Samstag, 6. Oktober 2012

[Rezi] Wie viel Leben passt in eine Tüte?

Autor: Donna Freitas
Titel: Wie viel Leben passt in eine Tüte?
Originaltitel: The Survival Kit
Genre: Roman
Verlag: Gabriel (Stuttgart)
Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 397 S.
ISBN: 978-3522303125

"Ich fand es an dem Tag, an dem meine Mutter beerdigt wurde."
(1. Satz)

Persönliche Zusammenfassung:
Sechzehn Jahre jung ist Rose, als sie zusammen mit ihrem Bruder und ihrem Vater ihre Mutter beerdigen muss. Gestorben ist sie nach einem Kampf gegen den Krebs, den sie nicht gewinnen konnte. Für Rose bricht die Welt zusammen und ohne ihre Mutter hat sie an nichts mehr Spaß. Ihre so geliebten Hobbys wie Cheerleading, Musik und Feiern mit Freundinnen, lässt sie von einem Tag auf den anderen links liegen. Auch von ihrem langjährigen Freund entfernt sie sich immer mehr. Doch bevor sie ganz in sich versinken kann, entdeckt sie eine Überraschung im Kleiderschrank ihrer Mutter. Diese hat ihr etwas hinterlassen, dass Rose klar macht, dass auch ohne ihre Mutter das Leben weiter gehen muss und sie nicht alleine auf der Welt ist.

"Ich spürte meinen eigenen Körper nicht mehr - nicht, nachdem ich gesehen hatte, wie meine Mutter langsam verwelkt und gestorben war und damit für immer aus meinem Leben verschwand. Die letzten Bilder von ihr hatten mit gezeigt, dass der Körper auch eine Quelle der Verzweiflung und Schmerzen sein konnte, nicht nur der Freude."  
(S. 64, Zeile 3 - 9)

Rezension:
Ein Debüt, dass jeden Leser berührt und noch lange in einem nachklingt.
Das große Thema dieses Buches ist Krebs und wie man als Hinterbliebene damit umgehen kann. Es ist eine Unterstützung für Leser, die selbst in dieser Situation stecken und weist auf, dass trotz all der Schmerzen des Verlusts, doch irgendwann ein Tag kommt, der die Sonne wieder in das verletzte Herz lässt.
Die Protagonistin ist gerade einmal sechzehn Jahre alt und lebt mit ihrem Vater allein Zuhause. Ihr Bruder, auf dem College, ist nur selten da und bekommt nicht mit, wie ihr gemeinsamer Vater immer mehr im Alkohol seine Zuflucht sucht um mit dem Verlust klarzukommen. Rose scheint zeitweise sehr stark, insbesondere im Umgang mit ihrem Vater. Doch immer wieder hat die Autorin auch die Verzweiflung und Trauer von Rose hervorgehoben, die viele Dinge, die vor dem Tod ihrer Mutter selbstverständlich waren, plötzlich nicht mehr um sich ertragen kann.
Es wird klar dargestellt, wie sich das Leben für alle dargestellten Personen verändert und wie jeder für sich mit dem Verlust umgeht.

"Nicht schon wieder, dachte ich, während ich durch die Tür ins Freie trat. Die kalte Winterluft drang durch meinen Pulli, als wäre er dünn wie Spinnenweben, und wehte den vertrauten, bitteren Krankenhausgeruch fort."
(S. 322, Zeile 10 -15)

Ein Buch voller Gefühle, die ab der ersten Seite in einem eine Achterbahnfahrt starten.
Sobald es scheint, dass das Leben doch wieder vorwärts geht, wirft es Rose doch immer wieder zurück und es scheint, dass sie kein Glück erleben darf.
Die Idee mit dem Survival Kit, find ich einfach toll, denn das die Mutter sich noch so viel Mühe gegeben hat um ihren Kindern etwas Besonderes zu hinterlassen, damit sie den Tod vielleicht bzw. hoffentlich etwas besser verkraften können und trotz der Trauer die Schönheit des Lebens nichts aus den Augen verlieren, ist ein wunderbares Geschenk. Sicherlich würde dies für den einen die Verarbeitung des Todes schwerer machen, doch für den anderen leichter.
"Wie viel Leben passt in eine Tüte?", ist nicht nur für Leser etwas, die dieses Thema "Krebs" akut betrifft. Auch Leser die bisher noch keine Erfahrungen mit dieser Krankheit, bzw. allgemein mit dem Tod haben, sollten zu diesem Buch greifen, um einen kleinen Einblick in das Geschehen, die Gefühlswelten und die Verarbeitungsstrategien zu gewinnen. Auch wer jemanden kennt der in dieser Situation steckt, wird hier einige Antworten finden.
Sehr berührend und emotional werden einige Szenen dargestellt und lassen einen kaum unberührt.
Neben der Hauptgeschichte spielt auch die Liebe eine große Rolle und somit spricht das Buch auch Leser dieses Genre an.
Ein einfühlsames Buch, dass hilft zu Verarbeiten, nachdenklich macht und neuen Mut, sowie Hoffnung fassen lässt.

"Wie verwundbar das Leben und die Liebe doch waren. Jederzeit, selbst in den Momenten größten Glücks, kann unsere Welt ohne Vorwarnung in Stücke zerbrechen. Der Verlust lauert überall und zeigt uns sein hässliches Antlitz immer dann, wenn wir es am wenigsten erwarten."
(S. 325, 4 - 10)

Vielen Dank für das Exemplar an BdB und den Gabriel-Verl..
Das Buch gibt es hier.

Die Autorin:
Donna Freitas wurde in Rhode Island geboren, studierte Spanisch und Philosophie und hat einen Doktortitel in Theologie. Neben ihrer Tätigkeit als Professorin an der Boston University veröffentlichte sie mehrere Sachbücher zum Thema Jugend und Religion und schreibt für bekannte Zeitungen und Magazine, darunter das Wall Street Journal, die Washington Post und Newsweek.

Weitere Titel:
(bisher noch keine weiteren deutschen Veröffentlichungen)

1 Kommentar:

  1. Eine schöne Rezi zu einem Buch, dass ich wirklich noch sehr gerne lesen möchte. Ich finde es auch wichtig, dass es solche ernsten Bücher gibt und freue mich dieses Buch irgendwann auch im Regal stehen zu haben.

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