Samstag, 22. Juni 2013

[Rezi] Kirschroter Sommer

Autor: Carina Bartsch
Titel: Kirschroter Sommer
Genre: Roman
Verlag: Schandtaten Verlag (Poxdorf)
 Erscheinungsjahr: 2011
Seiten: 449 S.
ISBN: 978-3-00-03521-0

"Es war jedes Mal dasselbe: Entweder die Zeit war von vornherein mein Feind oder einer meiner Mitmenschen machte mir bei dem kläglichen Versuch, wenigstens einmal im Leben pünktlich zu sein, einen Strich durch die Rechnung."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Als Alex nach Berlin zieht, ist Emely total aus dem Häuschen. Endlich kann sie ihre beste Freundin wieder öfters sehen. Doch die Freude währt nur kurz, denn Alex zieht bei ihrem Bruder Elyas ein. Emely und er sind sich alles andere als Grün, da er sie vor Jahren sehr verletzt hat. Sobald Elyas sie erblickt, fängt er an sie zu provozieren und sobald sie Alex besucht herrscht eine unterschwellige Spannung zwischen den beiden. Immer wieder flammen in Emely Erinnerungen und alte Gefühle auf und sie versucht alles um Elyas aus dem Weg zu gehen. Er aber lässt sich nicht abwimmeln und hängt sich an ihre Fersen...

Rezension/Meinung:
Carina Bartsch schafft es in ihrem ersten Buch dem Leser aufzuzeigen, wie leicht es ist jemanden tief zu verletzen und das alles nur wegen eines kleinen Missverständnisses.

Die Geschichte "Kirschroter Sommer" wird von der Hauptprotagonistin Emely erzählt. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass sie sehr tollpatschig ist und selten einem Missgeschick aus dem Weg gehen kann. Dadurch wird sie dem Leser gleich sympathisch und auch wenn nicht die großen Lacher folgen muss man immer wieder schmunzeln.
Man fühlt sich in der Geschichte gleich sehr wohl und kann sich erst einmal kurz an einer Erzählung über tiefe Freundschaft freuen, die so manch einem bekannt vorkommen könnte.
Nach und nach aber macht diese fröhliche Stimmung Platz für die Tiefen der Gefühle. Schnell merkt man, dass Emely Elyas nicht einfach "doof" findet, sondern mehr dahinter stecken muss.
Elyas, Alex Bruder, wird als Schönling beschrieben, was sicherlich im Auge des Betrachters liegt, aber eine klare Abstufung von Emely darstellt, die sich selbst alles andere als schön findet.
Sobald die beiden aufeinander treffen spürt man eine unterschwellige Wut oder Abneigung, die man sich erst nicht erklären kann. Schon bald aber macht Emely Andeutungen, nach denen man sich zusammenreimen kann, dass die beiden einmal starke Gefühle füreinander hegten - die auch immer noch da ist, was sich beide nicht eingestehen wollen.
So versucht Emely Elyas aus dem Weg zu gehen und flüchtet sich lieber in ihr kleines Zimmer im Studentenwohnheim und schreibt Mails mit dem unbekannten Luca, den sie nicht kennt, aber zu dem sie sich dank all der Gemeinsamkeiten hingezogen fühlt.
Elyas aber gibt nicht auf und Emely ist irgendwann nur noch genervt von ihm, als sie plötzlich eine ganz andere Seite an ihm entdeckt, weiß sie nicht, ob er wirklich so arrogant und oberflächlich ist, wie sie dachte.
Da dauert es nicht lange und alte Gefühle flammen wieder auf - die sie alles andere als zulassen will. Elyas aber schafft es nach und nach ihren Panzer zu durchbrechen und steht ihr in schweren Stunden bei.
Doch ist da immer noch Luca, der doch viel mehr mit ihr gemein hat und der so sympathisch klingt.
Im Zwiespalt der Gefühle fragt sie sich, was sie machen soll, denn die Angst vor weiteren Verletzungen ist groß und nicht auszuschließen.

In diesem Buch begegnet man einer zarten Geschichte, denn das Mädchen Emely ist sehr verletzlich. Trotz ihrer lustigen Worte und nach außen gerichteten starken Worte, kann man schnell hinter die Fassade blicken.
Aber auch was Elyas und Luca angeht, macht man sich schon sein eigenes Bild und es scheint klar, was diese beiden verbindet.
Ob es stimmt? Das lässt die Autorin bis zum nächsten Buch offen, denn das Ende des Buches ist noch lange nicht das Ende der Geschichte.

Anfangs fragte ich mich, was genau die Autorin alles in "Kirschroter Sommer" hat einfließen lassen, da ich schon nach den ersten Seiten ein deutliches Gefühl hatte, wo das ganze hin führt.
Daher kam es mir doch recht komisch vor, dass ein zweiter Band veröffentlicht worden ist.
Carina Bartsch aber hat es geschafft eine so komplexe, fast typische Teenagergeschichte zu schreiben, das einzelne Elemente nicht einfach hätten raus genommen werden.
Im Endeffekt wirkt das Buch weder überladen, noch zu lang.
Ich fühlte mich sehr wohl, da ich mich noch sehr gut an meine Zeit in dem Alter erinnern kann und so einige Parallelen entdecken konnte.

Der Schreibstil ist locker und unterhaltsam, durch seine Leichtigkeit fühlt man sich angenehm unterhalten.

Wer dieses Buch lesen mag, um endlich wieder einmal eine schöne, romantische Geschichte zu verfolgen, wird erst einmal enttäuscht, denn hier geht es um mehr. Um die Tiefe von Gefühlen, Schmerz und die Vergangenheit.
Beide Protagonisten arbeiten ihre gemeinsame Zeit erst einmal auf und so erfährt man wie es zu den jetzigen Abneigungen kommt.
Gleichzeitig rauft man sich die Haar, denn es ist eindeutig, dass beide sich etwas vormachen und sie noch viel mehr verbindet.

Mit dem Ende hat die Autorin einen guten Cliffhanger hinbekommen und ich bin froh, dass ich den Folgeband schon in meinem Regal stehen habe und ich ihn bald lesen kann.


Titel/Cover:
Das Cover ist gut aufeinander abgestimmt und macht schon einen romantischen Eindruck. Passend sind auch die türkisen Augen von dem Jungen, der wohl Elyas darstellen soll. Eine Verbindung zu dem "Kirschrot" gibt es nicht unbedingt, aber dennoch klingt es sehr schön und passend

Die Autorin:
Carina Bartsch wurde 1985 im fränkischen Erlangen geboren und lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe ihrer Geburtsstadt. Sie brach die Realschule, dann die Wirtschaftsschule und eine Lehre ab. Erst nach diversen Kleinjobs fand sie mit Anfang zwanzig ihre wahre Bestimmung: das Schreiben. Mit ersten Kurzgeschichten gewann sie mehrere Schreibwettbewerbe.

Weitere Bücher:
Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

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