Mittwoch, 24. Juli 2013

[Rezi] Schnitt

Autor: Marc Raabe
Titel: Schnitt
Genre: Psychothriller
Verlag: Ullstein (Berlin)
 Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 448 S.
ISBN: 978-3-548-28435-4

"Gabriel stand an der Türschwelle und starrte hinab."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Als Junge musste Gabriel mit ansehen, wie seine Eltern ihr Leben ließen. Was aber ist an diesem Abend wirklich passiert? Er selbst kann sich nicht mehr erinnern und hat die Erinnerungen verdrängt.
Fast Dreißig Jahre später holt ihn diese Vergangenheit wieder ein. Seine Freundin Liz wird von einem brutalen Killer entführt, der Gabriel beschuldigt ein Video von ihm zu haben. Während Gabriel alles dran setzt um Liz zu retten, zieht sich die Schlinge immer enger und die Wahrheit drängt unerbittlich an die Oberfläche...

Rezension/Meinung:
Mit "Schnitt" liefert Marc Raabe ein spannendes Debüt, das vielschichtig und intensiv ist ab und reißt den Leser mit sich. 
Schon eine Weile stand das Buch in meinem Regal und nun endlich kam der richtige Moment um es zu lesen.

Schon der Einstieg macht es dem Leser leicht der Geschichte zu folgen. Man kann sich den kleinen Gabriel gut vorstellen und nach und nach baut sich eine unterschwellige Spannung auf. Diese verwandelt sich aber in eine Gänsehaut, die den ganzen Körper überzieht, da man verfolgt, wie dieser kleine Junge ein grausames Video mit ansehen muss.
Was aber genau danach passiert, erfährt man erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Abrupt wechselt die Szenerie in die heutige Zeit, in der Gabriel schon lange erwachsen ist und seiner Arbeit nachgeht. Immer wieder stellt man sich die Frage, was passiert ist, bzw. wie diese Vergangenheit Gabriel selbst verändert hat. Dies bekommt man schnell mit, denn klar wird schon bald darauf, auch wenn er die damaligen Erlebnisse verdrängt hat, begleitet ihn noch immer eine unbestimmte Angst, die ihm ein beunruhigendes Gefühl gegenüber dunklen Kellern bereitet.
Kurz darauf begegnet man auch Liz, einer Journalistin, die selbst nicht genau weiß, wie sie mit ihrer aktuellen Situation klar kommen soll. Wo sie nur eine Affäre mit Gabriel beginnen wollte, ergab sich schnell mehr und nun ist sie schwanger. Doch nicht nur dadurch wird sie zur Zielscheibe von Valerius, der sie entführt und quält - gefangen hält um Gabriels Erinnerungen wiederzubeleben.
Während Gabriel nach Liz sucht, erfährt man viel mehr über ihn. Nicht nur das er eine Zeit in der Psychiatrie verbracht hat, noch immer begleitet ihn sein zweites Ich Luke. Er redet ihm rein und in gefährlichen Situationen übernimmt er die Oberhand.
So ist es nicht verwunderlich, dass Gabriel teilweise unüberlegt handelt. Es beginnt eine Hetzjagd auf Gabriel, der nicht nur von Valerius gejagt wird, sondern auch nur noch den Ausweg sieht sich mit seinem Bruder in Verbindung zu setzten, zu dem er Jahre lang keinen Kontakt mehr hatte.

Ein Auf und Ab der Geschichte folgt und für mich war dieser Teil mit dem Bruder etwas zu viel. Zumal man hier auch noch einiges über die Kollegin von David erfährt, was kaum zum Fortlaufen der Geschichte beiträgt. 
Richtig spannend wird es dann wieder, als es langsam aber sicher auf das Ende zugeht. Hier hat es der Autor geschafft mich wieder komplett zu überzeugen, denn die Wahrheit dringt immer unaufhaltsamer ans Licht und man spürt schon, dass diese alles andere als schön ist.
Die darauffolgenden Beschreibungen sind alles andere als harmlos und werden nichts für Jedermann sein.
Jeder Leser kann nach diesen Eröffnungen sicherlich die posttraumatische Belastungsstörung verstehen und daher wirkt dies nicht annähernd gestelzt.

In "Schnitt" bekommt jeder Protagonist seine eigene Stimme, was sicherlich den ein oder anderen Leser zu viel ist und daher nicht bei jedem positiv ankommt.
Die Szenarien, die mir selbst nicht so passend vorkamen, konnte ich aber gut verarbeiten und danach in den Hintergrund lassen um mich auf die wichtigen Teile der Geschichte zu konzentrieren.
Daher konnte Marc Raabe mich mit seinem Debüt überzeugen.

Der Schreibstil ist nicht zu gestochen, wie aber schon erwähnt, teilweise sehr ausufernd.
Die eingefügte Familienstory bzgl. der Vergangenheit finde ich passend, nur die kleinen Sticheleien zwischen David und Gabriel haben mir nicht das passende Gefühl gegeben. 
Alles in allem ist dies aber mal wieder ein richtiger Psychothriller, der diese Beschreibung auch gut und gerne tragen darf.
Spannung und Gänsehaut sind vorprogrammiert und ich bin gespannt auf den neuen Thriller.


Cover/Titel:
Wieder hat der Titel einen klaren Bezug zu der Geschichte. Auch auf dem Cover spiegelt sich der "Schnitt" wieder und wirkt passend. Was genau die Wespe auf dem Cover macht, hat sich mir nicht richtig erschlossen, aber ich finde sie drückt Agressivität aus.

Der Autor:
Marc Raabe, 1968 geboren, ist Geschäftsführer und Gesellschafter einer Fernsehproduktion. Sein Debütroman Schnitt war mehrere Wochen auf der Bestsellerliste. Marc Raabe lebt mit seiner Familie in Köln. 

Weitere Bücher:
  • Der Schock (2013)
Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

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