Donnerstag, 3. Mai 2012

[Rezi] Störfall in Reaktor 1

Autor: Wolfram Hänel
Titel: Störfall in Reaktor 1
Genre: Jugendthriller
Verlag: cbt (München)
Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 223 S.
ISBN:
978-3570307953

"Die Katze ist schwarz."
(1. Satz)

Rezension:
Eines ist für Lukas und seinen Kumpel Jannik klar: Auch wenn die Anschaltung der Atomkraftwerke immer näher rücken, kann die Gefahr, die von diesen gefährlichen Bauten ausgeht, nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden. In ihrer Heimatstadt Wendburg müssen sie täglich auf eines der vielen AKWs blicken und mit den Konsequenzen leben. Denn auch wenn ein Zusammenhang nicht öffentlich bestätigt wird, sind in dem kleinen Dorf viele Kinder an Leukämie erkrankt - auch Lukas kleine Schwester.
Mitten in der Nacht lösen sie einen gefakten Strahlenalarm aus. Doch die Folgen lassen nicht lange auf sich warten. Denn auch wenn die Aktion nur die Bewohner des Dorfes aufwecken sollte schaltet sich plötzlich eine geheime Organisation ein und schnell wird klar, dass irgendetwas im AKW passiert sein muss. Immer mehr Details geraten in die Hände von Lukas und seiner Freundin Hannah - doch bevor sie mit allem an die Öffentlichkeit gehen können, werden ihre Pläne auf gefährliche Weise durchkreuzt...

"Aber er hört nicht mehr hin, was sein Vater jetzt erwidert. Ihm ist gerade ein Gedanke durch den Kopf geschossen. Die Frage, die dieser Müller ihm vorhin gestellt hat und die er in seiner Aufregung und Angst nur halb mitgekriegt hat, ohne sie wirklich zu begreifen. Als Müller ihm den Kopf zurückgerissen hat, da hat er etwas gesagt, was nicht passte: "Woher habt ihr von dem Störfall gewusst?""
(S. 39, letzter Absatz von Kapitel 3)

Da ich das Thema um Atomkraftwerke und deren Bedrohungen selbst sehr interessant finde, griff ich vor einiger Zeit im Buchladen spontan nach diesem Buch.
Zu Anfang war ich sehr skeptisch, was es wirklich beinhalten würde, doch nach Beendigung ist klar, dass jeder dieses Buch lesen sollte. Nicht nur Leute die sich sowieso für dieses Thema interessieren, sondernauch diejenigen, die sich entweder noch keine großen Gedanken um dieses Thema gemacht haben, oder die den ganzen "Quatsch" um das Abschalten der AKWs nicht verstehen.
Nach diesem Jugendbuch wird so mancher das Grübeln anfangen und klarer sehen.
Wolfram Hänel hält das Buch in einer recht einfachen Sprache, so dass jeder versteht worum es geht. Fachbegriffe werden fast gänzlich herausgehalten und wenn doch einer enthalten ist, wird er gut erklärt.
Lukas und seine Freunde leben schon immer mit dem AKW in direkter Nachbarschaft und leben täglich mit der Angst, dass die Reaktoren ihnen um die Ohren fliegen. Doch die Betreiber des AKW versuchen alles, damit die Bewohner des Dorfes - und somit deren Arbeiter - bleiben und nicht auf die Idee kommen, dass mal etwas schlimmes passieren könnte. Es stehen die gute bezahlten Jobs, viele Freizeitangebote und gute Bildungsmöglichkeiten, sowie ein Ausbau für den Tourismus Gerüchten und Verleumdungen gegenüber - so zumindest sieht das der Direktor des AKW. Doch wird Lukas schnell klar, dass in dem Werk so einiges versucht wird zu vertuschen. Liest mal all die ungemeldeten Zwischenfälle kann man sich sehr gut vorstellen, dass das auch in Wirklichkeit so ist. Denn wie oft hat man schon nach einem Zwischenfall eine Nachricht gehört, dass alles gut verlaufen ist? Wieso wurde nicht gleich zu Beginn gesagt das etwas passiert ist? Oft genug hat man solche Nachrichten schon mitbekommen und es ist wirklich fraglich, ob bei einer größeren Katastrophe gleich alles ans Licht kommen würde (siehe Fukoshima, wo ebenfalls vieles unter der Hand lief und bis heute noch nicht alle wissen, was wirklich passiert ist). Es ist schon traurig zu wissen, dass es Menschen gibt, die nur Profit machen wollen und damit dann die Leben so vieler Menschen gefährden. 
"Störfall in Reaktor 1" wurde in Folge von Fukushima geschrieben, wohl auch um den Menschen dieses Thema näher zu bringen, die sich wohl eher nicht dafür interessieren würden, eben um Jugendlichen zu verdeutlichen was es wirklich bedeutet wenn ein Unglück geschieht.
Auch wenn ich immer wieder im Zwiespalt war, ob zumindest die Beweisfindung und alles wirklich so einfach wäre wie in dem Buch beschrieben, hat mich das Buch überzeugt. Insbesondere der Epilog hat mit einen Gänsehautschauer nach dem anderen über den Rücken gejagt.
Wer sich ein bisschen für das Thema interessiert, sollte zu diesem Buch greifen und wer einen tieferen Blick in unsere Energiegewinnungsanlagen wagen will und sich traut einigen unschönen Vorstellungen zu begegenen ist mit diesem Buch an der richtigen Stelle.
Aufweckend, aufwühlend und so nah an der Realität, dass es noch lange im Kopf bleiben wird...


Der Autor:
Geboren 1956 in Fulda, lebt seit 1959 mit kurzen Unterbrechungen in Hannover. Studium der Germanistik und Anglistik an der FU Berlin, arbeitete als Plakatmaler, Theaterfotograf, Werbetexter, Spieleerfinder, Studienreferendar und Dramaturg, bevor er 1987 zu schreiben anfing. Inzwischen sind weit über 100 Kinder- und Jugendbücher, Romane und Theaterstücke von ihm erschienen, die in insgesamt 22 Sprachen übersetzt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurden.
Hänel gilt als "einer der vielschichtigsten Autoren im deutschen Sprachraum" (Jury des Kurt-Morawietz-Literaturpreis), unter dem Pseudonym "Kurt Appaz" schreibt er ausschließlich für Erwachsene, gemeinsam mit der Dramaturgin Ulrike Gerold hat er als "Gerold/Hänel" auch einen Kriminalroman veröffentlicht, dem weitere folgen sollen.

Weitere Bücher:
  • Du bist doch nur noch zugekifft (2007)
  • Irgendwo woanders (2002)
  • Lola und Glatze (2001)

1 Kommentar:

  1. Ich finde das Buch gut weil es mich zum Nachdenken angeregt hat, ob in dem Wirtschaftszweig der Atomkraft wirklich Störfälle häufig vertuscht werden. Oder ob es auch in anderen Wirtschaftszweigen solche Vertuschungen gibt. Ob man wirklich nur die richtigen Leute bestechen muss und alles ist „perfekt“. Außerdem merkt man das auch der Autor in etwa so denkt, den er lässt das Drama von Fukushima hineinfließen. Indem dann wird immer gesagt wird das es im AKW Wendburg sei sicher aber das wurde auch bei Fukushima gesagt. Außerdem war ich überrascht dass der Autor auch Tatsachen mit einbringt wie zum Beispiel dass Atomkraft zwar kein CO² ausstößt. Aber die Produktion des angereicherten Urans oder Plutonium Umweltschädlicher ist als ein Kohlekraftwerk. Genau solche Themen werden immer nur runtergespielt oder gar nicht erwähnt dadurch hat mir das Buch in gewisser maßen die Augen geöffnet.

    Gruß Pixelix

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