Dienstag, 13. August 2013

[Rezi] Auch die Liebe hat drei Seiten

Autor: Susann Rehlein
Titel: Auch die Liebe hat drei Seiten
Genre: Roman
Verlag: Ullstein (Berlin)
 Erscheinungsjahr: 2013
 Seiten: 304 S.
ISBN: 978-3-548-28488-0
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Persönliche Zusammenfassung
Lisbeths Leben lässt sich mit zwei Wörtern klar beschreiben: chaotisch und verwirrend. Denn in ihrem Leben läuft es alles andere als rund. Aufgewachsen in einem Zelt auf dem Hof ihrer Tante, mit dem Schaf Paul als besten Freund, kann Tante Ruth die zählwütige Lisbeth nicht mehr vor dem Leben bewahren und schickt sie nach Berlin Kreuzberg. Dort muss sich die junge Frau ganz neu erfinden. Schon bald trifft sie auf den gebürtigen Kreuzberger Tattoo-Paul, der ihr das Leben leichter macht und zu einem echten Freund wird. Und dann steht plötzlich ihre erste Liebe wieder vor ihr und macht alle guten Vorsätze zunichte…

Rezension/Meinung:
Da dieser Titel schon auf meiner Wunschliste stand, war ich sehr erfreut dieses Buch bei vorablesen gewinnen zu können. Schon der Klappentext hat es mir sehr schmackhaft gemacht, denn dieser las sich wie eine interessante und lustige Inhaltsangabe.
Dennoch warne ich jeden Leser vor dem Aufschlagen des Buches: Um sich in Lisbeths Welt wohl zu fühlen, muss man selbst etwas chaotisch und (im positiven Sinne) verrückt sein. Sonst kann es schnell passieren, dass man von dem Hin und Her und teils nicht nachvollziehbaren Ausbrüchen der Hauptprotagonistin irgendwann genervt bzw. abgeneigt ist.
Mich konnte all das nicht schocken, denn gerade mir solchen individuellen Persönlichkeiten fühle ich mich in einem Buch immer sehr wohl - gerade das hineindenken macht es ja so ungewöhnlich. 
Und ungewöhnlich ist Lisbeth alle mal! Vom Zahlenfimmel der 23,7 Jahre jungen Protagonistin wird man schnell überzeugt, denn gerade am Anfang wird man mit diesem stark konfrontiert. Immer wieder muss man schmunzeln und als die Beschreibungen über Paul, dem Schaf, folgen, fühlt man sich richtig gut unterhalten und muss Lisbeth einfach mögen. 

Die Beschreibungen über ihr Leben bis zu Beginn der Geschichte sind rückblickend nicht alle fröhlich, denn auch wenn sie nie konkret beschreibt, was einst zu dem Bruch zwischen ihr und ihrer Mutter geführt hat, merkt man doch schnell, dass gerade dies zu dem Wandel ihrer Persönlichkeit mit beigetragen hat. Die Vergangenheit wird auch im Laufe der Geschichte immer wieder kurz miteinbezogen, bleibt dennoch immer etwa verhangen. 

Schnell aber vergisst man die leicht traurigen Elemente, denn Lisbeth wird von ihrer Tante Ruth einfach ins Leben geschubst. Diese hat ihr in Kreuzberg eine Wohnung beschafft, mit der Lisbeth total überfordert ist. Mit 93 Quadratmetern, kann sie sich nur für den kleinen Raum und den Balkon begeistern und lässt ihr „Hallenbad“ größtenteils unmöbliert. Die anfänglichen Bedenken verfliegen zwar nicht und ihr Zahlenfimmel nimmt immer größere Ausmaße an, aber immerhin schafft sie es sich aufzuraffen um der „Hölle“ einen Besuch abzustatten. Die Kneipe an Kreuzbergs Straße ist von allen möglichen Individuen besetzt und sogleich wird Lisbeth von einem tätowierten Mittfünfziger angesprochen. 
Der entpuppt sich als Paul, den Lisbeth bloß nicht mit ihrem Schaf verwechseln will und gibt ihm somit den Namen „Tattoo-Paul“. Auch wenn die beiden mehr als dreißig Jahre trennen, wird er zu ihrem Halt und erklärt ihr das Leben in Kreuzberg. Eine teils lustige und traurige Begegnung, die noch viele Höhen und Tiefen erleben wird. 
Eines Tages, als Lisbeth ihr Schaf und ihre Tante besucht, trifft sie auf Edgar, der ihr vor Jahren das Herz brach. Und nun will er ihr auch noch ihr altes Leben wegnehmen und in ihr Zelt ziehen. Lisbeth kommt damit nicht klar, verschwindet und verschmäht den Kontakt zu Ruth. Kurzerhand kümmert sich Tattoo-Paul um alles und bringt das Schaf Paul zu Lisbeth. Die aber hat wieder andere Probleme, denn sie verliert ihren Job und damit ihren Lebensmittelpunkt. Alleine ist sie dennoch nicht, denn plötzlich besiedeln zwischen 8 – 15 Leute täglich ihr Hallenbad und sie hat sich um allerhand zu kümmern. Lisbeths Leben gerät aus den Fugen und dabei leidet nicht nur ihr Körper und ihr Herz, sondern auch ihr Schaf. Schnell muss eine Lösung her, doch diesmal kann sie Tattoo-Paul nicht um Hilfe bitten… 

Dieser zuweilen chaotische Text spiegelt das Innenleben Lisbeths wider, bohrt sich damit aber unaufhaltsam in das Herz des Lesers. Der Wortfluss stockt an einigen Stellen, einfach weil es wirkt als hätte die Autorin die Gedanken so aufgeschrieben, wie sie ihr selbst in den Kopf kamen. Auch wenn dies daher nicht jedermann zusagt, hat es mir sehr gut gefallen. 
Lisbeths Eigenarten und Eigenschaften werden so klar herausgearbeitet und dem Leser fällt es nicht schwer, sich diese Person vorzustellen. 
Ebenfalls begegnet man sehr intensiv dem Leben in Kreuzberg, das sich anders zu gestalten scheint als im Rest der Stadt. Die Menschen dort scheinen ihr Leben viel lockerer zu sehen und es in vollen Zügen zu genießen. Es fällt schwer sich zwischen all den beschriebenen Personen – haben sie noch so unterschiedliche Vorstellungen vom Leben – nicht wohl zu fühlen. 

Ein Buch das den Leser fesselt und ungefragt berührt. 
Zwar hat die Autorin auch traurige Elemente eingefügt und man gerät oft ins Nachdenken, aber lange kann man sich in dieser Stimmung nicht aufhalten. Immer wieder gibt es etwas zum Schmunzeln und verschmitzten Kopfschütteln. Und auch wenn Verlust eines der großen Themen in diesem Buch ist, wird klar, dass das Leben doch irgendwie weiter geht und jeder Mensch seinen eigenen Freiraum bekommen und sich so entfalten sollte, wie es für ihn am passendsten ist. 
Für Leser, die die Tiefen der Gedanken nicht scheuen und selbst das Leben noch nicht ganz benennen können. 

Eine Geschichte zum Lachen, nachdenken und genießen. Wie ein Bonbon das nur zögerlich, aber doch schmackhaft im Mund zergeht.

Vielen Dank für das Exemplar an Vorablesen.

Cover/Titel:
Wieder einmal passen Titel und Cover klar zu dieser Geschichte. Das Cover wurde aus den verschiedensten Elementen zusammengebastelt und spiegelt somit das Chaos innerhalb Lisbeths wider. Der Titel benennt klar die drei Seiten der Liebe die im Buch herausgearbeitet werden.

Die Autorin:
Susann Rehlein, geboren in Leipzig, arbeitet als Journalistin und Lektorin. Sie stammt zwar nicht aus Brandenburg und besitzt derzeit auch kein Schaf, aber sie kennt und liebt Kreuzberg. "Auch die Liebe hat drei Seiten" ist ihr erster Roman.  

Weitere Bücher:
(bisher keine weiteren Veröffentlichungen)

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

1 Kommentar:

  1. Ich glaube, das ist mal wieder so eine kleine Perle, auf die man ohne vorablesen gar nicht gekommen wäre :-)
    Das Buch klingt zwar etwas durchgedreht, hat aber auch was. Ich setz es mal auf den Wunschzettel.

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