Dienstag, 5. Februar 2013

[Rezi] Ein Flüstern in der Nacht

Autor: Moya Simons
Titel: Ein Flüstern in der Nacht
Originaltitel: Let me whisper you my story
Genre: Roman, Geschichte
 Verlag: cbj (München)
 Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 299 S.
ISBN: 978-3-570-15331-4

"In den Dreißigerjahren, vor dem Krieg, wohnten wir in einem zweistöckigen Haus in Leipzig."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Zusammengekauert versteckt sie sich in einem Küchenschrank hinter Töpfen ihrer Mutter. Gerade noch war sie glücklich mit ihrer Familie in dem trauten Heim, dann in einem sogenannten "Judenhaus" und plötzlich werden alle aus der Behausung gejagt und deportiert. Nur Rachel bleibt zurück. Alleine und stumm wird die Jüdin von einer deutschen Familie entdeckt und versteckt
Auf der Suche nach überlebenden Verwandten, begegnet sie vielen Gleichgesinnten, findet Freunde und auch ihre Stimme kehrt nach und nach zurück...

"Die Worte, die ich jetzt aufschnappte, waren auch wie zerbrochenes Glas, einzelne Glasscherben, die keine meiner Fragen beantworteten."
(S. 57, Zeile 10 - 12)

Rezension/Meinung:
"Ein Flüstern in der Nacht" ist ein emotionales und mitreißendes Buch.
Man schlägt die erste Seite auf und begegnet gleich der noch jungen Rachel, die die Geschichte ihres Lebens - ihrer Flucht - beschreibt und damit die Leser bedrückend darüber aufklärt, was während der Herrschaft Hitlers in ihrem Leben passiert ist.

Rachel und ihre Familie sind Juden, gemeinsam leben sie in einem Haus in Leipzig. Der Vater ist Arzt und die jüdischen Rituale werden wöchentlich voller Freude ausgeführt.
Doch als Hitler an die Macht kommt, bricht über die Juden in der Stadt Verbot über Verbot hinein. Immer weniger dürfen sie, immer weniger haben sie.

Die kleine Rachel berichtet über die fröhlichen Zeiten und es scheint, das ihre Kindheit nicht schöner sein könnte. Sie bringt dem Leser ihre Schwester und ihre Eltern näher, genauso wie das was sie in ihrer Freizeit am liebsten macht. Schnell aber fallen die Worte, die positive Ereignisse beschreiben immer seltener.
Eine bedrückende Stimmung zieht auf, und voller Angst und Kummer verfolgt man den Abstieg der Familie Schwarz."Abstieg" bedeutet in diesem Fall, dass die Juden weder noch zu den selben Zeiten wie die "normalen" Deutschen einkaufen dürfen, noch das sie ordentliche Lebensmittel erhalten. Nachdem all die Regeln festgelegt wurden, kommt es dazu, dass sie sogar ihr Zuhause aufgeben müssen und in einem Judenhaus landen. Hier leben sie eingepfercht auf wenigen Quadratmetern und müssen jederzeit damit rechnen, dass sie Gestapo oder Nazis an die Tür klopfen und jemanden mitnehmen.

Die Angst Rachels gleitet von Seite zu Seite und stapelt sich. Als Leser kann man dies ohne Probleme nachfühlen. Denn obwohl dieses junge Mädchen nicht alles weiß, da ihre Eltern ihr doch noch ein bisschen Kindheit bewahren möchten und sie somit vor der Wahrheit schonen, ist doch klar, dass sie weiß, was um sie geschieht.
Den Höhepunkt der Grausamkeit beschreibt das Buch, als Rachel plötzlich alleine ist. Die Szene die zu diesem Ergebnis führt, bringt jedes Herz zum rasen und wird einigen Lesern eine Gänsehaut beschaffen.

Meine Bedrückheit hat sich ebenso von Seite zu Seite gesteigert, denn es ist nicht leicht den Worten eines jungen Mädchens zu folgen, das darüber schreibt, wie es darum kämpft zu überleben und das ihre Existenz von anderen angenommen und erkannt wird. Immer wieder wird sie damit konfrontiert, dass sie nichts wert sein kann und jeder um sier herum versucht ihr aus dem Weg zu gehen - wenn nicht sie zu verraten.
Doch gibt es bald auch eine positive Wendung, denn nach dem Krieg beginnt ein neues Leben voller neuer Dinge für Rachel. Und dann schafft es ein wichtiges Ereignis dem Mädchen Freude ins Herz zu zaubern.

Berührt habe ich diese Buch beendet und brauchte erst einmal etwas um es zu verarbeiten.
Es ist ein ähnlicher Stil wie "Das Tagebuch der Anne Frank", meiner Meinung nach, fühlt man in dem Buch von Simons mehr mit, da die Gefühle einfach viel deutlicher rüber kommen. Was natürlich nicht darüber hinweg täuschen soll, dass "Das Tagebuch der Anne Frank" nach einem wahren Geschichte ist.
Aber auch Moya Simons hat einige wahre Erlebnisse mit eingeflochten.

Ein Buch das ans Herz geht und wirklich niemanden kalt lassen wird.

"Ich hörte erst wieder richtig zu, als Freddie erwähnte, dass Hitlers Porträt in zwei Teile zerbrochen war. Das war eine gute Nachricht, und wenn ich eine Stimme gehabt hätte, hätte ich jubeliert." (S. 140, Absatz 3)


Die Autorin
Moya Simons, Jahrgang 1942, lebt in Rose Bay/Sydney. Sie schreibt neben Kinderbüchern auch Kurzgeschichten und Reportagen und arbeitet hauptberuflich als Sekretärin.Anne Braun, geb. 1956 im Schwäbischen, arbeitet seit dem Abschluss ihres Sprachenstudiums an der Universität Heidelberg freiberuflich als Sprachlehrerin, als Übersetzerin für Italienisch, Fränzösisch und Englisch, als Herausgeberin von Anthologien und als Autorin im Kinderbuchbereich. Sie lebt in Baden-Württemberg und hat eine Tochter und einen Sohn. 

Weitere Bücher:
(keine weitere deutschen Veröffentlichungen nach 2000)

Quelle: Vita von Amazon, Bilder von der Verlagshomepage.

1 Kommentar:

  1. Schöne Rezension,glaube aber nicht,dass das Buch etwas für mich wäre :))

    LG Lisa

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