Montag, 8. Juli 2013

[Rezi] Türkisgrüner Winter

Autor: Carina Bartsch
Titel: Türkisgrüner Winter
Genre: Roman
Verlag: rororo (Reinbek bei Hamburg)
 Erscheinungsjahr: 2013
Seiten: 464 S.
ISBN: 978-3-499-22791-2

"Seit einer Woche nichts."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Als Emely sich endlich traut, ihren Gefühlen gegenüber Elias freien Lauf zu lassen, scheint sie auf Wolken zu schweben. Gemeinsam verbringen sie schöne Stunden, die aber immer noch von der Vergangenheit überschattet werden. Schon kurz darauf muss sie erfahren, dass Elias mehr mit Luca - ihrem Emailfreund - zu tun hat als sie geahnt hat. Schmerzlich muss sie der Wahrheit ins Gesicht blicken und kann es kaum ertragen. Elias aber gibt nicht auf und trotz aller Abwehr kann Emely die Sehnsucht nach ihm nicht unterdrücken…

Rezension/Meinung:
Buchfortsetzungen haben oftmals einen bitteren Beigeschmack. Denn wenn man einen ersten Teil gut findet, heißt das noch lange nicht, dass auch der folgende einen mitreißen kann.
Carina Bartsch hat es geschafft, mir zu zeigen, dass es auch anders geht. Wo ich „Kirschroter Sommer“ ganz gut fand, kam ich von „Türkisgrüner Winter“ gar nicht mehr los.

Die Geschichte beginnt an der Stelle, an der der Vorgänger geendet hat.
Endlich traut sich Emely ihre Gefühle zu Elias auszuleben, da meldet er sich einfach nicht mehr. Schnell stellt sich aber heraus, dass es einfach nur ein unnötiges Missverständnis ist. Dennoch hat man als Leser in diesem Teil ein mulmiges Gefühl, da man schon eine Ahnung hat, was es mit dem geheimnisvollen Luca auf sich hat und warum sich Elias nicht mehr meldet, als Emely Luca von dem „schrecklichen“ Campingausflug schreibt.

Danach wird man erst einmal in den Strudel der Hochgefühle gezogen. Verfolgt, wie sich die beiden langsam annähern, vorsichtig miteinander umgehen und ihre gegenseitige Liebe immer weiter benennen.
An sich könnte das Buch an diesem Punkt enden und man wäre glücklich und zufrieden. Doch folgen daraufhin noch ca. 350 Seiten.

Der Moment der Erkenntnis lässt nicht lange auf sich warten. Denn während Emely auf Wolken zu schweben scheint, lüftet Alex Elias Geheimnis. „Luca“ ist aus seiner Feder entstanden und für Emely scheint klar, dass er sie nur aushorchen wollte um sie einmal ins Bett zu kriegen und dann fallen zu lassen. Somit stürzt auch beim zweiten Versuch mit der Liebe ihres Lebens, eine Welt für sie zusammen.
Bedrückt folgt man den Worten der Autorin, die sehr emotional sind und man fühlt den Schmerz, den sie Emely zuschreibt.
Es scheint keinen Weg aus dem Tief zu geben und doch kann sie nicht davon ablassen, jeden Augenblick an Elias zu denken, ihn vor sich zu sehen und seine Stimme zu hören.
Da er aber keinerlei Anstalten macht, sich ihr zu erklären, scheint klar, dass sie mit ihrem Eindruck richtig lag.

Zu Weihnachten dann begegnen sich die beiden wieder und die Wunden, die noch lange nicht verheilt, sind, reißen wieder von neuem auf. Ein unerträglicher Abend ergibt sich und doch weckt dieser in Emely die leise Hoffnung, dass Elias sie vielleicht doch nicht nur ausnutzen wollte. Wie es scheint hat er sich ihr wohl erklärt, sie aber hat die Nachrichten niemals bekommen.
Immer mehr an ihrem Hass zweifelnd, versucht sie sich bei ihm zu melden – nun aber ist es an der Reihe von Elias sie zu ignorieren.
Als sich die Ereignisse kurz darauf überschlagen, bringt dies die beiden Sturköpfe unverhofft wieder zueinander und man folgt den Worten Elias, dessen Schmerz genau wie der von Emely tief sitzt.
Gemeinsam aber schaffen sie es einen Weg zueinander zu finden…

Emotional reicht „Türkisgrüner Winter“ für mich an einige Bücher heran, die mich ebenso zu Tränen gerührt haben.
Nach dem ersten Teil war dies nicht abzusehen, auch wenn ich schon ahnte, dass es auch im zweiten Teil nicht so einfach mit der Liebe zwischen den beiden werden würde.

Die Autorin hat oftmals intensive Abschnitte eingepflegt, die einen zum Nachdenken gebracht und mit der Wortwahl mitten ins Herz getroffen haben. Insbesondere in dem Teil, in dem Emely so sehr verletzt ist, kann man kaum trockenen Auges entkommen.
Zwar waren die Bemühungen da, auch hier den Charme Emelys und ihre Tollpatschigkeit wieder herauszukristallisieren, aber dies blieb diesmal ein kleiner Teil - dennoch gibt es Momente in denen sich das Lachen einen Weg sucht.

Dieses Buch ist eine Achterbahn der Gefühle mit einigen Tiefs, aber auch jeder Menge Hochs, die einen nicht kalt lassen können.

Schön ist, dass die Protagonisten nicht allzu jung sind, denn ob man diese Geschichte und Wortwahl Jugendlichen zwischen 15 und 19 abgenommen hätte, stelle ich als fraglich dar. So weisen sie ein Alter auf, in dem sie schon genug Reife und Erfahrungen haben, dass dies sich auch passend anfühlt.
Jeder der selbst einmal in einer ähnlich verfahrenen Situation steckte, wird wissen wie schmerzlich dieser Liebeskummer anfühlt und sich in eine Decke einmummeln wollen, damit alles an einem abprallt.
Aber auch die Zärtlichkeit und Zurückhaltung, die die beiden Protagonisten gegenseitig haben und beschreiben, lassen ein wohliges Gefühl in einem aufkommen und reißen einen mit sich.
Dadurch kann man auch gut darüber hinwegsehen, dass man sich schon denken kann, wie Elias und Luca zueinander stehen.

Carina Bartsch hat die Geschichte in ein schönes Bild verpackt und schafft es den Leser mit zu ziehen und erst wieder loszulassen, wenn man die letzte Seite des Buches zuschlägt.

Eine besondere Reise, durch die Gefühlswelt zweier Menschen, die füreinander bestimmt zu sein scheinen und doch immer wieder an sich selbst und ihren Zweifeln sich selbst gegenüber scheitern.
Wunderbar, mitreißend, emotional und tiefgründig – Emely und Elias kann niemand entkommen.


Titel/Cover:
Dieses Cover finde ich sehr schön. Auch hier wurden die Augen des Mannes wieder hervorgehoben und somit passend zum Titel und Inhalt gehalten. Schön ist auch, dass die Kirschblüten auch weiterhin Bestandteil des Covers sind.
Der Titel passt ebenfalls sehr gut und gefällt.

Die Autorin:
Carina Bartsch wurde 1985 im fränkischen Erlangen geboren und lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe ihrer Geburtsstadt. Sie brach die Realschule, dann die Wirtschaftsschule und eine Lehre ab. Erst nach diversen Kleinjobs fand sie mit Anfang zwanzig ihre wahre Bestimmung: das Schreiben. Mit ersten Kurzgeschichten gewann sie mehrere Schreibwettbewerbe.

Weitere Bücher:
Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

1 Kommentar:

  1. Eine schöne Rezi! Auch ich habe die zwei Romane von Carina Bartsch verschlungen, wobei ich sie mit jeweils 4 Sternen bewertet habe. Ich erfrischender und amüsanter Schreibstil hätte aber mindestens 10 Sterne verdient ;)

    Liebe Grüße
    Anka

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