Freitag, 5. April 2013

[Rezi] Ein ganzes halbes Jahr

Autor: Jojo Moyes
Titel: Ein ganzes halbes Jahr
Originaltitel: Me before you
Genre: Roman
Verlag: rowohlt Polaris (Reinbek bei Hamburg)
Erscheinungsjahr: 2013
Seiten: 527 S.
ISBN: 978-3-499-26703-1

"Als er aus dem Bad kommt, ist sie wach, hat sich gegen das Kopfkissen gelehnt und blättert durch die Reiseprospekte, die neben seinem Bett gelegen haben."

Persönliche Zusammenfassung:
Will ist reich, gutaussehend und erfolgreich. Er genießt das Leben in vollen Zügen und kann sich nichts besseres als Reisen vorstellen. 
Lousia dagegen arbeitet in einem Café, hat keine richtige Zukunftsperspektive und muss ihte Familie mit durchfüttern. Sie gibt sich mit ihrem eintönigen Leben zufrieden und ahnt nicht einmal was es noch zu entdecken gibt. 
Ein Schicksalsschlag führt die beiden zusammen und gemeinsam beginnen sie eine Reise zu sich selbst und suchen nach dem Sinn des Lebens...

Rezension/Meinung:
Sobald ich den Klappentext des Buches gelesen hatte, war mir klar "Das muss ich haben", und dieser Gedanken war eindeutig richtig.
Nachdem ich mit dem Lesen begonnen hatte wurde ich an "Ziemlich beste Freunde" erinnert, was einfach an der Situation liegt, in der sich Will befindet.

Das Buch beginnt mit einem Prolog in dem man dem selbstbewussten Will begegnet und ein Blick auf seinen Lebensstil wirft. Doch endet der Prolog mit einem schmerzlichen Luftschnappen. Im ersten Kapitel dann trifft man auf Lou, die mir gleich sympathisch war. Sie ist 26 Jahre alt, und ihre Welt begrenzt sich auf ihr Elternhaus und das Café in dem sie arbeitet. Sie wirkt unsicher und scheint sich in der Eintönigkeit ihres Lebens wohl zu fühlen.
Bald darauf aber trifft sie auf Will und merkt schnell, dass sie noch ein gutes Los gezogen hat, auch wenn sie für das Einkommen der ganzen Familie zuständig ist und ihr langjähriger Freund eigentlich nur sein Hobby, das Laufen, im Kopf hat.
Es treffen zwei Welten aufeinander und Louisas Aufgabe ist es, Will zu zeigen, wie lebenswert das Leben sein kann, auch wenn man an einen Rollstuhl gefesselt ist. Dabei hat sie selbst kaum eine Ahnung vom Leben und kommt mit dem mürrischen Will erst einmal gar nicht klar. 
Doch die Geschichte wendet sich und die beiden verstehen sich immer besser - bis klar wird, was Will wirklich vorhat. Lou hat nur ein halbes Jahr zeit um Will die Freuden des Lebens zu zeigen, denn dann möchte er sich das Leben nehmen.
Obwohl die gemeinsame Zeit immer weniger wird, wird sie auch intensiver und schnell wird klar, dass die beiden mehr verbindet...

"Ein ganzes halbes Jahr" ist nicht nur eine Geschichte, die wegen ihrer Intensität und verzweifelten Liebe ans Herz geht. Man fühlt sich in dem Roman einfach schnell wohl, da insbesondere Lou ein Mensch ist, dem man immer wieder auf der Straße begegnet. Ende Zwanzig ist sie mit ihrem "einfachen" Leben im totalen Einklang, verspürt aber niemals das richtige Glück.
Beide Protagonisten versprühen einen gewissen Charme und haben einen Humor, dem man einfach nicht wiederstehen kann. Oftmals verliert man sich in den Begegnungen der beiden und spinnt die Geschichte im Kopf selbst weiter. Auch wenn man teilweise meint zu wissen, wie es weiter geht, wird man auch oft überrascht.

Doch neben der Geschichte, die einen so gefangen nimmt, stellt das Buch eine entscheidene Frage und lässt den Leser über das Thema Sterbehilfe sinnieren. Immer wieder fragt man sich, wie man selbst zu dem Thema steht. Einem Thema, dass sicherlich alles andere als leicht zu beschreiben ist, denn ob man Pro oder Kontra Sterbehilfe ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden und andererseits auch jeden anderen selbst entscheiden lassen - solange dies möglich ist.

Ein Buch voller Emotionen, einer Liebe, die von Beginn an kaum eine Chance hat, die aber doch immer wieder eine Funken Hoffnung aufkeimen lässt.
Jeder der dieses Buch zur Hand nimmt, wird es mit Tränen in den Augen schließen und noch lange einen Nachklang in sich spüren und nachfühlen, wie er selbst diese Situation gehandelt hätte.
Ein Roman für Tetraplegiker, die dadurch erkennen können, wie intesiv das Leben doch trotz aller Einschränkungen sein kann. Überwiegend aus der Sicht einer jungen, gesunden Frau, die verzweifelt versucht einen Menschen am Leben zu halten, der seinen eigenen Weg nicht mehr lebenswert findet.
Immer wieder aber auch aus anderen Sichtweisen, die klar machen, wie viele Leben, Gefühle und Veränderungen an so einer wichtigen Entscheidung hängen.

Nach Beendigung habe ich das Gefühl einer wunderbaren Mischung aus "Ziemlich beste Freunde" und "Zwei an einem Tag" begegnet zu sein, die noch lange in mir Bestand haben wird und sich zu einem meiner Favoritenbücher gesellen darf.

"Ein ganzes halbes Jahr" ist ein Roman wie eine Welle, die einen unvorbereitet ins Meer zieht, mit einem spielt und immer wieder glücklich auf der Wasseroberfläche tanzen lässt, bis man erschöpft auf den weichen, warmen Sand gespuckt wird um dort zu den hellleuchtenden Sternen hinaufzublicken.


Cover/Titel:
Das beige-schwarze Cover wirkt wie ein Scherenschnitt und macht schon den Eindruck, dass etwas Besonderes auf den Leser wartet. Die Blüten die am Rand verstreut sind, wirken unauffällig,  versprühen aber einen Hauch Romantik. Der Titel gefällt mir sehr gut und ich finde ihn passend, denn in der Geschichte geht es ja um ein halbes Jahr...

Ein Trailer der gleich eine Gänsehaut hinterlässt...

Die Autorin:
Jojo Moyes, geboren 1969, hat Journalistik studiert und für die «Sunday Morning Post» in Hongkong und den «Independent» in London gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in Essex. 

Weitere Bücher:
  • Der Klang des Herzens (2010)
  • Dem Himmel so nah (2008)
Quelle: Bilder und Vita von der Verlagshomepage.

Kommentare:

  1. Oh, wie schön hier eine Rezension zu dem Buch zu lesen! Ich hatte es jetzt schon ein paar Mal in der Hand und war ganz angetan von Cover und Titel. Nachdem ich dann den Klappentext gelesen hatte, landete es schnell auf meiner Wunschliste - und jetzt werde ich es sicher dort ganz nach vorne setzen! :)

    Liebe Grüße
    Tin

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  2. Huhu,

    ich habe deine Rezi jetzt nur leicht überflogen, denn ich möchte das Buch recht bald selber lesen, aber die Grundstimmung schien ja begeistert :-)
    Ich freu mich jedenfalls drauf.

    Liebe Grüße
    MacBaylie

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  3. Vor deiner Rezi kannte ich das Buch nicht mal, scheint aber wirklich sehr gut zu sein.
    Hab das gleich mal auf meine Wunschliste gestellt :-)
    Liebe Grüße
    NonMinime

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