Donnerstag, 25. April 2013

[Rezi] Vier Arten, die Liebe zu vergessen

Autor: Thommie Bayer
Titel: Vier Arten, die Liebe zu vergessen
Genre: Roman
Verlag: Piper (München)
 Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 280 S.
ISBN: 978-3-492-05480-5

"Die kleine Maschine flog durch ein Gewitter, wurde hin und her geschlagen von Böenm sackte in Luftlöcher und schien nur mit Mühe voranzukommen durch das immer wieder von Blitzen erleuchtete Dunkelgrau.
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Fast zwanzig Jahre ist es her, dass sich die ehemaligen Sänger Michael, Bernd, Wagner und Thomas gemeinsam an einem Ort getroffen haben. Heute passiert dies aus einem traurigen Grund, denn ihre Mentorin, die ihnen die Liebe zur Musik gezeigt hat, ist verstorben. Sie treffen sich auf der Beerdigung und merken schnell, dass sie nicht mehr viel miteinander verbindet. Die alte Harmonie beim Gesang ist aber immer noch da und sie versuchen noch einmal sich gemeinsam der Vergangenheit zu stellen um vielleicht den Hauch der alten Freundschaft zu spüren...

Rezension/Meinung
Nachdem ich den Klappentext des Buches gelesen hatte, landete das Buch schnell auf meiner Wunschliste und dann auch recht zeitnah auf meinem SuB. 
Nach Beendigung musste ich diese Geschichte erst einmal ein paar Tage in mir gären lassen, da sie sich ganz anders gestaltet hat als erwartet. Der Klappentext hat mich etwas in die Irre geführt und zu Beginn ging ich davon aus, dass Emmi die Liebe aller vier Protagonisten gewesen ist - wobei sie nur die Lehrerin derer war. Dennoch ist schnell klar, dass auch sie ihnen eine starke Liebe beigebracht hat, nämlich die zur Musik.

Musik ist auch der Hauptpunkt der Geschichte und diese Verbindungen werden hervorgehoben, Musiktexte eingestreut und die Leben daran entlang gezeichnet.
Michael, Bernd, Wagner und Thomas haben sich in der Schulzeit lange nicht verstanden und immer Konkurrenzkämpfe gegeneinander ausgefochten. Erst als Emmi, ihre Lehrerin sie quasi dazu zwingt gemeinsam Zeit zu verbringen, entdecken die vier ihre Leidenschaft zur Musik und nutzen ihrer aller Talente. Die folgenden Jahre sind intensiv und werden von Auftritten des Quartets geprägt.
Im Laufe der Geschichte wird das Kennenlernen und die Schulzeit immer wieder in Rückblenden beschrieben.

Michael wird den anderen drei vorgezogen und überwiegend wird die Geschichte mit Blick auf ihn erzählt. Es geht darum wie er sein Leben verbringt und wie er seiner heimlichen Liebe niemals gestehen mag, dass er für sie Songtexte schreibt.
Doch auch die Unzulänglichkeiten der anderen werden immer wieder aufgedeckt und ein klares Gerüst entwickelt sich. Denn alle vier hatten einmal etwas mit der selben Frau, was für mich aber nicht zu intensiv behandelt wurde und daher nicht so im Mittelpunkt stand, auch wenn ich darauf den Titel beziehe.

Spannenden Elemente sollte man nicht erwarten, denn auch wenn es Situationen gibt, die einen kurzzeitig fesseln, gibt es nichts was einen total erstaunt zurück lässt.
Der Roman wirkt seicht und ruhig, oftmals nachdenklich und auch fragend.
Es sind die Fragen des Lebens, die sich hier stellen, denn wie kommt es dass sich vier Männer, die einst so eng beieinander waren, so verschiedene Leben leben.
Thommie Bayer legt Michael viele Fragen in den Mund und diese bringen einen selbst oftmals ins Grübeln.
Neben der Musik ist aber auch die Freunschaft der vier eine große Frage, denn was hat sie wirklich zusammengehalten? Warum hat es sie gleich nach der Schule so weit voneinander weggetrieben?

Wer sich zudem für Italien interessiert, wird sich in der Geschichte wohlfühlen. Denn da Michael dort lebt, hat der Autor es sich nehmen lassen viele Beschreibungen des Ortes einzuflechten. Da werden Wege beschrieben und Sehenswürdigkeiten hervorgehoben. Auch die typischen Fahrten mit den Gondeln werden nicht vernachläsigt. Außerdem findet sich in dem Buch am Anfang auch eine Karte, der man so folgen kann.

Mir hat dieser Roman gut gefallen, denn er ist mal etwas anderes. Keine rasante Jagd nach dem Sinn des Lebens, sondern eine Erzählung die einen an einigen Stellen tief berührt und bei deren Fragen man selbst spürt, dass es im Leben oft Dinge gibt, die man selbst nicht bestimmen kann und es wird klar, dass sich Wege trennen auch wenn man sich das lange nicht vorstellen konnte.

Der Schreibstil ist locker, aber auch nachdenklich und der Autor verliert sich oft in seinen eigenen Worten. Dies führt auch dazu, dass die Sätze teilweise sehr lang werden. Mich persönlich stört das nicht, denn ich fand es dennoch einfach diesen Ausschweifungen zu folgen. Dennoch scheint dies nicht jedem Leser so einfach zu gelingen. Auch das hin- und herwechseln der Zeiten und Blickwinkel hat es sicherlich nicht jedem leicht gemacht.

Zum Ende der Geschichte erfährt man noch was mit allen Protagonisten passiert und ich finde das Ende sehr stimmig. Zwar bleiben noch ein paar Punkte offen, aber wenn man einem Menschen begegnet erfährt man nun mal nicht immer wie es wirklich mit ihm weiter geht und was sich noch alles entwickelt.
Da aber die Hauptfragen geklärt sind und jeder für sich seine Gefühle geordnet hat wird man dennoch zufrieden zurückgelassen.


Titel/Cover:
Das Cover finde ich sehr schön. Zwar hat das Watt nicht unbedingt eine sehr starke Verbindung zur Geschichte, doch durch die Darstellungen der vier Männer und deren Entfernung gibt man dem im Vordergrund stehenden schnell den Namen Michael, da dies passend scheint. Den Titel sollte man nicht zu wörtlich nehmen, denn auch wenn es, wie beschrieben, die Situation gibt, das alle vier die selbe Prson lieben, würde ich diese benannte Liebe eher die zur Musik nennen.

Der Autor:
Thommie Bayer, 1953 in Esslingen geboren, studierte Malerei und war Liedermacher, bevor er 1984 begann, Stories, Gedichte und Romane zu schreiben.
Weitere Infos: Thommie Bayer

Weitere Bücher:
  • Heimweh nach dem Ort, an dem ich bin (2012)
  • Fallers große Liebe (2011)
  • Eine kurze Geschichte vom Glück (2009)
  • Die gefährliche Frau (2004)
  • ...
Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

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