an der Geschichte zu halten, denn wenn in der einen Zeit etwas spannendes und bedeutendes passiert, wechselt sie erst einmal in die andere Zeit. So kann man sich kaum von der Geschichte lösen und folgt den Worten neugierig. 
Beide Geschichten weißen größtenteils einen unterschiedlichen Schreibstil auf. Während der Beschreibungen des 19. Jahrhunderts, wirkt auch die Sprache leicht gestelzt, wobei die Worte in der Gegenwart auch mal flapsig rüberkommen. An wenigen Stellen überschneidet sich das, so dass man da ruhig drüber hinweg sehen kann. 
Der Schreibstil ist flüssig und die Geschehnisse werden gut beschrieben. 

Auch die Figuren erhalten überwiegend direkt die Sympathie des Lesers. Nur Wenigen gegenüber entwickelt man eine Abneigung. 
Zwar ist nicht jeder Protagonist bis ins Detail beschrieben, aber dies ist auch nicht bei jedem von Nöten. 

Mir hat besonders der Wechsel zwischen „Damals“ und „Heute“ gefallen. Beide Storys entwickeln ihren eigenen Charme und nehmen einen gefangen. 
Schade fand ich nur, dass am Ende nicht alles aufgedeckt wird, was mit Amy passiert ist. Hier hätte ich mir gewünscht, dass auch diese Geschichte einen richtigen Abschluss gefunden hätte bzw. irgendwie die Verbindung zur Gegenwart hergestellt worden wäre. Da dies nicht geschehen ist, grübelt man schon eine Weile, ob es irgendwo in Millerbrock noch jemanden gibt, der mit Amy verwandt ist. 

Eine schöne und zugleich bedrückende Geschichte, die aufweist mit welchen Gegnern es Ausländer in der damaligen Zeit zu tun hatten und wie abweisend Menschen behandelt wurden, die sich ihnen angeschlossen haben. 
Eine Geschichte voller Emotionen, Sehnsucht und Mut, die beweist, dass nicht viel dazu gehört, einen Menschen so zu nehmen wie er ist – trotz aller Gegenwehr. 


Cover/Titel:
Dieses Buch weist ein wunderbares Cover auf, das so viele Einzelheiten beherbegt, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Am unteren Rand sieht man eine Frau mit einem Vogelkäfig, der im oberen Teil hervorgehoben wird und durch die Farben wirkt das ganze Cover schön romantisch schön. Der Titel ist dagegen sehr nüchtern und spiegelt das Hauptthema wieder, was auch neugierig macht.

Die Autorin:
Deborah O'Brien ist Lehrerin, Künstlerin und Autorin. Sie lebt in Sydney und auf dem Land, ist verheiratet und hat einen Sohn. 

Weitere Bücher: 
(bisher keine weiteren deutschen Veröffnetlichungen)

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

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