Montag, 3. Juni 2013

[Rezi] Zehn Gründe, die todsicher fürs Leben sprechen

Autor: Albert Borris
Titel: Zehn Gründe, die todsicher fürs Leben sprechen
Originaltitel: Crash into me
Genre: Jugendroman
Verlag: Carlsen (Hamburg)
 Erscheinungsjahr: 2013
Seiten: 254 S.
ISBN: 978-3-551-58276-8

"Bei meinem dritten Versuch, mich umzubringen, nahm ich einen Strick."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfasung:
Gemeinsam mit drei fast Unbekannten, macht sich Owen auf zu einer Tour, die sein Leben verändern soll. Besser gesagt, soll sie sein Leben beenden. Doch bevor die vier Jugendlichen sich im Death Valley der Einsamkeit und dem Sterben hingeben, haben sie noch einige Stationen abzufahren. Sie reisen von Stadt zu Stadt, quer durch Amerika um berühmte Gräber zu besichtigen. Auf dem Weg aber bemerken alle vier, dass es doch noch Gründe gibt, die das Leben lebenswert machen...

Rezension/Meinung:
Der Debütroman von Albert Borris ist ein Roadtrip, der ans Herz geht und gleichzeitig, trotz der traurigen Berichte, Lebendfreude weckt.
Das Thema Selbstmord bei Jugendlichen ist schon hart, denn man sollte meinen, dass es in einem bestimmten Alter andere Dinge gibt, als sich darüber Gedanken zu machen. Dieses Buch aber beschreibt genau diese Jugendlichen, die sich treffen um dem Leben gemeinsam ein Ende zu setzen.
Warum? Dafür hat jeder seinen eigenen Grund.

Erzählt wird der Roman aus Sicht von Owen, der schon öfters versucht hat sich das Leben zu nehmen, doch ging es bisher immer schief und er konnte dem Tod entkommen. Ohne Umschweife und Beschönigungen erzählt er von seinem Leben und seiner Freundschaft zu den drei anderen des "Selbstmordrudel". Kennen gelernt haben sie sich in einem Chat, woraus sich eine Freunschaft und ein Plan entwickelt hat.
Zwischen Owens Erzählungen werden immer wieder diese anfänglichen Chats in Ausschnitten eingefügt und so erfährt man auch einiges über die Gedanken von Jin-Ae, Frank und Audrey.
Bedrückt verfolgt man die Gründe, die dazu geführt haben, dass sie keinen anderen Ausweg als Selbstmord für sich sehen.
Nur Owen hält lange mit seinem Grund hinter dem Berg. Er berichtet von seinen Besuchen bei Therapeuten, seiner Familie und irgendwann traut er sich dann doch der Wahrheit einen Namen zu geben und bemerkt selbst, dass er lange falschen Annahmen erlegen ist.
Doch so schwer das Leben der vier zu sein scheint, wird in diesem Buch auch gezeigt, dass es für jeden einzelnen auch kleine Freuden gibt.
Audrey und Owen kommen sich immer näher, Jin-Ae begreift, dass sie dazu stehen kann, dass sie Frauen liebt und Frank wacht genauso aus seinem depressiven, trinkenden Ich auf.
Ein einschneidendes Erlebnis schafft es dann allen klar zu machen, dass das Leben nun einmal Höhen und Tiefen hat, man es aber mit Hilfe von Freunden schaffen kann, das wahre Glück zu finden.

"Zehn Gründe, die todsicher fürs Leben sprechen" ist eine Reise zu sich selbst. Manch einer wird sich in diesem Buch wiedererkennen und sich erinnern, dass er einmal ähnliche Gedanken gehabt hat wie die vier Protagnisten. Nicht die Gedanken an Selbstmord, sondern die Zweifel an einem selbst, die Angst und den Hauch Hoffnung, den das Buch ausstrahlt.

Schon der Titel verät, dass nicht alles so enden wird, wie es die vier zu Anfang klar beschreiben. Auf der Reise durch das Land erleben sie gemeinsam kleine Abenteuer und merken selbst, was für jeden einzelnen unter ihnen im Leben wichtig ist.
Bedrückend aber auch ein klarer Leitfaden um sich selbst zu finden und  zu verstehen, dass es mehr gibt, als sich nur zurückzuziehen und seinen negativen Gedanken hinzugeben.

Ein tolles Debüt, dass nicht nur für Jugendliche eine Hilfe ist, sondern auch Eltern helfen kann ihre Kinder zu verstehen.

Der ansprechende und flotte Schreibstil lässt die Worte nur so durch den Kopf fließen und man kommt kaum von der Lektüre los. Immer wieder scheint es als würde man nach einem kleinen Lichtblick auf den Boden geworfen und müsste sich den negativen Gedanken hingeben.
Auch wenn teilweise vorhersehbar ist dieses Buch eine Reise wert und wird jeden Leser nachdenklich zurück lassen.
Ein Roadtrip wie über den Friedhof, der das Leben lockt...

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an Carlsen und HSW.

Titel/Cover:
Hier passt beides sehr gut zusammen, denn man blickt aus einem Grab heraus auf den Titel, der sich in der Lücke zum Himmel in großen Buchstaben ausbreitet und damit aus der einschließenden Tiefe lockt.

Der Autor:
Albert Borris hat im Himalaya Schneeleoparden gejagt, ist durch Island getramped und hat an Ultra-Marathons teilgenommen, aber die größte Herausforderung ist für ihn immer noch die Arbeit mit Jugendlichen.
 
Weitere Bücher:
(aktuell keine weiteren deutschen Veröffentlichungen)

Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

1 Kommentar:

  1. Puh, das Buch ist inhaltlich sehr schwer. Deine Rezi gefällt mir, aber ich werde dieses Buch auf keinen Fall lesen.
    Alles Liebe!

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I LOVE comments :)

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