Montag, 13. August 2012

[Rezi] Elefanten sieht man nicht

Autor: Susan Kreller
Titel: Elefanten sieht man nicht
Genre: Jugendroman
Verlag: Carlsen (Hamburg)
Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 203 S.
ISBN: 978-3551582461

"Die Sache, die im blauen Haus passiert ist, hat mir viele böse Blicke und meinen Vater beschert."
(1. Satz)

Persönliche Zusammnfassung:
Mascha, die ihre großen Ferien immer bei ihren Großeltern verbringen muss, fühlt sich in dem kleinen Ort alles andere als wohl. Freunde hat sie dort nicht, da es kaum Gleichaltrige gibt und das jeder jeden kennt, macht es auch nicht besser. Zudem wird sie oft als Außenseiterin behandelt, da jeder in dem Ort weiß, wie ihre Mutter starb.
Doch Mascha flüchtet sich in ihre eigene Welt der Musik und verbringt ihre Zeit auf dem Spielplatz. Eines Tages tauchen dort die Geschwister Julia und Max auf. Beide sprechen kaum ein Wort und das findet Mascha ziemlich komisch. Als sie sich mit Julia aber anfreundet und die großen blauen Flecken auf den Körpern der Kinder durch Zufall entdeckt, weiß sie sie muss ihnen helfen.
Sie schmiedet einen Plan, der die friedliche Ruhe des Ortes endgültig zerstört.

"Und als diese Augenblick vorüber war, zog das Mädchen sein Shirt erschrocken wieder herunter und machte die riesigen lilabraunen und gelb geränderten Flecken auf seinem Bauch mit einer einzigen Handbewegung ungeschehen." 
(S. 20, letzter Satz)

Rezension:
Dies ist eine Geschichte eines Dorfes, wie es viele auf der Welt gibt. Ein Dorf das seine Ruhe haben möchte, deren Nachbarn friedlich miteinander leben und keine bösen Dinge sehen wollen. Denn in solchen kleinen Orten kommt es oft vor, dass die Augen vor den schlechten Dingen verschlossen werden. Berichtet jemand über etwas Schlimmes, wird es entweder totgeschwiegen, oder derjenige muss mit Verleumdung rechnen. 
So ergeht es auch Mascha, die in ihrer Geschichte auf ihre kindliche Art beschreibt, wie sie dahinter kommt, dass Julias und Max’s Vater die beiden schlägt.
Ein Tabuthema in dem kleinen Ort, denn immerhin „führt die Familie ein Autohaus“. 
Mascha aber weiß, dass Schlagen falsch ist und klügelt einen Plan aus. 
Als Leser kommt man kaum von diesem Buch los. So eindringlich, naiv und doch voller Mut wie diese Geschichte erzählt wird, fühlt man die Angst und Fragen über die Seiten schwappen. Mascha stellt die Frage aller Fragen und lässt auch den Leser damit nicht kalt: Wie soll man sich verhalten, wenn man so etwas wie schlagende Eltern mitbekommt? Die Betroffenen selbst schweigen meist, da sie sich dafür schämen, auch wenn sie nichts dafür können. 
Sicherlich ist klar, dass so etwas, sollte es entdeckt werden, nicht für sich behalten wird. Doch wie Susan Kreller klar aufzeigt, ist es nicht einfach gehört zu werden, auch wenn man laut die Wahrheit spricht. Schon oft haben Kinder etwas gesagt und es wurde unter den Tisch gekehrt oder als nichtig abgetan, was am Ende zu traurigen Konsequenzen führte. Der Schritt den die junge Protagonistin hier geht und den sie als einzigen Ausweg zu sehen scheint um die beiden Kinder zu retten, bedarf viel Mut, ist aber auch sehr gefährlich. 
In heutigen Zeiten wird zwar eher aufgehorcht wenn ein Kind etwas über körperliche Gewalt sagt, oder ein Kind immer wieder mit blauen Flecken auftaucht, doch heißt dies noch lange nicht, dass etwas gemacht wird. 
Dieses Buch weckt einige Leser sicherlich auf, denn sind es die Kinder die unsere Nachkommen sind und die Welt mit Lachen erfüllen. Vielleicht wird nach dieser und ähnlicher Lektüre jeder Mal genauer hinsehen und die Augen nicht vor dem Schmerz dieser kleinen Menschen verschließen und selbst sehen, wie wichtig es ist ein Kind zu beschützen und gut auswachsen zu lassen. Und auch wenn die Angst ums Einmischen noch so groß ist, sollte jeder abwägen, was dieser nicht nur körperliche Schmerz, bedeutet und was für Folgen so etwas für eine Seele und ein Leben haben können…

"Früher war das anders gewesen, vor diesem Sommer; bisher waren mir Versprechen nicht so wichtig erschienen. Aber jetzt - jetzt ging es um etwas.
Es ging darum, dass niemand ganz tot sein durfte.
Und niemand im Heim wohnen musste.
Es ging darum, dass hier keiner Verdacht schöpfte."
(S. 130, Zeile 2 - 10) 




Die Autorin:
Susan Kreller, 1977 in Plauen geboren, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte über deutsche Übersetzungen englischsprachiger Kinderlyrik. Sie lebt mit ihrer Familie in Bielefeld und arbeitet als freie Journalistin und Autorin.

1 Kommentar:

  1. Schöne Rezi :) Und das Buch hört sich gut an, werde ich mal auf meine Wunschliste setzen ;)

    Liebe Grüße :)

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