Montag, 18. Juni 2012

[Rezi] Weißer Oleander

Autor: Janet Fitch
Titel: Weißer Oleander
Originaltitel: White Oleander
Genre: Roman
Verlag: Lübbe (Bergisch Gladbach)
Erscheinungsjahr: 2000
Seiten: 511 S.
ISBN: 978-3785720165

"Die heißen Santa-Ana-Winde wehten aus der Wüste herüber und dörrten die letzten Frühlingshalme zu bleichem Stroh."
(1. Satz)


Rezension:
Mit zwölf verwändert sich Astrids Leben von Grund auf: Anstatt die Tage mit ihrer Mutter verbingen zu können, wird diese wegen Mordes verhaftet und für das junge Mädchen beginnt eine Odyssee. Sie wird von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gereicht, macht Bekannschaft mit Drogen, Sex und Sehnsucht nach Liebe. Während sie versucht in den fremden Familien alles richtig zu machen und dabei nicht aus eigener Schuld scheitert, setzt ihre Mutter sie auch noch aus dem Gefängnis heraus unter Druck.
Und als Astrid endlich einen Menschen gefunden hat, der sie bedingungslos liebt, ist es wieder ihre Mutter die alles zerstört...

"Ich war das alte Kind, die Vergangenheit, die verbrannt werden mußte, damit meine Mutter, der Phönix, wieder auferstehen konnte; ein goldener Vogel, der sich aus der Asche erhob. Ich versuchte meine Mutter durch ihre Augen zu sehen. Die schöne, gefangene Dichterseele, das leidende Genie. Litt meine Mutter? Ich zwang mich, es mir vorzustellen. Sie hatte sicherlich gelitten, als Barry sie aus dem Haus warf, nachdem er mit ihr geschlafen hatte. Doch als sie ihn getötet hatte, war ihr Leiden irgendwie wettgemacht worden."
(S. 422, Zeile 8 - 16)

"Weißer Oleander" ist eine Lebensgeschichte; eine Geschichte über das Erwachsenwerden.
Janet Fitch schafft es den Leser in ihren Bann zu ziehen. In den Bann einer Mutter, die etwas Besonderes zu sein scheint und doch nichts anderes ist als manipulativ und versucht ihr Fehler vergessen zu machen. Sie will geachtet werden und auf diesem Weg geht sie nicht nur über Leichen, sondern zerstört das Leben ihrer Tochter.
Einfühlsam wird beschrieben, wie Astrid in die verschiedensten Pflegefamilien gesteckt wird, die allesamt verschiedener sind, als jedes Paar Schuhe. Je weiter die Enttäuschungen reichen und je mehr die Protagonistin verletzt wird, desto weniger fühlt sie sich wert und je mehr schuldig. Eine Schuld die sie nicht trägt, aber die immer wiedr auf sie abgewälzt wird und ihr Leben somit alles andere als erleichtert. 
Zwar sind diese Beschreibungen fiktiv, wenn man sich aber mit diesem Thema etwas mehr auseinander setzt, merkt man schnell, dass die verschiedenen Beschreibungen der Familien sehr wohl einen wahren Kern haben.
Berührend und aufrüttelnd wird die Geschichte um Astrid erzählt. Gerne möchte man sie an die Hand nehmen und ihr die andere Seite der Welt zeigen, die Glücklichere.
Ein Zeugnis über die verschiedensten Lebensarten der verschiedensten Menschen und der klare Beweis, dass man der Mensch ist, zu dem man gemacht wird. 
An manchen Stellen ist es etwas langatmig und es hätte etwas verkürzt werden können. Dennoch ist es ein sehr intensives Buch, das den Leser auch lange nach Beendigung nicht loslässt.
2002 wurde das Buch verfilmt und ich werde mir den Film nach diesem berührenden Buch wohl auch ansehen.


Die Autorin:
Janet Fitch lebt mit ihrer Familie in Los Angeles, dem Schauplatz dieses Buches. Sie hatte bereits zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht, als die berühmte Kollegin Joyce Carol Oates sie ermutigte, einen Roman zu schreiben. Von der amerikanischen Kritik als erstaunliches Debüt der letzten Jahre gefeiert, führte "Weißer Oleander" über Monate hinweg die Bestsellerliste der New York Times an und fand weltweit Beachtung: Das Buch wird verfilmt und erscheint in mehr als zwanzig Ländern.  

Weitere Bücher:
  • Paint it black

Kommentare:

  1. Aw, klasse, "Weißer Oleander" ist eines meiner Lieblingsbücher - ich freue mich, dass es zwischen den ganzen Neuerscheinungen noch nicht ganz vom Erdboden verschluckt wurde und es dir gefallen hat ;-)
    Der Film ist etwas anders als das Buch, aber gehört meiner Meinung nach zu den wenigen guten Literaturverfilmungen. Bin gespannt, wie deine Meinung ausfällt, wenn du ihn gesehen hast!

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  2. oh das buch fand ich auch ganz toll - ich glaub ich muss es gleich wieder rausholen und nochmal lesen :-)

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  3. Hab die Rezi hier gerade über Google gefunden. Freut mich, dass es noch mehr Menschen gibt, die dieses Buch jetzt erst entdeckt und gelesen haben und denen es gefallen hat :)
    Zum ersten Mal habe ich "Weißer Oleander" 2009 gelesen. Es ist ein wahnsinnig tolles Buch und der Film ist auch gut. Die Schauspieler sind meiner Meinung nach perfekt gewählt! :) Auf deine Meinung zum Film wäre ich allerdings auch gespannt ^^

    lg Caro
    http://wint3rkind.blogspot.com/

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