Freitag, 24. August 2012

[Rezi] Der Duft des Regens

Autor: Frances Greenslade
Titel: Der Duft des Regens
Originaltitel: Shelter
Genre: Roman
Verlag: mare (Hamburg)
Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 366 S.
ISBN: 978-3866481763

"Jenny hat mich gebeten, das Ganze aufzuschreiben."
(1. Satz)
 
Persönliche Zusammenfassung:
Maggie und Jenny sind zwei Schwestern, die in der Einöde Kanadas aufwachsen und deren Leben nicht gerade gewöhnlich verlaufen. Die schweigsame Maggie die immer Daddys Tochter war, gerne im Wald ihre Zuflucht sucht und es kaum aushält als ihr geliebter Vater eines Tages nicht mehr nach Hause kommt. Und die lebensfrohe Jenny, die es kaum aushält alleine zu sein, die Stille als schmerzhaft empfindet und ihre Tage an Mutters Seite verbringt. Zwei Mädchen die in ihrer Zeit des Erwachsenwerdens harte Schicksale erleben und doch nur einen Wunsch haben: Ihre Mutter wieder zu finden, die sie eines Tages einfach alleine lies...

"Verblichene geblümte Vorhänge, noch an der Stange, hingen an den Zähnen  der Baggerschaufel, als sie zum nächsten Biss ausholte, dann stürtzten sie in den Schutt der Ruine und verschwanden. Als ich dastand, meinen Koffer vor mir auf dem Bett, kam ich mir vor wie das Haus, ein Tumult aus Staub und Chaos, nichts mehr an seinem Platz, nichts mehr, wie es gewesen war."
(S. 110, letzter Absatz)
 
Rezension:
Dieses Buch wunderbar zu nennen würde so viel ausdrücken, aber doch nur einen kleinen Teil dessen freigeben, was ich empfand, während ich dieses Buch gelesen habe. 
Eine kleine Zeitreise verbirgt sich in der Geschichte, denn sie spielt in den 1970. Frances Greenslade hat die Umgebungsbeschreibungen so intensiv beschrieben, dass man sich fast vorstellen kann in der zerfallenen Hütte in Kanadas Wäldern zu sitzen und die scheinbar glückliche Familie zu beobachten.
Das Buch ist fast durchgehend aus der Sicht von Maggie geschrieben, die zu Beginn viel darüber berichtet, wie sie es schafft mit Hilfe ihres Vaters und seinen Tips ihr Überleben selbst in der Wildnis zu sichern.
Dem Leser begegnen viele Informationen und sanfte, blühende Beschreibungen über die Natur, die um den Schauplatz herum herrscht.
Es ist schnell klar, dass diese Familiengeschichte viel mehr bereithält, als den Verlust eines geliebten Vaters und den Kampf einer Familie über die Runden zu kommen.
Intensiv verfolgt man die Geschichte der zwei Mädchen, die von ihrer Mutter eines Tages bei einer Bekannten abgegeben werden, damit sie arbeiten gehen kann und sich irgendwann nicht mehr bei ihnen meldet.
Mit jedem "Unglück" scheint die Familie immer mehr zu zerbrechen und da die Mädchen die Ahnung haben, das jedes Unglück nur im Dreierpack kommt, ist man schon gespannt auf die nächste Veränderung.
Die Sichtweise Maggies schwankt zwischen naiver Kindlichkeit und einer Weisheit, die den Leser nur berühren kann.

"Das Getröpfel draußen vor dem Fenster sang seine gleichförmige Melodie, begleitet vom Scharren meines blauen Stifts, mit dem ich die Hudson Bay auf meiner Karte von Kanada ausmalte. Nach und nach würde der ganze Schnee schmelzen, und die Melodie würde sich verändern und schließlich verstummen."
(S. 160, 4. Absatz)
 
Der Hauptteil der Geschichte beinhaltet die Suche nach Irene und als die Suche endlich richtig beginnen kann, freut man sich, denn die Personen die im ersten Teil nur kurz eingefügt werden, haben weiter hinten sehr wichtige Rollen und man lernt sie besser kennen.
Der Leser taucht in die Vergangenheit der Familie und entdeckt ein paar alte Geheimnisse bei denen man sich selbst nicht entscheiden kann, ob man sie weitertragen würde oder in sich verschließen.
Eine berührende Geschichte um eine Familie sie sich immer mehr aus den Augen verliert und doch alles tut um beieinander zu bleiben um gemeinsam zu wachsen. 
Zwischendurch spielen die Briefe von Jenny an Maggie einen große Rolle und sichern ihren Zusammenhalt. Ab und an sind diese etwas sehr langatmig, aber darüber kann man hinwegsehen.
Das Ende der Geschichte wird mehr distanziert geschrieben was nur den Schutzmechanismus der Erzähler unterstreicht, denn am Ende finden sich alle wieder - nur auf eine ganz andere Art als gehofft.

Ich selbst hätte das Buch im Laden wahrscheinlich schon in die Hand genommen, aber wieder weggestellt. Daher bin ich sehr froh, dass ich es gewonnen habe, denn nach dem Lesen, würde ich sagen, dieses Buch nicht zu lesen wäre eine Schande.
Die Mischung aus Sanftheit, Härte, Trauer, Fröhlichkeit und Kampfesgeist, verpackt in diesen wunderbaren Familienroman mit kleinen Anteilen Spannung und Liebe ist wirklich etwas besonderes und lässt den Leser kaum los-
Wer also wie ich schon vor dem Regal stand, das Buch in der Hand hielt und es unschlüßig wieder zurück gestellt hat, sollte es noch einmal in die Hand nehmen, den Duft des Regens einatmen und das Buch mitnehmen.

""Und was war mit uns? Wir brauchten sie auch." Es krächzte aus mir heraus wie der Ruf eines verletzten Vogels."
(S. 297, Zeile 7 - 8)


Die Autorin:
Frances Greenslade, geboren 1961 in Ontario, Kanada, wuchs mit fünf Geschwistern auf der Niagara-Halbinsel auf. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Penticton, British Columbia, wo sie am Okanagan College Englisch lehrt. »Der Duft des Regens«, dessen Übersetzungsrechte bereits in mehrere Länder verkauft sind, ist ihr erster Roman.

1 Kommentar:

  1. Schöne Rezi :) Und das Buch klingt super. Ich hatte es auch noch nicht in der Hand, aber beim nächsten Büchergucken, werde ich es mal suchen und dann einatmen^^

    Liebe Grüße :)

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