Donnerstag, 23. Mai 2013

[Rezi] Souvenirs

Autor: Davis Foenkinos
Titel: Souvenirs
Originaltitel: Les Souvenirs
Genre: Roman
Verlag: C. H. Beck (München)
 Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 332 S.
ISBN: 978-3-406-63947-0

"Am Tag, an dem mein Großvater starb, regnete es so stark, dass man nahezu nichts mehr erkennen konnte."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Für Patrick ist ganz klar: Er wird einmal Schriftsteller! Des Nachts, während er als Portier in einem Hotel arbeitet, breitet er einen Block vor sich aus und versucht sich am geschriebenen Wort. Aber da gibt es auch noch die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Liebe und einem Leben außerhalb des Hotels. Nach und nach muss er sich eingestehen, das nichts läuft wie man es sich wünscht, denn erst stirbt sein Großvater, seine Mutter begibt sich auf große Reisen, sein Vater wird immer seltsamer und seine Oma verschwindet spurlos. Auf der Suche nach ihr, vergisst er seine Wünsche und findet etwas ganz Besonderes…

Rezension/Meinung:
Nach dem tollen Buch „Nathalie küsst“ war ich sehr gespannt auf das Folgewerk des Autors Foenkinos. 
Gleich zum Auftakt der Geschichte wird man mit dem Tod konfrontiert. Es sind keine beschönigenden Worte, die Foenkinos seinem Protagonisten in den Mund legt, der in dieser Geschichte aus seiner Perspektive erzählt, was passiert. Doch gleich mit diesen Worten hat er es geschafft mich für sich einzunehmen und erst mit dem letzten Satz wieder freigegeben. 

Durch den Einstieg fühlt man gleich eine Bedrückung auf den Schultern, die sich zwar nicht auflöst, aber immer weiter in den Hintergrund rückt. Denn so trauriges wie es klingen mag, scheint das Leben des Protagonisten von dieser Bedrücktheit geprägt. Man erlebt lange nicht, wie er selbst einmal seine Freude hinausschreit, sondern verfolgt nur eine aneinander Reihung von Szenen in denen er beschreibt, wie sich vor ihm wieder einmal eine Differenz mit seiner Familie auftut. 
Die Beschreibungen der Familiensituation machen schnell klar, dass Patrick selbst, nur eine starke Verbindung zu seiner Oma hat. In der Nähe seines Vaters fühlt er sich immer etwas unwohl und seine Mutter zeigt sich immer seltener. Sein Chef wird immer mehr zu seinem einzigen Freund, der ihn als Ersatzsohn sieht und sich bemüht ihm die Anerkennung entgegen zu bringen, die er verdient. 
Patrick aber, findet nicht dass er es verdient hat, da er nur vor sich her lebt ohne ein konkretes Ziel – denn auch die Schreiberei verliert er immer mehr aus den Augen. 

Fahrt nimmt der Roman richtig auf, als die Großmutter verschwindet. Ins Altenheim gezwungen fühlt sie sich dort alles andere als wohl und macht sich auf den Weg noch einmal ihre Vergangenheit nachzuempfinden und den Ort zu besuchen, von dem sie in frühen Kinderjahren wegziehen musste. 
David Foenkinos bezieht die Vergangenheit sehr oft mit ein, denn er beschreibt mit Patricks Worten, wie sich seine Eltern und Großeltern kennen gelernt haben, was sie alles durchmachen mussten und wie gering sein Trübsinn gegenüber dem Schmerz der Vergangenheit doch ist. 
Man bekommt schnell das Gefühl, dass sich Patrick selbst klein macht. 
Erst weit am Ende kann man spüren das noch mehr Freude in ihm steckt – als er sich richtig verliebt. Doch auf Glück folgt Unglück und dennoch kann er plötzlich in den unscheinbarsten Dingen seine Freude finden. 

Die eigentliche Geschichte um Patrick wird immer wieder von verschiedenen Erinnerungen unterbrochen. 
Dies lockert die Geschichte um einiges auf. Wird in einem Kapitel eine Person mit einbezogen, egal ob berühmte Persönlichkeit, Familienmitglied oder eine Zufallsbekanntschaft, erhält sie im nächsten Abschnitt eigene Worte und äußert Erinnerungen. Diese beziehen sich mal auf Patrick, mal aber auch einfach auf die Vergangenheit der Person selbst. 
Somit kann man einigen geschichtlichen Details folgen und nachlesen wie ein Maler zu seiner Berühmtheit gelangt ist oder wie sich ein Tankstellenwart mit einer ungewöhnlichen Frage konfrontiert fühlt. 
Diese Abschnitte sind die Souvenirs, die dem Buch seinen Titel verleihen. 

Eine Botschaft übermittelt die Geschichte ganz klar, denn wenn man nach etwas Bestimmten sucht, scheint es sich immer wieder vor einem zu verstecken. Doch hört man auf zu suchen, findet einen das Glück von ganz alleine. Und das Glück liegt teilweise in Dingen, die ganz unscheinbar erschienen. Für mich hat Foenkinos wieder ein tolles Buch niedergeschrieben, in dem er Gefühle zum Ausdruck bringt und jedermann auf die Reise mitnimmt, einem jungen Mann zu folgen, der auf der Suche nach seinem Sinn des Lebens ist und dabei auf einige Hürden stößt. 

Ein Roman, über ein Leben mit Höhen und Tiefen, Wünschen und Erfüllungen. 

Auch wenn ich mich am Anfang fragte wie das alles sich zu einem komplexen Gebilde formen kann, ist dies ganz einfach von Seite zu Seite geschehen und bringt dem Leser eine Familiengeschichte, verbunden mit einer Liebesgeschichte und vielen Fragen die nicht nur die heutige Generation begleiteten. 
Eine gute Mischung, die sich zwar ganz und gar von „Nathalie küsst“ unterscheidet, aber klar ihren eigenen Charme entwickelt.  


Cover/Titel:
Das Cover ist sehr schön gemalt und bietet einen Blick auf den Eifelturm. Somit hat man auch gleich die Verbindung zu Paris, wo die Geschichte spielt. Der Titel gefällt mir gut, denn die Souvenirs die in diesem Buch gesammelt werden entscheiden sich von den kleinen Nippes die man sonst aus dem Urlaub mit Heim bringt.

Der Autor:
David Foenkinos, 1974 geboren, Schriftsteller und Drehbuchautor, studierte Literaturwissenschaften an der Sorbonne und Jazz am CIM.Christian Kolb, geb. 1970, studierte französische Literatur und Filmwissenschaft in Berlin und Paris. Er arbeitet als freier Übersetzer. 

Weitere Bücher:
Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.


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