Freitag, 29. Juni 2012

[Rezi] Nächsten Sommer

Autor: Edgar Rai
Titel: Nächsten Sommer
Genre:
Roman
Verlag: atb (Berlin)
Erscheinungsjahr: 2011
Seiten: 236 S.
ISBN:
978-3746627328

"'Wieso kommst du denn erst jetzt?' Bernhard sieht mich an, als sei ich ihm eine Erklärung schuldig."
(1. Satz)

Rezension:
„Nächsten Sommer“ das ist in Felix' Freundeskreis ein Synonym für „Niemals“ oder „Vielleicht irgendwann einmal“. Für Felix aber scheint es als würde es keinen nächsten Sommer mehr für Bernhard, Zoe, Marc und ihn geben, denn ihre langjährige Freundschaft scheint immer mehr auseinander zu fließen. Doch als Felix' Onkel ihm ein Haus am französischen Meer hinterlässt ist klar, dass sie diese Reise zusammen machen müssen. 
So machen sie sich mit einem alten, klapprigen Bus auf den Weg in ein fremdes Land und eine ungewisse Zukunft. 
Auf dem Weg dahin treffen sie nicht nur auf neue Freunde, sondern teilweise finden sie sich selbst. Und eines ist klar: Nächsten Sommer sehen sie sich alle wieder...

"Die Augen noch geschlossen, denke ich an das, was vor uns liegt: Onkel Hugos Haus. Durch die Ereignisse der letzten Tage ist es in meiner Vorstellung größer und größer geworden. Als hinge alles davon ab, dass wir tatsächlich dort ankommen. Als würde dann alles gut werden.
(S. 155, 2. Absatz)

Ein paar Mittzwanziger, deren Leben sich langsam aber sicher in verschiedene Richtungen dreht und die sich immer mehr voneinander entfernen. Nur durch einen Wink des Schicksals verbringen sie noch einmal ein paar spannende Tage miteinander. Edgar Rai schafft es dem Leser eine Mischung aus Tatendrang, Melancholie, Leben, Abenteuer und Sehnsüchten zu präsentieren. 
Die beschriebenen Personen könnten nicht unterschiedlicher sein und man schreibt schnell jedem Protagonisten seine Eigenschaften und Eigenheiten zu, so dass man sie sich gut vorstellen kann. 
Das Buch liest man in einem Rutsch, da man nicht davon loskommt, wie Felix von seiner Vergangenheit und seiner Gegenwart erzählt. Seine Gedanken und Erlebnisse füllen die Seiten und man fühlt sich mit ihm verbunden. Doch nicht nur das „Jetzt“ spielt eine große Rolle. Wichtig ist die Selbstfindung die Felix auf der Reise nach Frankreich durchmacht. Er lässt die Geschehnisse mit seiner Familie Revue passieren und der Leser erfährt wieso er seinen Onkel lange nicht mehr gesehen hat und warum er seinen Vater nicht leiden kann. 
Den Kampf den er an einigen Stellen mit sich selbst ausficht, kann wohl jeder nachvollziehen und man will ihm am liebsten den Weg weisen. 
Rai hat die Geschichte in Tage eingeteilt und vor jeden dieser Tage einen kleinen Ausschnitt aus einem Song gestellt. Die Texte lassen sich jedes Mal gut mit dem folgenden Tag verbinden. 
Ein wundervolles Buch, das dem Leser Freude bereitet und trotz nicht ganz klarem Ende ein Lächeln auf jedes Gesicht zaubern wird. 
Eine Geschichte um Freundschaft und das Leben, das jeden einen zweiten Blick auf seine Umgebenen werfen lassen wird.


Der Autor:
Edgar Rai, geboren 1967, wurde mehrerer Schulen verwiesen, ging ein Jahr nach Amerika und studierte Musikwissenschaften und Anglistik in Marburg und Berlin. Er arbeitete unter anderem als Drehbuchautor, Basketballtrainer, Chorleiter, Handwerker und Onlineredakteur. Seit 2001 ist er freier Schriftsteller. Bisher erschienen u. a. die Romane „Vaterliebe“ und „Nächsten Sommer“. Zuletzt kam der Roman „Sonnenwende“ bei Rütten & Loening heraus. Edgar Rai hat drei Kinder und lebt in Berlin.  

Weitere Bücher:

Kommentare:

  1. Guten Abend,

    durch Zufall habe ich deinen schönen Blog entdeckt, hier werde ich sicher öfter vorbei schauen :)
    Deine Rezi gefällt mir sehr gut, das Buch steht auch schon auf meiner Wunschliste!
    LG
    Nina

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  2. Klingt wie ein Buch das mir gefallen könnte! Deine Rezension dazu ist aucn sehr schön geworden und macht zudem neugierig auf das Buch!

    LG Anni

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