Freitag, 6. Juli 2012

[Rezi] Die rote Halle

Autor: Karla Schmidt
Titel: Die rote Halle
Genre:
Psychothriller
Verlag: Piper (München)
Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 312 S.
ISBN:
978-3492272940

"Dave rennt, rennt zum Rhythmus der Worte in seinem Kopf, ein scheppernder Leierkastenwalzer, Maul-hal-ten, Maul-hal-ten, stolpert, fängt sich, rennt weiter, riecht Erde und faulendes Laub, links fliegt die Kleingartenanlage vorbei."
(1. Satz)

Rezension:
Berlin Tempelhof: Das verwaiste Flughafengebäude soll als Ort einer Inszenierung des Choreographen Josef Rost dienen. Mit in seinem Team ist auch Janina Zöllner, die mit ihrem Sohn extra aus Vancouver kommt. Ihre Sehnsucht nach Berlin ist stark und sie hofft, dass sie nach den Vorstellungen dort bleiben kann. 
Doch schnell fällt ihre Hoffnung in sich zusammen, denn ebenfalls bei der Inszenierung ist Dave Warschauer, der beste Tänzer der Zeit und der Vater von Simon. Er selbst weiß nichts von seinem Glück und erkennt Janina nicht einmal. 
Während ihre Gefühle verrücktspielen, trifft Simon auf neue Leute. Er hofft Freunde zu treffen, findet aber DeeDee, die es alles andere als gut mit ihm meint. Ihre anfänglichen Annäherungsversuche werden zur Bedrohung und für ihn gibt es nur noch den Ausweg nach Vancouver zurück. Erst als eine Tänzerin tot aufgefunden wird, ist klar, dass etwas nicht stimmt. Und als auch noch Simon spurlos verschwindet, macht sich Janina voller Angst auf die Suche...

 Schon das erste Buch „Das Kind auf der Treppe“ von Karla Schmidt hatte mir sehr gut gefallen. 
Mit „Die rote Halle“, legt sie noch eine Schüppe drauf. Die Geschichte startet nachdenklich und man spürt die Zweifel die Janina gegenüber ihrem Vorhaben hat. 
Detailgenau wird die Umgebung und das Gebäude des alten Flughafens beschrieben und der Leser kann sich sehr gut vor Augen führen, wie es dort aussehen mag. 
Josef Rost fand ich als Person eher etwas übertrieben, da er sehr exzentrisch ist und mit seiner aufreibenden Art alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Janina und Simon kommen einem dagegen gleich viel sympathischer vor. 
Karla Schmidt schafft es den Leser eine Weile an der Nase herum zu führen, denn neben Rost scheinen fast alle Protagonisten, trotz etwaiger Hochnäsigkeit, netter. Doch erlebt man mit Rost eine Achterbahnfahrt und der Leser kommt schnell dahinter, was seine Motive sind. 
Neben der Hauptgeschichte um der Inszenierung erfährt man immer wieder Details aus der Vergan-genheit von Rost, welche alles andere als harmlos sind. An einigen Stellen ist das Buch sehr intensiv und die Beschreibungen gehen unter die Haut, dadurch bleibt dem Leser die Gänsehaut nicht erspart. Beschreibungen von blutigen Szenarien spielen zwar nur in dem Theaterstück eine Rolle, aber mit den Erklärungen einiger heftigerer Verletzungen, kann man rechnen. 
Die Autorin selbst hat sich jeden Charakter vorgenommen und ihm eine eigene Persönlichkeit gebastelt, die immer wieder intensiv beschrieben werden. Die Spannung nach dem Verschwinden Simons wird stetig hoch gehalten und durch die Wechsel der Sichtweise wird sie noch vertieft. 
Ein Psychothriller der einen auf all den Seiten nicht zur Ruhe kommen lässt, aber auch einen Hauch von Liebe beinhaltet. 
Das Zeugnis einer Frau, die sich entscheiden muss, wen sie rettet und eine Geschichte die jedes Herz schneller schlagen lässt.


Die Autorin:
Karla Schmidt, geboren 1974 in Göttingen, lebt mit Mann und zwei Kindern in Berlin, wo sie ein Kultur-, Theater- und Filmwissenschaftsstudium abschloss. In Rheinsberg hat sie an der Inszenierung von Opern- und Tanztheaterprojekten als Dramaturgin, Regieassistentin und Inspizientin mitgewirkt. Sie erhielt 2009 den »Deutschen Science Fiction Preis« für die beste Kurzgeschichte. 

Weitere Bücher:
  • Das Kind auf der Treppe
 

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