Freitag, 4. Mai 2012

[Rezi] Im Winter dein Herz

Autor: Benjamin Lebert
Titel: Im Winter dein Herz
Genre:
Roman
Verlag: Hoffmann und Campe (Pößneck)
Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 156 S.
ISBN:
978-3403602

"In Hamburg lebte ich nahe der Innenstadt."
(1.Satz)

Rezension:
In vielen Ländern ist es mittlerweile üblich, dass auch die Menschen über die Wintermonate wie Tiere einen Winterschlaf halten. Mit drei kleinen Pillen verbringen sie die kalten Monate im Tiefschlaf und fahren den Energieverbrauch in dieser Zeit extrem nach unten. Nicht nur eine gute Erholung für die Menschen, sondern auch für die Umwelt. Wem das nicht gefällt, der kann auch ganz normal wach bleiben und die Stille um sich herum genießen. Robert hat nur einen Wunsch: er will diesen Winter noch einmal seinen Vater sehen - vielleicht zum letzten Mal und macht sich auf durch das ruhende Deutschland. Mit zwei fast Fremden begeht er die Reise und während der Tage lernt auch der kranke Robert, das Freunde etwas sehr wichtiges sind.

"Der Himmel sandte fahles Licht über der Stadt aus. Vereinzelte träge Flocken fielen. Es herrschte beißend Kälte. Die Buden auf dem Viktualienmarkt waren schneeüberhäuft und sahen wie Geschöpfe aus, die ein eisiger Blick gebannt hatte. Die Fenster in den Häusern ringsrum - wie Augen, die fest geschlossen waren. Robert stellte sich vor, er könnte sie manchmal wie unter unruhigen Träumen zittern sehen."
(S. 91, 1. Absatz)

Nach langer Zeit hat Benjamin Lebert wieder einmal einen Roman veröffentlicht - was mich sehr gefreut hat. Bisher hatten seine Veröffentlichungen immer sehr gutes Potential.
"Im Winter dein Herz" hat mich immer wieder vor die Frage gestellt, ob ich es weiterlesen soll oder nicht.
Die Geschichte um Robert steigt direkt ein und man erfährt nie so richtig, was wirklich der Grund ist, warum er nicht mehr essen will bzw. kann, denn das ist der größte Punkt in der Geschichte. Seine neuen Freunde trifft er in einer Klinik, in die er sich selbst einweisen lässt. Dort ist es nicht leicht für ihn, aber er versucht alles um wieder gesund zu werden.
Mit hilfe von Annina und Kudowski fährt er während fast das ganze Land schläft nach München und will dort seinen Vater besuchen. Der liegt in einem Krankenhaus und es ist fraglich, wie lange er noch leben wird.
An sich ist die Geschichte sehr interessant, doch immer wieder schweift die Geschichte ab und man kommt aus dem Tritt. Immer wieder werden andere Themen mit eingeflochten. Man erfährt auch immer wieder etwas von den anderen Mitreisenden, kann sich aber nicht ganz darau einlassen, da schon auf der nächsten Seite ein neues Thema angeschnitten wird. Während die Geschichte voran schreitet, erfährt man mehr über die Verzweiflung von Robert und seine Ängste, dennoch bleiben immer wieder Fragen offen.
Trotz der offenen Fragen finde ich das Buch aber gelungen. Es beschreibt die verschiedenen Wege und Umwege der Feundschaftsfindung. Ebenso sind teilweise gute philosphische Ansätze zu entdecken, die aber nicht ganz ausgereift sind. Neben der Geschichte um die Freundschaft wird auch das Familienleben besprochen und man bemerkt, dass dieses Thema für Robert kein leichtes ist.
Das Ende erfreut den Leser und das Schmunzeln kann man sich nicht verkneifen.
Für zwischendurch ein gutes Buch, dass schnell gelesen dahin fließt und einen melancholisches Gefühl hinterlässt...


Der Autor:
Benjamin Lebert, Jahrgang 1982, lebt in Hamburg. Er hat mit zwölf Jahren angefangen zu schreiben. 1999 erschien sein erster Roman, "Crazy", der in 33 Sprachen übersetzt und von Hans-Christian Schmid fürs Kino verfilmt wurde.


Weitere Bücher:
  • Crazy 
  • Flug der Pelikane
  • Der Vogel ist ein Rabe
  • Kannst du

Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezi :)
    Das Buch klingt interessant ... Werd es vielleicht auch mal lesen :D

    LG

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  2. Ich habe es zufällig heute in der Buchhandlung entdeckt und so gedacht "ach vom Lebert.. das könntest du dir ja mal antun" - aber jetzt habe ich nicht mehr so viel Lust dazu. Thematisch ist es einfach nicht meins, denke ich.
    Daher - danke für deine Rezension!!

    LG Jimmy

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  3. Hm, hört sich eigentlich ganz interessant an für zwischendurch. Von Lebert habe ich zu Hause noch "Flug der Pelikane" ungelesen herumliegen. Werde mal schauen, wie mir das gefällt.
    Liebe Grüße, muselmu :)

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