Mittwoch, 3. Juli 2013

[Rezi] Die Mädchenwiese

Autor: Martin Krist
Titel: Die Mädchenwiese
Genre: Thriller
Verlag: Ullstein (Berlin)
 Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 350 S.
ISBN: 978-3-548-28353-5

"Als hätte er nur auf sie gewartet."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
„Ich bin Montag wieder da!“, das sind Lisas Worte, als ihr Bruder Sam sie dabei erwischt, wie sie sich aufmacht um das Wochenende in Berlin zu verbringen. Dabei hat sie ihrer Mutter erzählt, sie würde bei einer Freundin schlafen. Zu groß aber ist die Verlockung dem kleinen Dorf Finkenwerda zu entkommen und zu stark die Sehnsucht nach ihrem neuen Freund. Doch am folgenden Montag taucht Lisa nicht wieder auf. Ihre Mutter ist verzweifelt und das Dorf gerät in Aufruhr. 
Alex Lindner, ehemaliger Polizist, glaubt gleich an ein Verbrechen und ist nicht verwundert, als nach und nach Hinweise auftauchen, so dass die Parallelen zum Fall der „Straßenbestie“ immer deutlicher werden. Ist die Bestie wieder da? Und wo ist Lisa? 

Rezension/Meinung:
Mit „Die Mädchenwiese“ ist es endlich wieder einmal gelungen, mich fest an einen Thriller zu fesseln. In letzter Zeit las ich viele, die spannend waren, aber nie einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen konnten und schnell zwischen all den anderen versanken.
Martin Krist bzw. Marcel Feige hat dies nun endlich wieder einmal geschafft.

Die Geschichte beginnt recht mysteriös und gruselig, denn man sieht sich in der Einleitung einer alten Frau gegenüber, die sich merkwürdig verhält, wirres Zeug redet und Stimmen hört.
Gleich darauf wechseln die Protagonisten und man liest sich durch die Schlüsselszene die die ganze Geschichte erst richtig anstößt: Das Mädchen Lisa hat vor sich heimlich mit ihrem neuen Freund in Berlin zu treffen und hat dafür nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihren Bruder angelogen. Der aber hat ihr nachspioniert und herausgefunden was sie vorhat. Nur durch ihre überzeugenden Worte verspricht er ihr nichts zu verraten.
An diesem Punkt kann man sich schon denken, dass Lisa ihr Versprechen wieder nach Hause zu kommen, nicht halten wird.
So passiert es dann auch und Sam weiß nicht weiter. Oftmals weiß Sam etwas zu sagen, wird aber immer recht klein gehalten und keiner hört ihm richtig zu. Dies hat mich so weit gebracht, dass ich den anderen Protagonisten am liebsten zugerufen hätte, dass sie ihm mal zuhören sollten.
Der Spannung halber wird dies aber wie ein kleines Spielchen seitenweise weiter getrieben.

Ein anderer Hauptprotagonist ist Alex, der vor Jahren nach Finkenwerda gezogen ist, nachdem er seine Alkoholsucht überwunden hatte. Seine Arbeit als Polizist legte er nieder und in dem kleinen Dorf betreibt er nun die Kneipe seiner Eltern. Doch noch immer hat er an dem Fall zu knabbern, der ihn zum Alkoholiker machte: Er betreute den Fall der Straßenbestie, ein Mörder, der schwarzhaarige Mädchen entführte, gefangen hielt und brutal zurichtete um sie dann tot an den Straßenrand zu werfen.
Als Lisa verschwindet und Alex davon erfährt, steigen all diese Erinnerungen wieder in ihm auf. Gleichzeitig holt ihn seine Vergangenheit noch weiter ein und er muss erfahren, dass er adoptiert wurde.
An sich eine Einfügung in die Geschichte, die man erst einmal unwichtig findet, die aber am Ende eine wichtige Rolle spielt.
Plötzlich nimmt der Täter über Umwege Kontakt zu Alex auf. Und während die Polizei noch immer im Dunkeln tappt, was den Aufenthaltsort von Lisa betrifft und fieberhaft nach ihr sucht, wird Alex durch die Stadt gelotst und muss schwere Verluste ertragen.
Dann aber stehen die Ermittler vor seiner Tür und nehme ihn fest…

In der Geschichte gibt es viele Einzelgeschichten, die zusammen ein intensives und spannendes, wenn auch brutales Bild ergeben.
Zudem hat sich der Autor verschiedene Perspektiven und Schreibstile von Nutzen gemacht. Mal wird man als Leser direkt angesprochen und verfolgt gespannt die Erzählungen einer alten Dame, mal schaut man auf die Erlebnisse der verschiedenen Personen. Diese Mischung gefiel mir sehr gut und durch die Abwechslungen hielt sich die Spannung konstant oben.

Dennoch war mir der Teil mit der Adoption und deren Folgen doch etwas zu weit hergeholt, was einen kleinen Abstrich an diesem Buch bedeutet.
Dagegen gefiel mir, dass der Autor sich auch auf die vierbeinigen Genossen konzentriert hat und ihnen allesamt einen guten Platz in dem Thriller geboten hat.
Auch fand ich gut, dass er beim Perspektivenwechsel schon gelaufene Szenen noch einmal beschrieb und somit etwas in der Zeit zurück sprang, dies aber so gut verwischte, dass man erst kurz vor Ende der Szene erfuhr, dass man diesen Teil schon mal – eben aus einem anderen Blickwinkel – begegnet ist.

Der Schreibstil ist leicht verständlich, stellenweise aber für nicht so hartgesottene Leser, schwer verdaulich.
Martin Krist nimmt auf Jung und Alt in dieser Geschichte keine Rücksicht.
Er verwickelt den Leser in eine atmosphärische Szenerie, die jeden, der selbst in so einem kleinen Dorf lebt, einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Denn nicht nur die Ortsbeschreibungen – auch die der Personen scheinen so real, dass man meint ihnen jeden Moment auf der Straße zu begegnen.

Ein spannungsgeladener Thriller, für alle die ebenfalls schon lange darauf warten endlich wieder einmal nicht von einem Buch loszukommen, mit kleinen Abstrichen, über die man aber gut und gerne hinwegsehen kann.



Titel/Cover:
Da der Titel einen klaren Bezug zum Buch hat, passt er perfekt und lässt keine Fragen offen. Das Cover ist eines der wenigen, dass mich vom Kauf des Buches überzeugt hat. Mir gefiel zwar auch der Klappentext, aber als ich im Laden diese Cover vor mir sah konnte ich nicht wiederstehen. Nicht nur das Farbspiel gefällt mir super gut, auch die Düsternis und die Details, die man nicht alle auf den ersten Blick erfassen kann. Daher ein sehr gelungenes Cover - welches hoffentlich die männliche Fraktion nicht abschreckt.

Der Autor:
Martin Krist ist das Pseudonym des erfolgreichen Autors Marcel Feige. Geboren 1971, arbeitete er als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften und lebt seit 1998 als Schriftsteller in Berlin.
Homepage von Martin Krist.

Weitere Titel:
  • Drecksspiel (2013)
  • Kalte Haut (2012)
  • Trieb (2009)
  • Gier (2008)
  • Wut (2007)

Quelle: Bilder und Vita von der Homepage des Autors.

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