Sonntag, 15. April 2012

[Rezi] Mein böses Herz

Autor: Wulf Dorn
Titel: Mein böses Herz
Genre:
Jugendthriller
Verlag: cbt (München)
Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 411 S.
ISBN:
978-3570160954

"Was hast du getan, Doro? Was hast du nur getan...?"
(1. Satz)

Rezension:
Tag und Nacht wird Doro von Halluzinationen begleitet - und alles begann nach dem Tod ihres kleinen Bruders. Sie hat ihn in seinem Bettchen gefunden und fühlt sich seit da an von ihm verfolgt.
Nach einer Theapie und einem Wohnortwechsel scheint es ihr besser zu gehen, doch schon bald suchen Doro neue beunruhigende Visionen heim. 
Sie scheint im Schuppen des Gartens einen verletzten Jungen zu sehen, der aber nach eintreffen von
Polizei und Notarzt vspurlos verschwunden ist. Ihre Mum schickt sie zu dem gegenüber wohnenden Pychologen Dr. Nord, der ihr versucht zu helfen. Doro aber weiß, dass sie sich den Jungen sich nicht eingebildet hat - alle anderen aber sind überzeugt, dass er sich Tage zuvor umgebracht hat, nur seine Leiche noch nicht identifiziert ist. 
Um den Schein zu wahren, geht Doro weiterhin zur Therapie, fängt aber an nach Hinweisen zu suchen. Dabei kommt sie Julian, Dr. Nords Sohn, näher und verliebt sich in ihn. Er aber versucht Doro immer wieder aus dem Weg zu gehen. Als sie seinem Geheimnis immer näher kommt, gerät sie nicht nur in Gefahr, sondern muss sich auch ihren eigenen Monstern stellen und eine grausige Wahrheit dringt an die Oberfläche...

"Oben abgekommen, sah ich zu dem leeren Zimmer am Ende des Ganges. Das Fenster dort war gekippt und der Windzug hatte die Tür ein Stück aufgeweht. Nun spielte er mit dem Vorhang und lies ihn flattern. Darunter erkannte ich im Flackern der letzten Wetterleuchten die Silhouette des Hasen. Mum hatte ihn wieder zurück auf den Karton gesetzt.
Obwohl es dunkel war, glaubte ich, den Hasen grinsen zu sehen. Hämisch und bösartig, wie das Insektenmädchen aus meinem Albtraum.
(S. 170, Absatz 3 & 4)

Dies war das erste Buch von Wulf Dorn, dass ich gelesen habe und ich denke ich werde mich auch mal den anderen widmen. Diesen Jugendthriller umgibt eine leicht mystische Aura.
Der Einstieg beginnt mit dem Geschehen vor dem Tod von Doros kleinem Bruder. Es scheint alles gut zu sein und Doro verträgt sich wieder mit ihrer Familie, bis sie plötzlich ihren Bruder findet und die Geschichte abprubt ins Jetzt wechselt. Man erfährt von all der Angst und Verdächtigungen die Doro nach dem Geschehen ausgesetzt war, sodass man den Umzug verstehen kann.
Schnell wird dem Leser klar, dass Doro eine besondere Gabe hat. Sie kann den Menschen Farben zuordnen und auch andere Sachen und Gefühle drückt ihr Inneres in Farben aus. Durch diese Gabe ist sie auch für andere Dinge sehr empfänglich. So kommt es auch nicht komisch vor, dass sie glaubt Dinge zu sehen, die gar nicht da sind.
In "Mein böses Herz" wird man mit der bösen Seite seines Selbst konfrontiert und dadurch glaubt man schon fast das Doro etwas unvorstellbares getan hat.
Menschen die zuvor unsymphatisch wirkten, werden schnell zu den "Guten" und diejenigen die sich Doro als ihre Freunde aussucht, geben am Ende ein grausiges Geheimnis preis.
Meiner Meinung nach ist Dorn damit ein wunderbares und am Verstand zweifelndes Verwirrspiel gelungen. Sich zu entscheiden ob man Doro nun für gut oder schlecht befindet, ob man auf ihrer Seite steht oder nichts - das ist nur schwer zu entscheiden, bis einen die Wahrheit am Ende wie ein Axt trifft.
Viele werden in diesem Buch Ängsten und Visionen begegnen, die immer wieder Schauer über den Rücken laufen lassen. Dennoch wird sich auch jeder bestätigt sehen, denn auf irgend eine Weise wird jeder schon mal etwas mehr oder weniger Schlimmes getan oder gedacht haben. Es ist menschlich, dass wir nicht immer nur alles gut und perfekt machen.
Ebenfalls ist dieses Buch ein Kampf darum wieder in der Gesellschaft akzeptiert zu werden, denn Doro hat durch ihren Aufenthalt in einer Psychatrie den Stempel der "psychisch Kranken" mit komischen Visionen, dass noch nicht mal mehr ihre Mutter ihr glaubt. Sie aber lässt sich nicht unter kriegen, auch wenn alles noch so ausweglos erscheint und macht sich daran allen zu zeigen, dass sie alles andere als krank ist.
Die Spannung hält sich um Längen und wird immer wieder durch verwirrt dargestellte Gefühle unterbrochen.
Ein spannendes Buch, was nur zu empfehlen ist. 
Doch Vorsicht! Man könnte seinem bösen Herz begegnen.


Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an cbt.

Der Autor:
Wulf Dorn, Jahrgang 1969, schreibt seit seinem zwölften Lebensjahr. Seine Kurzgeschichten erschienen in Anthologien und Zeitschriften und wurden mehrfach ausgezeichnet. Seit 1994 ist er in einer psychiatrischen Klinik tätig. Mit seinem Debütroman "Trigger" gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller, die Verfilmung des Romans befindet sich in Vorbereitung. Mittlerweile wurden Dorns Bücher in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Der Autor lebt mit seiner Frau in der Nähe von Ulm.


Weitere Bücher:
  • Kalte Stille (2012)
  • Dunkler Wahn (2011)
  • Trigger (2009)

Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezension! :)
    Ich möchte es auch bald mal lesen, da ich schon so viel gutes darüber gehört habe :D

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  2. Ich fand das Buch auch richtig toll!! Ich liebe es :)

    Grüße, Nina

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  3. Hallo Lesefee,

    ich kann mich deiner Meinung voll und ganz anschließen:

    Diese Geschichte hat mich während und nach dem Lesen nicht mehr losgelassen, die Charaktere haben mich berührt und die Handlung teilweise schockiert. Die Story ist gleichzeitig Thriller, Science-Fiction, Drama und Liebesgeschichte – und vor allem sehr spannend!

    Fazit: 5 von 5 Sternen

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  4. Hey,
    vielen Dank für dein Abo!! :D
    Das Genre dieses Buches mag ich zwar nicht so und das cover finde ich auch eher abschreckend, aber du konntest mir das Buch schon fast schmackhaft machen :D. Fast, weil ich es wahrscheinlich trotzdem nicht lesen werde, weil ich noch hunderte Bücher vorher lesen würde, wie gesagt nicht mein Genre.
    Ich habe auch deine Rezension zu The Hunger Games glesen, aber ich fand den Film eigentlich nahezu perfekt. Da ich nicht weiß wie es im zweiten Teil anfängt und weitergeht, habe ich das aus meiner Rezension rausgelassen, aber es stimmt schon, der Konflikt zwischen Katniss und Peeta, der am Ende des ersten Buches vorkommt, ist hier nicht gegeben.
    Schöne Seite!

    LG FantasyBookshelf

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